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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
Entstehung
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Ehrgefühl.

so wird es auch im Zögling erstarken, während er durch die kritische Mäkelei, die sichweise und vornehm dünkt, wenn sie die Fertigkeit besitzt,das Strahlende zu schwärzenund das Erhabne in den Staub zu ziehen," eine der edelsten Wurzeln der Sittlichkeit,den Glauben der Jugend an Großes und Edles in der Menschennatur und Menschen-geschichte, zerstört. Für denjenigen sofort, dein Ehre widerfährt, der sie empfängt,ist sie ein Gut, das durch Gottes Wort im 8. Gebot ausdrücklich, wie Leben undEigenthnm, in Schutz genommen ist; ein Gut, welches der, dem es zufällt, annehmen,dessen er sich freuen darf, ohne es doch jemals so zum Zwecke werden zu lassen, daßer, was er rechtschaffenes thut und tüchtiges leistet, nicht thun, nicht leisten würde,wenn nicht jene Zugabe ihn: sicher wäre. Fände niemand etwas an mir, um dessenwillen er mich ehren würde, so wären nur zwei Ursachen möglich. Entweder ist wirklichnichts an mir, ich habe keinen persönlichen Werth; wenn ich heute vom Erdboden ver-schwinde, ist lediglich nichts an mir verloren. »Wehe aber dem, dem nichts daranliegt, ob in ihm, in seinem Wesen und Leben noch irgend ein Abglanz sei, noch irgendeine Mittheilung und Gabe von der Herrlichkeit Gottes!" (Nitzsch, Predigten II.Auswahl Nro. 3.) Dieser Nullität gegenüber, für die ein Mensch nicht geschaffen ist,der Gottes Bild sein soll, ist die uns widerfahrende Ehre ein tröstliches Zeichen, daßwir einen wenn auch bescheidenen, doch erkennbaren Werth haben; gerade denen, diein sich selber mehr Mistrauen als Vertrauen setzen, dient ein ehrendes Wort zur Auf-richtung und Ermuthigung, bringt ihre Thatkraft wieder in Fluß und ist so ein wohl-thätiges Gegengewicht gegen die Verzagtheit eines ängstlichen Gemüths. Oder aberläge die Ursache jenes Mangels an aller Ehre darin, daß die Gaben und Tugenden,die ich in Wahrheit besitze, von der Gemeinschaft, in deren Mitte ich lebe, von meinenZeitgenossen re. nur nicht erkannt werden. Das ist bekanntlich das Schicksal manchesgroßen Mannes gewesen, der eben zu groß war für die, die ihn noch sahen. Aberein solcher fühlt sich dann entschieden unglücklich nicht sowohl, weil es äußerlich nichtvorwärts mit ihm geht, sondern weil es ein tragisches Schicksal ist, ein Prophet zusein und von niemanden gehört zu werden, Kräfte empfangen, Erkenntnisse gewon-nen zu haben, die zum Heile der Menschen bestimmt sind, und doch niemanden zu fin-den, dem man die Freude hätte sein Inneres aufschließen zu können. Ja, solch einLoos kann in doppelter Weise nachtheilig auf den Charakter zurückwirken. Der einewird sich, weil er sich seines Werthes vollkommen klar bewußt ist, mit Verachtung vonden Menschen abwenden und höchstens mit der Anerkennung sich trösten, die ihm vonnoch ungebornen Geschlechtern dereinst gezollt werden wird. Der andere aber wirdüber sich selber ungewiß; weil ihm niemand Recht geben will, so beredet er sich amEnde selbst, er habe Unrecht. Sein Selbstbewußtsein und damit der innere Halt wirdihm unsicher, wenn der Spiegel, den ihm das Urtheil der Menschen vorhält, ihm stetsanderes sagt, als was er von sich glaubte. Wo dagegen das, was ein Mensch leistet,von den Mitmenschen bemerkt wird, wo diese Aufmerksamkeit in Wohlgefallen übergehtund an dieses sich das Gefühl bei ihnen knüpft, daß in seinem Thun etwas reelles, jaeine Kraft höher» Ursprungs sich kund gebe, die als solche den klebrigen die Pflichtauferlegt und fühlbar macht, sie gelten zu lassen, sie in ihrem Werth und ihrer Be-deutung zu bejahen: da ists ein freudiges Wirken, da kann der Einzelne für die Ge-meinschaft etwas sein, weil sie sofort auch etwas von ihm erwartet und mit Vertrauenhinnimmt, was er ihr giebt. Für den rechtschaffenen, tüchtigen Mann bedarf es hiezunicht vieler und häufiger Ehrenzeichen- es ist für niemand gut, wenn er zu sehrdaran gewöhnt wird der Gefeierte zu sein; aber so viel Ehre, daß er sieht, er ist nochnicht unbrauchbar geachtet, cs ist noch ein Aufmerken für ihn da dies ist ein Gut,dessen Werth der Bescheidene am besten erkennt; gerade weil sein Selbstgefühl einimmer nur relatives, schüchternes ist, wird ihm die Ehre zu einer Stütze, zu einemfreundlichen Zeichen, daß er nicht znrückgcwiesen werde, wenn er fortfahrc, seine Kräfteauch zum Dienste der andern anzuwenden.

II. Es ist Zeit, von der allgemeinen, ethischen Betrachtung zur speciell pädagogi-