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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
Entstehung
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Ehrgefühl.

lung, dieses unpassenden Umgangs, dieser Gewalttätigkeit gegen einen Schwächer» ü.s. f,: so liegt darin bereits ein positiver Kern; denn da sich der Zögling erniedrigenkann, so muß er also an sich höher stehen, er muß einen Werth haben, den er momen-tan verleugnet hat. Diesen Werth kann das Kind selber noch in keiner Formel aus-drücken; er liegt ihm instinctartig darin, daß es ein Ich, ein Mensch, dann näher,daß es seiner Eltern Kind, daß es so und so alt ist. Christlich wird ihm dies so ge-deutet werden, daß es geschaffen sei zum Bilde Gottes; was aber nicht aus-, sonderngerade einschließt, daß im Kinde eigentlich schon das erkannt und anerkannt werdenmuß, was es erst werden soll, nicht was es schon ist, jener Jdealmensch (Normal-mensch, Preismensch), von dem Jean Paul (Levana I. §. 26 ) spricht, der in jedemvorhanden ist, aber erst freigemacht werden muß. Soll sich der Schüler einer Arbeit,die er schlecht gemacht, schämen, so ist damit imxlioits gesagt, daß er sie besser machenkonnte, also wieder etwas darin ausgesprochen, was auf ihn als Ehre wirkt, d. h. alsAnerkennung, daß er so viel Gabe und Kenntnis besitze, um das Pensum richtig zuStande zu bringen, daß auch seine Pflicht als Schüler, also gleichsam das Amt, mitdem er betraut ist, die Würde, Glied dieses kleinen Gemeinwesens zu sein, fordernwürde, daß er nicht durch Faulheit oder Zerstreutheit unter der Linie des von ihm zuErwartenden bleibe. Sehr einseitig wäre es jedoch, das Ehrgefühl in dieser Art bloßauf Leistungen hinzulenken, bloß in dieser Beziehung es sensibel zu machen; da geradekann am leichtesten das Lob zum Zweck gemacht, der Ehrtrieb zum Ehrgeiz werden.Sondern noch sorgfältiger muß im alltäglichen Leben, im Verkehre mit Menschen allerArt, im Reden und Handeln das Gefühl verfeinert werden, um von allem Unnobeln,Gemeinen mögen es andere thun, oder sei man selbst in Gefahr es zu thun, oderstelle man es auch nur als möglich sich vor zurückgestoßen zu werden. Gerade insolchen Dingen, wo kein Lob durchs Rechtthun erlangt, sondern nur durchs UnrechtthunSchande zu erleben ist, liegt am meisten daran, das Ehrgefühl so, wie wir sagten, d.h. vornehmlich als Schamgefühl wach und verletzbar zu erhalten. Es ist aber in dieserBeziehung nicht nothwendig, daß man dem Zögling eine Vorlesung Uber Menschenwürdehält, sondern nur, daß man von zartestem Alter an iu vouorsto das Unehrenhafte stetsals solches ihm bezeichnet; gräbt sich der Abscheu gegen alle einzelnen malhonetten Dingein das Bewußtsein, in das Gefühl des Kindes ein, so ist eben damit für das Haltenauf Ehre am besten vorgesorgt. Grube hat dies in der Schrift:Von der sittlichenBildung der Jugend" durch zwei Beispiele aus seinen: eignen Leben anschaulich ge-macht; es sei nämlich in seinem Elternhause eine jede gefallene Weibsperson mit demdeutschen Kernworte benannt worden und zwar mit natürlicher, von Modebegriffen nochnicht geschwächter Indignation, die sich selbst auf das uneheliche Kind erstreckte.DieVorstellung der Schande solcher Verhältnisse," sagt er S. 160 f.drang lebendig inmein Gemüth, und wenn ich zufällig in die Nähe solcher als unehrlich bezeichntenPersonen kam, konnte ich mich einer gewißen Furcht nicht erwehren, von ihnen verun-reinigt zu werden. Der andere praktische Begriff von Ehre betraf das Schuldenmachen.Der Vater war immer höchst unglücklich, wenn er sich außer Stande sah, zu einer be-stimmten Frist seine Schuld abzutragen. Ich war oft Zeuge, seines Kummers undseiner Klagen. Lieber halb satt, pflegte er zu sagen, als Schulden machen. Ichschämte mich mit, wenn der Gläubiger vor dem Hause vorbeigieng oder ich ihm aufder Straße begegnete, triumphirte aber auch mit, wenn ich das Geld überbringen konnte."Gewiß, das ist der beste Weg, Ehre und Ehrgefühl zu pflanzen. Dabei wird mehrerreicht, als auf folgende, von Flattich (s. dessen Leben, von Ledderhose, S. 254 )geschilderte Art:Ein Pfarrer in M. hatte viele Kinder, und ungeachtet sie großeUnarten an sich hatten, mußte sie jedermann ehren; da sie noch ganz klein waren,mußte man sieJungfer" undHerr" nennen. Von allen diesen Kindern ist hernachkeines in den Herrenstand gekommen und sind alle verdorben. Anfangs suchte auch ichmeine Kostgänger durch Ehrgeiz zum Lernen aufzumuntern. Ich stellte ihnen vor, wassie werden könnten, wenn sie recht fleißig lernten. Aber einer meiner Kostgänger wurde