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Erziehmigsprilicipien.
— oder Ewald (Vorl. über die Erz.-L. 1808 I. S. 7): „Erziehung ist die Summealler menschlichen Veranstaltungen, wodurch die mannigfaltigen Kräfte eines jungenMenschenwesens zu rechter Zeit und in naturgemäßem Verhältnis entwickelt, geübt undzu der wahren Bestimmung des Menschen hingeleitet werden." Hier ist doch auf dieProportion zwischen verschiedenen Kräften und auf die allgemeine Bestimmung desMenschen hingewiesen; aber gerade diese letztere kann noch sehr verschieden gefaßt wer-den, es ist vorerst nur ein formeller Ausdruck, der seines Inhalts noch gewärtig ist.
b) Principien, die ein bestimmtes Ziel vorstellen, eine festumgrenzte Idee, diedurch die Erziehung realisirt werden soll; sei es, daß dieselbe auch ihrem Inhalte nachidealer und spiritueller Art ist, eine Idee, die gleichsam über den reellen Dingen schwebt,oder daß sie der greifbaren Wirklichkeit angehört, also mehr materieller Natur ist. Dabeimacht es aber einen wesentlichen Unterschied, ob das, wozu und wofür der Zögling er-zogen werden soll, in ihm selbst liegt oder ob es eine außer ihm bestehende, universellerePotenz ist, zu welcher er sich nur als Mittel verhalten, der er nur dienstbar sein soll, —in deren Hände, wie Schleiermacher (Erz.-L. 701) sich ausdrückt, die Erziehungihren Zögling dereinst abzuliefern hat (s. über diesen Gegensatz selber den Art. Er-ziehung.) Diese beiden Linien berühren sich allerdings vielfach; darin z. B., daß ichirgend einem Allgemeinen, wie dem Vaterland, der Civilisation u. s. w. mich dienstbarmache, kann ja auch mein eigenes höchstes Glück erreicht sein, und umgekehrt, wennmeine eigene Bildung ihren Höhepunct erreicht hat, so wird sie mich auch fürs Allge-meine desto (brauchbarer und nützlicher machen. Aber die Frage ist, auf welche der
beiden Seiten das Hauptgewicht gelegt wird; hiernach rubriciren sich uns die betreffen-den Principien folgendermaßen.
1) Subjective Seite.
«) Principien von idealem Charakter.
Dahin gehört Grasers „Divinität," Niemeyers „Humanität," welche letztere(in seinen Grundsätzen der Erz. u. d. Unt. I. K 9) schließlich als Harmonie der Frei-heit mit der Vernunft gefaßt wird. Aehnlich ist die Definition des Erziehungszweckesbei Rosenkranz (Syst, der Päd. § 13): Menschlichkeit als Verwirklichung der demGeist nothwendigen Freiheit. Dasselbe Princip liegt in der Definition von I. G.
Fichte (Grundlage des Naturrechts 1796): Erziehung ist Aufforderung (?) zur freien
Selbstthätigkeit. Diesen Ideen allen lassen wir ihre volle Berechtigung, aber um andie Spitze der Pädagogik gestellt zu werden, müßte ihnen schon ein bestimmter Inhaltgegeben sein, da sie sich allesammt in sehr verschiedenem Sinn und Geist auffassenlassen. Während jedoch diese Principien zwar das Ziel der Erziehung in den Zöglingselber setzen, aber in jedem Individuum das Gleiche als solches Ziel postuliren, nämlicheben die Humanität, die Divinität u. s. w.: so subjectiviren andere dasselbe nochmehr; sie setzen es nicht nur in das Subject, sondern in das Individuum. So fordertSchwarz (Erz.-L. II. S. 331): „suche das göttliche Urbild in jedem Individuum zuerschauen: dieses Urbild des Individuums muß zur Wirklichkeit werden;" eben soJean Paul (Levana I- § 26): „Jeder von uns hat seinen idealen Preismenschen insich, den er heimlich von Jugend auf frei oder ruhig zu machen strebt. In einem An-thropolithen kommt der Jdealmensch auf der Erde an; ihm von so vielen Gliedern dieSteinrinde wegzubrechen, daß sich die übrigen selber befreien können, dies ist oder seiErziehung; — nur muß jener Jdealmensch, der in jeder besseren Seele der stehendeHauslehrer bleibt, vorher errathen werden; kein solcher könnte gegen einen andern aus-gewechselt werden." — Es ist die Idee der Persönlichkeit, die in diesem Princip auf-tritt; wie viel wahres darin liegt, haben wir in dem Art. „Charakter" dargelegt, aberm einem pädagogischen Princip muß eben so sehr das für alle gleichmäßig Gültige zuseinem Recht kommen; als Princip also wäre obiges zu einseitig. Es ist daher ganzrichtig, wenn Gustav Baur beides zu combiniren sucht (Grundz. der Erz.-L. 8 4):»Jeder ist" (§ 26) „bestimmt, zur Förderung des göttlichen Lebens in der Menschheiteme ganz eigenthümliche Stellung im Organismus derselben einzunehmen." Aehnlich