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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
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Erziehung, verkehrte Richtungen in derselben.

als sicher zu begegnen war. Rousseau selbst zwar hatte noch mit der ihm eigenenlöblichen Jnconsequenz nachdrücklich die Albernheit gerügt, welche glaubt, mit Kindernauf dem Wege des Naisonnements etwas erreichen zu können. Basedow aber, der desFranzosen geniale und hinreißende Declamationen in hausbackene deutsche Prosa über-setzte, machte mit dem Jntellectualismus gründlichen Ernst und etablirte recht eigentlichdie auf- und ausklärende Pädagogik. Ernste Mahnung oder gar strenge Strafe mußtevon diesem Standpuncte aus als verwerfliche Tyrannei erscheinen, kam aber freilich inder Praxis immer vor, entweder weil der Erzieher gelegentlich doch durch seinen natür-lichen Jnstinct über die Grenzen seiner Theorie hinausgerissen wurde, oder weil inanstatt der üblichen Strafen allerlei absurde Maßregeln ausklügelte, die zwar nicht wieStrafen aussehen sollten, es aber doch in der That waren (s. d. Art. Basedow undBahr dt). Sehr natürlich! denn da ja doch wirkliche Vergehen der Zöglinge nicht aufeinem Defect der Erkenntnis beruhen, sondern auf einein Widerstreben des ungeordnetenWillens gegen das wohl erkannte Gesetz: so kann die Erziehung sich der Nothwendig-keit nicht entziehen, durch eine von sittlichem Unwillen betonte ernste Mahnung auf Ge-fühl und Willen zu wirken und durch die Strafe dem Zögling das Bewußtsein zu er-wecken, daß das Gesetz, dessen Befolgung gefordert wird, nicht ein Product der Willkürist, sondern eine heilige reale Macht, welche an dem, der sich gegen sie auflehnt, em-pfindlich sich rächt. Allerdings aber muß eine Zeit kommen, wo das Gesetz aufhört,unterstützt durch die Auctorität des Erziehers und die drohende Strafe, dem Zöglingnur äußerlich gegenüberzustehen, wo er vielmehr insofern sich selbst ein Gesetz gewordenist, als er mit klarer Einsicht in dessen Grund und Bedeutung es in sich ausgenommenhat; und darum muß man sich vorsehen, daß nicht die Opposition gegen den einseitigenJntellectualismus in die entgegengesetzte Verkehrtheit sich verrennt, welche man alsMechanismus bezeichnen könnte, weil sie gar nichts dafür thut, daß der Zögling vonden an ihn ergehenden Forderungen ein eigenes Verständnis und damit die Möglichkeiteiner selbstbewußten und wahrhaft selbstthätigen Pflichterfüllung gewinne. — Vergl.Raumer, Geschichte der Pädagogik III. S. 255 ff. — Palmer, Evang. Pädagogik(1. Aufl.) I. S. 18 ff. 114. 232. — Wiese, Die Bildung des Willens. Berlin 1857S. 28 ff. — Ders-, Deutsche Briefe über englische Erziehung S. 7. 41 ff. 53 ff. —Baur, Ueber die neueste Umgestaltung in der deutschen Pädagogik; Thcol. Stud. u.Krit. 1854 S. 713 ff. — Briefe über „den Pietismus als Erziehungsfehler" in denfliegenden Blättern aus dem Rauhen Hause. 1858 S. 225 ff.

4) Es wurde bereits darauf hingedeutct, daß die naturgemäße Erziehung imRousseau'schen Sinne gerade das eigentliche Wesen der Natur des Menschen, wornachdieser bestimmt ist, ein sooialo animal zu sein, übersah und darum ihren Gegenstandnur in dem von der Gesellschaft isolirten einzelnen Zögling erkannte. Aus dieser Ver-kennung der Beziehung des Individuums überhaupt und des Zög-lings insbesondere zur Gesellschaft erwächst wieder eine Reihe falscher Rich-tungen in der Erziehung. Die so eben angedeutete Grundverkehrthcit in dieser Hinsicht,welche als ihr Object nur den vereinzelten Zögling erkennt, kann man als Subjectivis-mus, oder, da es sich doch um eine falsche Stellung des Objectes der Erziehunghandelt, minder misverständlich als Individualismus bezeichnen. Dieser Indivi-dualismus kennt nur Rechte des Zöglings und mannigfaltiges Unrecht, welches von derGesellschaft der unschuldigen, reinen Kindernatur angethan worden ist; von den Pflichtendes Zöglings gegen das Ganze, dem er angehört, gegen die Gesellschaft, gegen seinVolk und Vaterland und von dem Unrecht, welches dem Ganzen durch einen Einzelnenwiderfährt, der in seiner selbstsüchtig isolirten aufgeblähten Subjectivität nur sich selbstleben will, davon weiß diese rücksichtsvolle und überzarte Pädagogik nichts. Bei derJsolirung des Zöglings wird zugleich vergessen, daß er für die realen Verhältnisse,welche den Organismus der Gesellschaft constituiren, erzogen werden soll, für Familie,Staat und Kirche, und wie sehr er durch diese Verhältnisse erzogen wird: der Individua-lismus geht in einen abstracten Formalismus über, welcher kein inhaltsvolleres

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