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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
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Ehrgefühl.

Zeichnung fühlt sich der Zeichner vollkommen anerkannt, auch wenn man nicht an ihndirect das Lob richtet. In dem Sinn aber geben wir auch dem Verf. Recht, daßdas Lob nie abgesehen von einer einzelnen Thal oder Leistung, nie als GesammturtheilLiber den Zögling ausgesprochen werden soll. Ist doch der Charakter, der sittliche Werthdes jungen Menschen noch gar nicht ein fertiger; ein allgemeines Lob aber kann ihnleicht auf die Meinung bringen, daß er sein Prädicat nunmehr sicher habe und geradediese Meinung kann ihn um dasselbe bringen. Ob aber das Lob von dem Zöglingrichtig verstanden wird und darum auch in der entsprechenden Weise wirkt, das zeigtsich vornehmlich daran, ob ihm daran liegt, wer ihm dasselbe ertheilt, oder ob ihm diepersönliche Würdigkeit des Beurtheilenden gleichgültig ist, weil er jedem, der ihn lobt,um den Hals fallen möchte. Als der sechsjährige Mozart in Wien vor Franz I. spie-len sollte, verlangte er, der Kapellmeister Wagenseil solle kommen, denn der verstehe es.Der dreißigjährige Mozart hat noch dasselbe feine Ehrgefühl bewiesen, da er sich nieverleiten ließ, um der Ehre bei der Menge willen seinem Genius untreu zu werden.Von mehreren (wie Schwarz Erz.-L. bearb. von Curtman I. S. 150 ., Schne-ller u. a.) ist nicht unrichtig bemerkt, daß solche Personen, die nur von Zeit zu Zeitin Haus oder Schule kommen in letzterer wäre es der Visitator, mit ihrem Ur-thcil inehr wirken, als die beständige Umgebung des Kindes. Doch dürfte weniger diesespersönliche Fernerstehen, als die sittliche und intellectuelle Tüchtigkeit, die Auctorität, diedemjenigen beiwohnt, der ein Lob, ein anerkennendes Wort ausspricht, dasjenige sein,worin der wahrhaft Ehrliebende eine Satisfaction findet; wer die Stimmen nicht wägt,sondern lieber zählt, dessen Ehrliebe ist schon nicht rein.

Noch mehr Werth aber für die Erziehung des Ehrgefühls, als das richtig ertheilteLob, hat das Vertrauen, das der Erzieher dein Zögling im Lebensverkehr selbst beweist.Er kann ihm irgend einen ehrenden Auftrag geben; er kann ihm in einer Untersuchungauf's Wort glauben; er kann ihm sagen, was Paulus dein Philemon sagt:ich weiß,du thust mehr als ich dir sage," alles derartige wird den Zögling innerlich heben,wird es ihm desto unmöglicher machen, solches Vertrauen zu täuschen. Ob dies Ver-trauen aber auch soweit gehen darf, daß der Lehrer einen Theil seines Amtes an einenSchüler überträgt, das ist, abgesehen von Nothfällen und von der wechselseitigen Schul-einrichtung, zweifelhaft; wen der Lehrer so beehrt, der wird gar zu leicht ein Gegen-stand des Hasses der andern und meist nicht ohne Grund. Dagegen gelangt unter denSchülern selbst leicht einer oder der andere zu einen: gewitzen Ansehen; oft ist esder körperlich Stärkste, oder der im Spiel Gewandteste, oft aber auch der intellectuellam weitesten Vorgeschrittene. Der Lehrer kann ihm solche Ehre lassen, wofern auchdie sittliche Qualität derselben würdig ist; alsdann kann Ein solcher Schüler, der denTon angiebt, für eine ganze Elaste ein Segen sein. Ist aber diese Hegemonie einebedenkliche oder entschieden nachtheilige, dann ist es nöthig, dein Volkstribun zu zeigen,daß man seine Auctorität mit Nichten anerkennt. Aehnlicherweise gewinnt auch unterGeschwistern öfters eines eine gewiße Auctorität, der sich die andern in williger Aner-kennung seiner Superiorität unterordnen ein Gegenstück zu 1 Mos. 37 , 1 19 . Istdiese Superiorität eine wohlbegründete, so thut man wohl, sie gewähren zu lassen, abernicht zu steigern; den Eltern gegenüber soll kein Kind das bevorzugte sein. Wie imKreise der Familie vielmehr jedem Kinde zu fühlen gegeben werden kann und soll, daßes als Glied des Ganzen Werth geachtet ist, z. B. durch Feier seines Geburtstages,darüber s. d. Pädagogik des Unterzeichneten, 2 . Ausl. S. 293 f. und den Art. Familie.

Wir haben oben dafür angenommen, der Ehrtricb und als erste, echt kindliche Formdavon das Ehrgefühl sei im Kinde schon vorhanden und brauche also nur richtig ge-leitet und vor den genannten Ausartungen bewahrt zu werden. Allein wir haben eszuweilen auch mit Individuen zu thun, die in Bezug auf alles, was Ehre heißt, in dieElaste der Dickhäuter gehören. Solch einen: Menschen ist es total gleichgültig, welchZeugnisse über ihn ausgestellt werden. Das kann die Folge allgemeiner sittlicher Stumpf-heit sein, die überhaupt jeder geistigen Einwirkung Trotz bietet; ein Mensch solcher Art