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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
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Einüben.

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Das Rechnen in der Volksschule und in den unteren Classen höherer Schulen ist haupt-sächlich Einübung durch Lösen von Aufgaben: wird das verständig betrieben, so gewinntder Schüler dadurch eine Schärfung des Verstandes, einen Blick in die mannigfachstenLebcnsverhältnisse, auf welche sich die Beispiele beziehen, und eine Gewandtheit undFertigkeit im Rechnen selbst, die ihm im praktischen Leben von nicht geringem Werthesind. In ähnlicher Weise werden dem älteren Schüler die Lehrsätze der Geometriepraktisch, wenn er sie zur Lösung von Aufgaben verwenden kann, und seine Kenntnisseselbst gewinnen durch Uebung hierin wesentlich an Lebendigkeit und Klarheit. Ebensobeim Sprachenlernen. Was würde es helfen, wenn ein Schüler alle Regeln der Gram-matik verstünde, aber sie nicht an hinlänglichen Beispielen eingeübt hätte? Sein Wissenselbst wäre unlcbendig, unsicher, unvollständig: die Beispiele in der fremden Sprachezeigen ihm die abstracte Regel verkörpert, und an den Beispielen in der Muttersprache,die er in die fremde übersetzt, lernt er die Regel, indem er sie anwendet, genauer ver-stehen, die verschiedenen Abwege neben dem rechten Weg erkennen, die Grenzen, biswohin die Regel reicht, sich merken (vergl. den Art. Composition); nun erst ist er imvollen Besitz derselben und kann etwas damit machen; er braucht sich die Worte derGrammatik immer weniger vorzuhalten, er beobachtet sie, ohne daran zu denken; derLehrer aber erkennt an der Leistung des Schülers, wie weit sein Unterricht genügendund die Anordnung des Stufengangs zweckmäßig war. Oder: saget den Schülern alles,was sie zu wissen brauchen, um den Bau eines Hexameters zu verstehen, es wird denmeisten wenig helfen, die Worte fahren vorüber wie schön Schattenspiel an der Wand;lasset dagegen etliche Dutzend Verse im Chor lesen und das Metrum wird schon ziem-lich eingeübt sein; lasset sie Verse restituiren und selber machen, und die Sicherheit desmetrischen Verständnisses wird nichts mehr zu wünschen übrig lassen.

Es liegt im Bisherigen, daß das Einüben auf den unteren Altersstufen, welchevorzugsweise die unter a. gehörigen Fertigkeiten zu erwerben haben, in ausgedehnteremUmfang erforderlich ist, als auf den höheren; die unter o. genannten Uebungen bildenauf den mittleren, theilweise schon auf den unteren Stufen das Hauptgeschäft des Leh-rers, und es muß als Ausnahme gelten, wenn es gelingt, die Fertigkeiten, welche hiererworben werden sollten, auf späteren, weniger dazu geeigneten Stufen nachzuholen; dasRechnen z. B. und die eigentliche Grammatik wenigstens einer fremden Sprache mußin den mittleren Classen bis zur Fertigkeit eingeübt sein, denn solche Dinge bilden das,was man im gemeinen Leben den Schulsack nennt, eine Mitgabe von unberechenbaremWerth; ganz überflüßig ist das Einüben auch in den obersten Classen nicht. Abgesehenvon der unmittelbar erstrebten Sicherheit des Wissens und Könnens fördert es zugleichdie Selbstthätigkeit, das eigene Bemühen, wobei sich als nicht zu verachtender Nebenvor-thcil ergiebt, daß dadurch eine Menge Aufgaben und besonders in den Volks-, aberauch in den niederen Latein- und Realschulen die Zugleichbcschäftigung mehrerer Ab-thcilungen und eine wohlthätige Abwechslung möglich wird; es fördert ferner die Freu-digkeit des Arbeitens bei dem Schüler, und durch beides ist es von bedeutendem sitt-lichen Werth (vergl. d. Art. Arbeit). Es liegt eine Befriedigung für den Schüler darin,wenn er etwas recht und sicher weiß, eine noch höhere, wenn er etwas kann. EineLeistung, die den Lehrer zufriedenstellt, läßt ihn die darauf verwandte Mühe vergessenund ermuntert ihn zu weiterem Streben. „Kinderaugen, die vor Freude leuchten Uberdem, was sie unter Leitung des Lehrers zu leisten vermögen, werden willig sein, auchanderweitig seinem Winke zu folgen." (Bormann a. a. O.)

Der Lehrer aber hat bei der Leitung des Einübens Gelegenheit, sich in wichtigenEigenschaften zu bewähren. Wenn er verständig ist, so wird er sich hüten, die Grenzezu verletzen, die das Einüben vom Abrichten scheidet (s. d. Art.); er wird nicht ver-gessen, daß sein Schüler ein vernünftiges Wesen ist, daß „er im innern Herzen spürensoll, was er erschafft mit seiner Hand." Es ist z. B. beim Rechnen zwar nicht nöthig,daß der Schüler jedesmal von allen seinen Operationen Rechenschaft ablege, von jedemNcchenvorthcil, von jeder Abkürzung, die er anwendet, die Gründe Nachweise u. dergl.,

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