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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
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Ethik.

höchsten, den allein bleibenden, unvergänglichen Werth verleiht, eben das Sittliche daranist. Hieraus geht aber bereits auch hervor, daß diese so nahe Verwandtschaft derPädagogik mit der Ethik dennoch nicht bis zur Identität beider ausgedehnt werden kann.Die Ethik bietet der Pädagogik die allgemeinen Grundlagen dar; diese empfängt vonjener ihr Prineip, empfängt das Maß, an dem sie ihre eigenen Bestrebungen undLeistungen zu messen hat; der ganze Geist, in welchem die Pädagogik ihre Aufgabe faßtund löst, wird bestimmt durch die von ihr vorausgesetzte Ethik, so daß man z. B. voneinem Pädagogen, auch wenn er nie über seine ethischen Ueberzeugungen sich äußernwürde, immer sagen kann seine Erziehungsweise (ob sie nun bloße Praxis oder auchals Theorie von ihm gedacht ist) sei der Wärmemesser für seine Ethik. Während aberhiernach nicht bloß einzelne Theile der Ethik es sind, die auch den Pädagogen berühren,weil alles, was sittlich ist und zu sittlichen Zwecken dient, durch die Erziehung dem erstzu bildenden menschlichen Individuum angeeignet werden soll, so ist dagegen geradediese Aneignung, diese Ethisirung durch Erziehung darum wieder eine besondere Auf-gabe, weil sie als das zu ethisirende Subject nicht den Menschen oder die Menschheitüberhaupt, sondern den unmündigen Menschen, das Kind vor sich hat, und zwar inganz concreten, zeitlich und räumlich bestimmten Verhältnissen, denen gemäß die einzel-nen Bildungszwecke, in welche sich der allgemeine und höchste, d. h. ethische Zweckdirimirt, sowie die einzelnen Mittel dazu (z. B. im jeweiligen Stande der Schulen,im jeweiligen Stadium der allgemeinen Bildung, im Ertrage der mit verschiedenenMethoden gemachten Erfahrungen u. s. f.) historisch sich gestaltet haben. Mit EinemWorte: die Pädagogik wird zur speciellen Technik in einer Weise, wie es die Ethik niewerden kann. Das Verhältnis der Pädagogik zur Ethik ist ganz ähnlich dem, in wel-chem zu letzterer die Politik steht; auch diese muß von der Ethik ihre Principien em-pfangen, nicht zwar, als wäre das Prineip der Ethik auch selbst schon das der Politik,wie sie allerdings das der Pädagogik ist, doch so, daß auch jenes ein von der Ethikanerkannter, in ihrem System eine Stelle einnehmender Willeuszweck sein muß; (wenndie Staatskünstler häufig ihre Ethik von ihrer Politik, statt ihre Politik von der Ethikbeherrschen lassen, so haben sie das nicht bloß für sich als Individuen vor dem Sitten-gesetz zu verantworten, sondern es ist alsdann auch ihre Politik als Politik eine schlechte,wie mau doch endlich aus der Geschichte sollte gelernt haben, vergl. Rothe a. a. O. III.S. 901 f.;) aber die Technik der Leitung eines Staates hängt noch von vielen andernMomenten ab, deren Kenntnis eben den Politiker iin Unterschiede vom Ethiker aus-macht. So muß der Ethiker nicht nothwendig auch das Detail der Pädagogik kennen,wie ein Schulmann dieses kennt; aber desto gewißer darf der Pädagog vom Fache, willer anders auf vollständige, d. h. auch wissenschaftliche Fachbildung Anspruch haben, inder Ethik kein Fremdling sein. Dieser Forderung entsprechen viele Schulmänner vonanerkannter Tüchtigkeit, die während ihrer praktischen Laufbahn vielleicht nicht mehr zuphilosophischen oder theologischen Studien kommen, doch im wesentlichen dadurch, daßihnen als Christen die Ethik des Christenthums innewohnt, und daß sie als denkendeund gebildete Männer ihre sittlichen Ueberzeugungen, ihre ganze Welt- und Lebens-anschauung wie ihre praktischen Grundsätze nicht bloß als ein Erbstück vom Elternhausund von der Schule her beibehalten, sondern daß sie dieselben innerlich verarbeitet, zurKlarheit und Einheit gebracht und sich sowohl befähigt als gewöhnt haben, sich überihr eigenes Wollen und Thun Rechenschaft zu geben, wie auch über alle Begebenheitenund Handlungen, die in ihren Gesichtskreis fallen, sich ein festes Urtheil zu bilden. Abernur um so mehr werden dieselben damit einverstanden sein, daß es dem Pädagogenwohl zu Statten komme, in der Ethik auch nach ihrer wissenschaftlichen Gestaltung sichumzusehen; sie ist ihm zwar nicht diejenige Doctrin, die ihm unmittelbar über seineBerufsthätigkeit zu wissenschaftlichem Bewußtsein verhilft, das ist die Pädagogik,aber doch für diese selbst die Fundamentalwissenschaft, die Prämisse, ohne die auch seinpädagogisches Wissen und Können des wissenschaftlichen Charakters, der klaren Begrün-dung entbehrt. Dies macht es einer pädagogischen Encyklopädie zur Pflicht, unbeschadet