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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
Entstehung
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Ehrgefühl. 131

dadurch so hochmüthig, daß er mich verachtete und sagte: so ein schlechter Dorfpfarrermöchte er nicht werden."

Zu jenen negativen Regeln gehört ferner, daß der Erzieher nicht durch Schimpf-reden, durch Unnamen, die er den Kindern giebt, das Ehrgefühl in diesen zuerst ver-letze, allmählich aber tödte (vgl. d. Art. Beschimpfung); sowie er auch unter den Kin-dern selber keinen Ton darf herrschend werden lassen, durch den beide, der Scheltendewie der Gescholtene gleichmäßig gemein werden. Die Schulordnungen haben je undje diesen Puuct speciell berührt, so z. B. die hessische Instruction für die xrusosxtorssund Schulmeister v. I. 1670 (s. Heppe, Geschichte des deutschen Volksschulwesens;H. S. 54):Die Lehrer sollen von allen Spottreden, Flüchen, groben Scheltwortenund schimpflichen Beinamen, die den Kindern nachgehends ihr Lebenlang anhängen, sichgänzlich enthalten rc." Und was die Kinder selbst betrifft, so sollen sie, sagt die würt-tembergische Kirchenordnung von 1559 , (s. Vormbaum, evan. Schulordnungen I.S. 162 ) angehalten werden, miteinanderfridlich und schidlich zu sein und gegeneinander sich alles verspottens und schmähens zu enthalten."

Indessen ist mit Obigem die positive Pflege des Ehrgefühls ebensowenig ausge-schlossen, als damit gesagt sein will, daß man, wo sich dasselbe bereits entwickelt, nurdämpfen müße, um seine Ausartung in Ehrgeiz zu verhindern. Hat der Zögling sichin irgend etwas, sei's eine gefertigte Arbeit, sei's eine löbliche Handlung, wacker gehalten,so wäre es eine ganz verkehrte Maßregel, sich zu stellen, als beachte man es nicht, alswäre es gar nichts von Bedeutung, oder an allem nur immer die schwache Seite her-vorzukehren. Das macht nickt demüthig, sondern muthlos. Der Unterzeichnete kennteinen Mann, der einst wohlvorbcreitet und an Fleiß gewöhnt in eines der nieder« theo-logischen Seminare in Württemberg eintrat, dort aber, weil die ganze Lehrart einevöllig andere war, als die er vorher war gewohnt gewesen, und niemand ihn für dasihm Neue recht zu gewinnen wußte, bald zurückblieb, auf Allotria verfiel und so mitdem Bewußtsein, daß er nun einmal stets unter der Linie der Mittelmäßigkeit zu blei-ben bestimmt sei, aus der Anstalt schied. Mit demselben Bewußtsein trat er sofort imTübinger Seminar vor den Repetenten, als dieser ihn citirt hatte, um den ersten Auf-satz über ein geschichtliches Thema mit ihm durchzusprechcn, und erwartete dasselbe Ur-theil, das er seit Jahren stets vernommen. Statt dessen wurden ihm zwar, wie sich vonselbst versteht, keine Elogen geinacht, aber einfach seine Arbeit als eine tüchtige aner-kannt und das noch Mangelhafte daran in einer Weise aufgezeigt, daß er darin dasliebevolle Interesse, das der Correetor an der Arbeit genommen, nur noch mehr erkannte.Von Stunde an arbeitete er mit Lust und Liebe und mit Erfolg; daß aber nicht etwasofort der Ehrgeiz ihn stachelte, sondern daß es lediglich die Liebe zur Arbeit selberwar, die ihn beherrschte, davon hat er in thatsächlichen Proben, in welchen der Ehrgeizdem ihm gebotenen Reize nicht widerstanden hätte, später mehr als Einen Beweis ge-liefert. Also Anerkennung, wie sie die Wahrheit fordert und die Liebe so gern aus-spricht, darf allerdings der Erzieher nicht versagen; ist durch Versagung derselben, odergar durch positive Herabsetzung, oder durch eine unverdiente oder nur in verletzenderWeise, vielleicht vor Fremden, vor Dienstboten rc. ausgesprochene Beschämung (s. d. Art.Bd. I. S. 589 ) dem Kinde das Vertrauen genommen, daß es etwas ordentliches jemalszu Stande bringen könne oder daß man, was es leiste, jemals gelten lassen werde: dannist freilich dem Ehrgeiz gesteuert, aber auch das Ehrgefühl selber erstickt. Richtiges hatin dieser Beziehung eine Schriftüber Knabenerziehung", von Oppel, Franks, a. M.1858 , S. 65 gesagt:Eine Arbeit unbeachtet bei Seite legen sollst du nicht; du thustdem Kind allzu wehe, wenn du keine Notiz nimmst von etwas, was cs mit Mühe undAnstrengung zu Stande gebracht hat. Man muß einem Kinde, um es von einem Fehlerzu heilen, keinen Stich ins Herz geben." Wenn übrigens derselbe Vers, sich dem Ehr-geiz gegenüber davon viel verspricht, daß der Erzieher nicht den Zögling selbst, sondernnur die Leistung, z. B. nicht den Zeichner, sondern die Zeichnung loben soll, so gestehenwir, dies in Bezug auf die sittliche Wirkung für ziemlich einerlei zu halten; in der

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