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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
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Erziehung, verkehrte Richtungen in derselben.

setzt an die Stelle des leeren Formalismus und abstracten Humanismus einen plumpenRealismus, der nicht minder bedenklich ist.— Wenn die Vernachlässigung des Ver-hältnisses des Zöglings zu der Gesellschaft und seinen Pflichten gegen sie zur offenenFeindschaft gegen die bestehenden Ordnungen der Gesellschaft wird, so geht der Indivi-dualismus in der Erziehung in Radicalismus über, der nach einem vorgefaßten,abstracten Begriffe von dem Wesen und Rechte des Menschen das. Bestehende von derWurzel aus umzugestalten trachtet: der pädagogische Radicalismus hängt mit Rousseau'sEmil ebenso zusammen, wie der politische Radicalismus und seine Erklärung der Menschen-rechte mit dem oolltrut, sooiul. Während nun die radicale Opposition gegen die bestehendestaatliche Ordnung als ein das Recht und die Gesetze des geschichtlichen Werdens ver-achtender abstracter Demokratismus hervortritt, zeigt sie sich in ihrer Feindschaft gegendie von dem christlichen Princip ausgehenden religiösen Ordnungen als Paganismus,insofern sie die positiven Heilslehren und Heilsthatsachen verachtet, durch welche derMensch aus dem natürlichen Leben dem ihm vorgesteckten Ziele der Gottähnlichkeit ent-gegengeführt werden soll, und dagegen das natürliche Leben vergöttert und in der Be-friedigung der Ansprüche desselben die eigentliche Bestimmung des Menschen erkennt: dadie Opposition gegen den Staat unmittelbar gefährlich ist, so ist der pädagogische Nadi-calismus gegen ihn nur gelegentlich bei besonders günstigen Zeitumständen herausgetretenund hat sich lieber in der unschädlicheren Feindschaft gegen die schutzlosere Kirche gefallen.Bekanntlich hat sich wiederholt die Befürchtung geltend gemacht, es werde dieser Oppo-sition die pädagogische Beschäftigung mit den Erzeugnissen heidnischer Cultur Vorschubleisten, und man hat daher das aus dem elastischen Alterthum entlehnte Unterrichts-material durch christliche Schriften zu ersetzen gesucht. Bei näherer Betrachtung aber er-weist sich jene Befürchtung als unbegründet. Allerdings hat die Verwechslung einer be-stimmten unvollkommenen Erscheinungsform des Christenthums mit seinem Wesen unddie Begeisterung für die in ihrer Weise unübertreffliche Vollendung der wissenschaftlichenund künstlerischen Producte des elastischen Alterthums hie und da auch Pädagogen ver-anlaßt, ähnlich wie einst Winkelmann und auch Goethe in einer gewißen Lebensperiode,sich zu rühmen, daß sie Heiden seien, und zu vergessen, daß nur die Verbindung derFormvollendung des elastischen Alterthums mit der göttlichen Reinheit und heiligen Kraftdes christlichen Princips zur wahren Bildung führen kann, daß dagegen die antike Culturallein hiezu eben so wenig ausreichen würde, als sie im Stande war, Griechen undRömer selbst vor dem Verderben zu bewahren, welches, nach der tiefsinnigen Entwicklungdes Apostels (Röm. 1, 21—32), überall da das Ende ist, wo der Anfang mit der erstenBerirrung gemacht wird, statt das Geschöpf zum Schöpfer zu erheben, den Schöpfer zumGeschöpf herabzuziehen. Im ganzen aber hat der historische Sinn, welcher durch die Be-schäftigung mit dem elastischen Alterthum nothwendig angeregt wird, und der idealeSchwung, welcher seinen Erzeugnissen eigen ist, die pädagogischen Vertreter der elastischenBildung davor bewahrt, das Recht und die Bedeutung des positiven Christenthums zuverkennen. Vielmehr ist die radicale Opposition gegen Christenthum und Kirche haupt-sächlich in Rücksicht auf die Verhältnisse der Volksschule aufgetreten, und wenn sie auchkeineswegs von deren Leitern und Lehrern ursprünglich ausgieng, so haben doch manchevon den letzteren daran theilgenommen, theils von dem allgemeinen Aufklärungsschwindelder „Neuzeit" hineingezogen, theils weil ihre bedrängte äußere Lage eine Aenderungwirklich sehr wünschenswerth machte und sie dann in der Wahl der Mittel sich vergriffen.Bekanntlich haben diese radicalistischen Reformbestrebungen sich namentlich in den lautenund vielstimmigen Ruf nach Emancipation der Schule zusammengedrängt,- der ge-wiß vollständig berechtigt war, sobald er verlangte, daß bei der Ausdehnung und Mannig-faltigkeit, welche gegenwärtig der Organismus des Schulwesens erreicht hat, die obereLeitung desselben einer besonderen Behörde übergeben werde, vollkommen unberechtigtaber, sobald er eine Verwerfung jeden Zusammenhangs zwischen Kirche und Schulebedeutete, wie er namentlich in dem wechselseitigen Verhältnisse des Ortsgeistlichen unddes Volksschullehrers repräsentirt ist, sobald er in paganistischem Sinne die Forderung