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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
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Erziehungstalent, Takt.

nehmen eines Kindes kann man nicht wohl taktvoll nennen, nnd das feine Gefühl,welches durch jede Unangemessenheit verletzt wird und das Angemessene überall sicherherausfühlt, wird erst dann zum Takt, wenn mit der Feinheit des Gefühls auch dieSicherheit des Benehmens sich verbindet. Weiter schließt der Begriff des Taktes dieBeziehung auf den Verkehr mit andern und die ihnen schuldige Rücksicht ein: der Histo-riker, welcher in seinem Werke lediglich den objectiven Thatbestand darzustellen bemühtist, hat keine Gelegenheit, sich taktvoll zu zeigen; schreibt er dagegen für ein bestimmtesPublicum, etwa für die Jugend, so ergeht die Forderung an ihn, daß er in Bezug aufdie Wahl von Stoff und Form taktvoll verfahre. Endlich kann natürlich nur die Sicher-heit des Benehmens in zweifelhaften Fällen auf den Ruhm eines besonderen TaktesAnspruch geben: der Erzieher, welcher die allgemeinen pädagogischen Grundsätze undRegeln mit gewissenhafter Sorgfalt befolgt, ist darum noch nicht taktvoll, sondern erstwenn die Anwendung der allgemeinen Regel auf den besonderen Fall zweifelhaft ist,kann der Takt sich offenbaren. Solche Fälle aber kommen gerade bei dem Berufe desErziehers besonders häufig vor, einmal weil es sich hier um den Verkehr mit Individuenhandelt, welche noch nicht unter der Zucht der allgemeinen Regeln stehen, von welchender gesellige, bürgerliche und amtliche Verkehr der Erwachsenen beherrscht ist, und dann,weil bei der Aufgabe, die Zöglinge aus der Unselbständigkeit allmählich zur Selbständig-keit zu erziehen, immer aufs neue die Frage entsteht, inwieweit einerseits zu verhütenist, daß nicht die wachsende Selbständigkeit in ihrem Recht gekränkt, andrerseits, daßnicht die noch vorhandene Unselbständigkeit durch Unterlassen positiver Einwirkung Ge-fahren ausgesetzt wird. Was zunächst das persönliche Verhältnis des Erzieherszu dem Zögling anlangt, so würde der Erzieher, der mit den Kindern kindisch wird,ebenso taktlos handeln, wie der, welcher mit äußerlicher Zucht jede freie Bewegung desKindes unterdrückt, und taktvoll nur der, welcher bei aller eigenen Achtung vor demRechte des kindlichen Alters und der Eigenthümlichkeit der einzelnen Individualität dochden Zöglingen eine wahre Auctorität zu werden und dadurch eine wirksame Achtungvor dem Gesetze zu begründen verstünde. Bei der erziehenden Einwirkung imengeren Sinne würde es eben so verkehrt sein, die Zöglinge im Kindesalter sich selbstzu überlassen, als den zum Jüngling reifenden Knaben durch kleinliches Gängeln fort-während in kindischer Unfertigkeit zu erhalten; dagegen verräth sich der Takt des Er-ziehers in der Fertigkeit, mit der wachsenden Selbständigkeit des Zöglings die positiveEinwirkung zu ermäßigen. Der taktlose Lehrer stört das gegenseitige Verhältnisder Zöglinge, wenn er das Lob des einen mit dem Tadel eines andern so mischt,daß jener zu selbstzufriedener Eitelkeit verleitet wird, in diesem Niedergeschlagenheit ent-steht oder gehässige Eifersucht gegen den bevorzugten: in dem Munde des taktvollen istLob wie Tadel ein Sporn zur Pflichterfüllung. Beim Unterrichte wäre es eben sotaktlos, eine formelle Geistesbildung zu suchen ohne Mittheilung von Stoff, oder Kindernach Basedows Manier in roher Aufklärerei mit Dingen bekannt zu machen, für derenrichtige Würdigung ihr Geist noch nicht reif ist, als mechanisches Anfüllen des Gedächt-nisses oder prüde Scheu vor jeder Berührung geschlechtlicher Verhältnisse bei Jüng-lingen, die den Homer und Horaz lesen: der Taktvolle weiß den Stofs so mitzutheilen,baß der Geist geübt wird, und weiß das Bedürfnis der verschiedenen Altersstufen zuunterscheiden. Bei der Einwirkung auf das sittliche Verhalten darf der Erzieherweder durch blindes Zutrauen in den besseren Sinn der Zöglinge diese gleichsam heraus-fordern, den leichtgläubigen zu hintergehen, und so sich selbst lächerlich machen, nochdurch inquisitorisches Mistrauen das bessere Gefühl verletzen und das Zutrauen derZöglinge verscherzen. Auf ähnliche Weise hat es seine Schwierigkeit bei der pädagogischenEinwirkung auf die einzelnen Seiten der Individualität stets das rechteMaß zu finden zwischen Ueberreizung und Vernachläßigung des Gefühls, zwischen derHinlenkung des Denkens auf die genaue Erkenntnis des Einzelnen und auf die Erkennt-nis des allgemeinen Gesetzes, zwischen der Sorge für Abhärtung des Körpers und Er-haltung der vorhandenen Gesundheit, und ganz besonders beruht beim Austheilen von