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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
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Erziehnngsprincipien.

Princip, oder umgekehrt, dieses Personwerdeu eines Princips auch für die Pädagogikvon Wichtigkeit ist, wird sich unten zeigen. Was aber in diesem Falle sich personificirthat, was Fleisch geworden ist, das ist immer ein Gedanke, eine Idee; und wofern nunsolch ein znm Herrschen geborner Gedanke in einen Begriff oder Satz gefaßt wirdmag er nun irgendwo mit einer Persönlichkeit sich identificirt haben oder nicht, sonennen wir auch solchen Begriff oder Satz ein Princip, zu deutsch einen Grundsatz(z. B. Princip der Souveränität, des Constitutionalismus u. s. f.). Haben wir es mitirgend einem Gebiete theoretischen Wissens zu thun, so ist das Princip ein Satz, ausdem sich alle andern entweder direct ableiten lassen, oder dem sich doch auch was ausandern Wissensgebieten entlehnt oder aus der Erfahrung unmittelbar gewonnen wird,unterordnen, dem es sich conformiren muß. Haben wir irgend ein praktisches Wissenzu ordnen, so ist das Princip ein Satz, der die Grundregel, den absoluten Maßstabfür alle übrigen enthält, ein oberstes Gesetz Jak. 2, 8), das in allen

Gesetzen entweder nur seine concrete Anwendung oder Ausprägung findet, oder an dem,was irgend Geltung und Aufnahme ins System erlangen soll, sich muß prüfen lassen.Principlos kann eine Wissenschaft eben so wenig sein, als ein Mann, d. h. ein Charaktergrundsatzlos; es liegt im Wesen der Wissenschaft, daß sie nicht ein Aggregat, ein Cu-mulus von wenn auch wahren Sätzen über irgend ein Object, sondern daß in derMasse Ordnung und Einheit ist. Diese Forderung wie die Möglichkeit ihrer Erfüllungberuht objectiv auf dem innern Nexus der Dinge selber, d. h. darauf, daß sie vonEinem Schöpfergeiste einheitlich geordnet sind (die Welt ist ein Kosmos, nicht einChaos); sie tragen ein Realprincip in sich, auch wenn der menschliche Geist dasselbenoch nicht aufgefunden; hat er dasselbe gefunden, so ordnet er darnach auch seine Er-kenntnisse, und jede principiell construirte Wissenschaft ist hiernach eigentlich ein unwill-kürliches orsäo io oooio llsora. Subjectiv aber beruht jene Forderung auf der Con-stitution des denkenden Geistes selber, der, je mehr er zu sich selber kommt, um somehr für alles disparate, was er in sich aufnimmt und reproducirt, eine Einheit suchtund nur in dieser sich vollkommen befriedigt. Woher aber gewinnt er dieselbe? Psycho-logisch giebt es der Wege viele, auf denen ein Mensch zu solch einem Grundgedankengelangt, auf denen er denselben findet; an sich aber wird ein Princip nie erst durchAbstraction, durch Deduction, durch Calcul gewonnen, es ist nie erst das Resultat vonanderweitigen Prämissen (dann wäre vielmehr die Prämisse das Princip), sondern es istimmer eine Realität, die sich mir zu geistiger Intuition darbietet, die aber für meineWissenschaft oder für mein Handeln erst dadurch zum Princip wird, daß ich sie mitmeinem Willen ergreife, ihr gleichsam huldige. Daher kommt es, daß einerseits wohläs xriooixüs ooo sst ämxutaoäoio, denn worauf einmal mein Wille einen entschiedenenWerth legt, davon bringen mich Argumente des Verstandes nicht ab, andererseitsaber dennoch auch von Principien gesagt und nachgewiesen werden kann, daß sie falschoder wahr, schlecht oder gut, ein 7-^ci-E oder eine Fundamentalwahrheit seien:

denn was jemand als Realität ansieht, kann möglicherweise ein bloßer Schein, oderwas jemand als höchstes Gut begehrt, kann etwas untergeordnetes, kann seinem Kernenach ein Nebel sein. Tragen wir dies nun auf unser Gebiet über, so fragt es sicherstens, ob die Erziehung und Erziehungswissenschaft überhaupt ein Princip nöthig hat?und zweitens, woher wir dasselbe bekommen oder welches das richtige ist? Was dasErste betrifft, so würde die Erziehung gar nicht Gegenstand einer Wissenschaft werdenkönnen, wenn sich kein Princip aufstellen ließe; nur wenn alle einzelnen Lehren, alleZwecke und Mittel, alle Gebote und Rathschläge, die sich auf das Erziehungsgeschäftbeziehen, unter eine Einheit gebracht und in organischem Zusammenhang dargestelltwerden können, ist eine Pädagogik als Wissenschaft möglich. Aber auch die Praxis derErziehung kann eines Princips nicht entbehren. Ist sie völlig principlos wie etwaauch eine Politik principlos sein kann, so vernichtet sie sich selbst, hebt heute dieWirkung dessen wieder auf, was sie gestern gethan; der Zögling, statt selber zu einemLebensprincip zu gelangen, wird keine feste Anschauung von dem, was er thun und seinsoll, gewinnen; die Willkürlichkeit, Unbeständigkeit, Launenhaftigkeit der Umgebung wird