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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
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Ethik.

Crziehnngstalent, Takt.

Lob und Tadel, Lohn und Strafe die pädagogische Unparteilichkeit, welche nichtäußerlich nach dem Buchstaben eines bestimmten Gesetzes nrtheilen darf, auf dem rich-tigen Takt des Erziehers. Doch mag dieses genügen, um das Wesen und die wesent-lichsten Aufgaben des pädagogischen Taktes festzustellen; für die Lösung dieser Ausgabenbestimmte Regeln zu geben, ist eben darum nicht möglich, weil sie eine Sache des Taktesist. Denn wenn Schleiermacher (Kurze Darstellung des theologischen Studiums Z 132;mit Recht definirt, daß Kunst in dem Sinne, in welchem man auch von Redekunst undErziehungskunst spricht,jede zusammengesetzte Hervorbringnng (sei), wobei wir unsallgemeiner Regeln bewußt sind, deren Anwendung im einzelnen nicht wieder auf Regelngebracht werden kann:" so ist eben der Takt dasjenige, was, wo die Regeln aufhören,supplirend eintreten muß, wodurch die Erziehung vorzugsweise zur Erziehungskunstwird und was deswegen auch ein besonderes Erziehungstalent voraussetzt.*)

Die bei jedem Berufe so natürliche Forderung, daß der, welcher ihm sich widmet,vor allem sich selbst prüfe, ob er auch den Voraussetzungen genügt, von welchen dieLösung der jedesmaligen Berufsaufgabe abhängt, wird leider gerade bei dem Berufedes Erziehers nicht selten außer Acht gelassen. Wie der in solchen Fällen dem berufs-treuen Manne gewiß sich fühlbar machende Defect des Talentes durch Nachdenken,Studium und gewissenhaften Eifer möglichst zu ersetzen und wie überhaupt das natür-liche Talent in freier sittlicher Thätigkeit auszubilden und anzuwenden sei, darüber vgl.man den Art. Erzieher (S. 302 ff.) G. Baur.

Erziehungswissenschaft, s. Pädagogik.

Ethik (Moral; Sittenlehre). Wenn wir einen Artikel über diese Wissen-schaft somit nicht etwa bloß über die Behandlung ihres Inhalts im Schul- undGymnasialunterricht, worüber wir auf den Art. Religionsunterricht verweisen, sondernüber die Ethik selbst hier einreihen, so mäßen wir ohne Zweifel mit diesem Gegenstandan diesem Orte anders verfahren, als wenn der Artikel für ein theologisches oder einphilosophisches Werk oder für eine allgemeine Encyklopädie bestimmt wäre; der päda-gogische Standpunct und Gesichtskreis soll auch bei dem, was unter obigem Titel zurSprache kommt, nicht verlassen werden. Allein wofern wir uns deshalb etwa dar-auf beschränken wollten, bloß diejenigen Partien der Ethik zu beleuchten, in welchen sieder Pädagogik ihre Grundsätze leiht oder selber pädagogische Miene annimmt, so müßteuns bei näherem Nachsehen bald einleuchten, daß jener Zusammenhang zwischen beidenein viel innerlicherer und darum durchgreifenderer ist. Die Ethik hat nicht bloß eineAnzahl Begriffe mit der Pädagogik gemein; sie hat auch nicht bloß einen Punct inihrem System, wo die Pädagogik mit ihr zusammenstößt oder aus ihr herauswächst(dieser Punct ist das Familienleben, s. z. B. Chalybäus, Speculative Ethik I.S. 376 f. 481; Schleiermacher, Christliche Sitte S. 220; Rothe, Theol. EthikIII. S. 679710): sondern an der Ethik ist alles zugleich auch Pädagogik, nichtbloß in jenem allgemeineren Sinn, in welchem man jeder Wissenschaft, d. h. der Wahr-heit in allen ihren Erscheinnngs- und Darstellungsformen eine bildende, also erziehendeWirkung auf den zuschreiben kann, der sich mit ihr beschäftigt, sondern in einem nähern,unmittelbareren Sinn, da der Gegenstand der Ethik der menschliche Wille selbst und dasihm gegebene Gesetz für eine Selbstbestimmung ist, folglich jeder auf diesem Gebietegewonnene Satz entweder direct sich in eine praktische Regel übersetzen oder aus ihmsich eine solche ableiten läßt. (Bergl. I. H. Fichte, System der Ethik II. 1 . S. 158:Die Ethik, als Lehre von der Bildung des sittlichen Charakters, tritt auch in ein empi-risch-praktisches Verhältnis. Indem sie die innere Natur des Bösen aufdeckt, indem sie dieäußerlich begünstigenden oder hemmenden Elemente seiner Verwirklichung kennen lehrt,wird sie Kunstlehre der Menschenerziehung im einzelnen, wie in der Gesammtheit.")Selbst wenn die Ethik nichts wäre, als eine systematische Pflichtenlehre, so müßte siedoch zugleich, um nicht ganz im Abstracten zu verharren, irgendwie einen Weg zur

*) Vgl. hiemit den Art. Erziehungskunst.

D- Red.