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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
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Einüben.

Eisenlohr.

aber er muß im Stande sein, das Wissen darüber in sich zu erwecken, sobald es ver-langt wird. Ebenso muß bei dem jungen Lateiner mit der Fertigkeit in Anwendungder Regel die Einsicht in diese selbst parallel gehen. Fertigkeit ohne Einsicht ist blind,gerade wie das Wissen ohne entsprechendes Können eitel und werthlos ist; das rechteMischungsverhältnis zwischen Unterweisung und Uebung ist aber nicht immer leicht zutreffen, wie die Geschichte der Pädagogik darthut. Vom gleichen Gesichtspunct aus wirdder Lehrer auch alle seine Kraft und Gewandtheit aufbieten, um Einförmigkeit zu ver-meiden und Abwechslung in die Hebungen zu bringen, damit der Schüler nicht in einGeleise gebannt, sondern frei werde; deswegen wird er einen Gegenstand nicht gleichauf das erste mal erschöpfen wollen, damit er ihm später, wenn er wieder darauf zu-rttckkommt, immer wieder eine neue Seite und ein neues Interesse abgewinnen könne.Um sodann die Selbständigkeit des Schülers zu fördern, wird er bei der Leitung derArbeit seine Beihülfe nur so weit eintreten lassen, als sie für den Schüler unentbehr-lich ist; was derselbe selbst erreichen kann, darnach soll er sich strecken (vergl. d. Art.Bcihülfe). Weiter wird der verständige Lehrer die Einübung lange genug fortsetzenoder wiederholen, um den Zweck, die Sicherheit, zu erreichen, aber nicht so lange, daßsich Ueberdruß und Langeweile bei den Schülern einstellt, und dabei zwischen den be-gabteren und den schwächeren die Diagonale zu treffen suchen. Weil aber ihm selbstder Gegenstand längst geläufig ist, so ist das Einüben ferner besonders eine Probe fürseine Geduld. Hier ist eine Klippe, an welcher mancher sonst tüchtige Lehrer scheitert.Die Entwicklung und Erklärung einer Sache hat einen gewißen Reiz für ihn und erfühlt sich befriedigt, wenn ihm das kunstgcmäß gelingt; bei der Leitung der Einübungaber tritt er selbst zurück und die Leistung des Schülers ist die Hauptsache. Fällt nundiese mangelhaft aus, so wird er leicht ärgerlich und verdrießlich, und es gehört Liebeund Geduld dazu, diese Regungen des natürlichen Menschen zu überwinden und insolchem Werktagsdienst der Schule nicht läßig zu werden (vgl. d. Art. Elementarschule).Man wundert sich zuweilen bei einem Lehrer über seine ungenügenden Erfolge, wennman doch seinen Unterricht als gut annerkennen muß, und er selbst beruft sich darauf,daß er die Sache, in welcher unbefriedigende Leistungen vorliegen, den Schülern oftgenug gesagt habe; es mag wahr sein, aber er hat das richtig Entwickelte nicht langeund oft genug eingeübt, sei's daß er die Wichtigkeit dieses Theils der Didaxis nichterkannt hat, oder daß ihm der Eifer, im Object des Unterrichts voranzukommen, dieallererste Rücksicht, die auf das lernende Subject, in den Hintergrund drängt, oder daßihn: die Kraft der Selbstverleugnung und der demüthigen Liebe fehlt, deren Frucht ebendie Geduld ist. Bei Lehrerprüfungen und Schulvisitationen lassen sich diese Eigenschaftennicht so leicht unmittelbar erkennen; da zeigt sich mehr, wie der Lehrer lehrt, als wieer einübt; aber die Producte lassen auch auf diesen Factor zurückschließen.

Ueber die Einübung im sittlichen Gebiet s. d. Artikel Gewöhnung.

K. A. Schmid.

Eisenlohr, vr. Theodor. (Vgl. die Nekrologe im schwäbischen Mercur. 10. Oct.1869 S. 2989 und im württcmb. Schulwochenblatt 1869 Mo. 38 — 40 .) — UnsereEncyklopädie ist im Lauf der Jahre alt genug geworden, um schon einem und dein andernihrer geehrten Mitarbeiter ein Denkmal zu setzen; und wenn irgend einer, so ist Eisen-lohr dessen Werth, da er nicht nur in seiner amtlichen Stellung mit unermüdeter Treue,ja mit nie erkalteter Begeisterung für seinen und seiner Zöglinge Beruf, für die Hebungder Volksschule und des Lehrerstandes gearbeitet hat, sondern auch literarisch mit rast-losem Fleiß thätig gewesen ist, um die verschiedensten Seiten des gesammten Erziehungs-wesens zu beleuchten. Er war eine edle Natur, frei von den Unlauterkeiten, die sichgrade auf diesem Gebiete so vielfach an große Worte heften; und wenn auch seine idealeAuffassung aller, selbst der kleinsten Angelegenheiten der Volksbildung nüchternen undbedächtigen Menschen hin und wieder allzu ideal erscheinen mochte, wenn auch vielleichtmanche seiner Zöglinge die Idealität, in welcher er sie ihren Beruf anschauen lehrte,nicht richtig ins praktische Verhalten übersetzten: so steht er doch, das christliche Lebens-