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Erziehungstalent, Takt.
Demnächst wird er auf die Sphäre der Wissenschaft übertragen, insoweit es sich hiernm die Auffindung tief liegender und fruchtbarer Principien handelt, so wie auf Ge-biete des praktischen Handelns, welche durch die Mannigfaltigkeit und die stets neuenVerkettungen bedeutender Verhältnisse der menschlichen Thätigkeit auch stets neue undbesonders schwierige Aufgaben stellen, deren glückliche Lösung eine besondere Schnellig-keit und Sicherheit des Blickes und eine ungewöhnliche Thatkcaft, überhaupt eine außer-ordentliche geistige Befähigung voraussetzt; in diesem Sinne spricht man von wissen-schaftlichen, politischen, militärischen Genies. Die Verhältnisse dagegen, in welchender Erzieher in Schule und Haus zu wirken hat, sind so einfach, die Aufgaben kehrenim wesentlichen so sehr immer wieder und darum kann man auch über die Mittel zuihrer Lösung, zumal innerhalb der christlichen Gemeinschaft, so wenig zweifelhaft sein,daß es hier nicht auf die Neues findende und schaffende Kraft des Genies ankommt,sondern auf die umsichtige und sich gleich bleibende Thätigkeit eines init Gewissenhaftig-keit benützten pädagogischen Talentes. „Ein genialer Erzieher' ist ebenso wenig einganz eigentlich gebrauchter Ausdruck, als etwa „ein genialer Seelsorger." Nur wo esbei völliger Zerrüttung der pädagogischen Verhältnisse auf neue Begründung eines ge-ordneten Zustandes ankommt durch außergewöhnliche Mittel, wäre für die schöpferischeThätigkeit des Genies eine Stelle. Unter den epochemachenden Pädagogen der neuerenZeit hatte offenbar Pestalozzi auf den Namen eines pädagogischen Genies am erstenAnspruch, obgleich er jene harmonische Verbindung verschiedener Eigenschaften nicht be-saß, welche das pädagogische Talent ausmachen.
Wenn natürliche Anlage durch den heiligen Geist erhöht die rechte Richtung em-pfängt und verklärt wird, so wird sie zum Charisma im neutestamentlichen Sinne,und in der That gehen, bei der innigen Verwandtschaft des pädagogischen und seel-sorgerlichen Amtes, die Gnadengaben, welche das Neue Testament als die unentbehr-lichsten Grundlagen des Berufes zum Bischofsamte darstellt, den Eigenschaften parallel,welche wir als Hauptfactoren des Erziehungstalentes bezeichnet haben, die Gaben derLehre, der Regierung und des Unterscheidens der Geister (t Cor. 12, 4—11. 28 ). Ja der Prophet des alten Testamentes schon zählt, wenn er als die Gabendes Geistes bezeichnet Weisheit und Verstand, Rath und Stärke, Erkenntnis und Furchtdes Herrn (Jes. II, 2), damit zugleich die Eigenschaften auf, welche das Erziehungs-talent begründen, die stets auf die gottgewollten höchsten Zwecke gerichtete Weisheit undden scharf unterscheidenden und Persönlichkeiten und Verhältnisse richtig würdigendenVerstand, den Rath, der überall die richtigen Mittel und Wege findet, und die That-kraft, welche diese Mittel energisch handhabt, und endlich wird mit der Erkenntnis undFurcht des Herrn die Grundlage angegeben, auf welcher jene Eigenschaften ruhen mäßen,um zu gedeihlicher pädagogischer Wirksamkeit zu führen.
Der Ausdruck Takt, insofern damit „die Feinheit und Sicherheit des Benehmensim Umgang" (Heyse, Fremdwörterbuch u. d. W.) bezeichnet wird, geht nicht von demBegriffe des musikalischen Taktes aus (wie z. B. Krug im encyklopädisch-philosophischenLexikon annimmt), so daß damit eigentlich das Einhalten des richtigen Maßes im Be-nehmen bezeichnet wäre, sondern er geht unmittelbar auf tuotus, Gefühl, dann in emi-nentem Sinne: feines Gefühl zurück. Bestimmter verstehen wir unter Takt die aufnatürlicher Feinheit des Gefühls beruhende und durch Erfahrungund Uebung ausgebildete Fertigkeit, im freien Verkehr mit andernin jedem gegebenen Fall, und insbesondere in zweifelhaften Fällendas Angemessene unmittelbar mit Sicherheit zu erkennen und zuthun. Das erste Moment in dieser Begriffsbestimmung, daß der Takt auf einer Natur-anlage beruhe, weist auf seine Verwandtschaft mit dem Talent hin: ohne den natürlichenfeinen Sinn für die persönliche Eigenthümlichkeit anderer und für die Besonderheit derjedesmaligen Lage wird es niemand zum Ruhme eines taktvollen Verhaltens bringen.Auf der andern Seite aber ist der Takt auch nicht bloß Sache des Talentes, sondernzugleich eine durch Erfahrung und Uebung ausgebildete Fertigkeit. Das anständige Be-