Ehe.
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gegeben wird, wohl aus dem natürlichen Grunde, weil der Mann aus Liebe zu seinerFrau deren Kinder leichter auch in seinem Herzen adoptirt, als die Frau den Unterschiedzwischen denen vergißt, die sie geboren und nicht geboren. Aber um so mehr ist esPflicht beider Gatten, bei den Kindern jedes Bewußtsein dieses Unterschieds zum vorausunmöglich zn machen, oder das von bösen Zungen eingeflüsterte Vorurtheil durch oieThat zu vernichten. „ Du mußt mir die Liebe der Kinder gewinnen und erhalten helfen,mußt hie und da den Ernst und die Strenge Uber dich nehmen und mir erlauben, zugewähren und zu mildern" (s. „Aus dem Frauenleben" von Frau Wildermuth II.S. 202), das vom Manne zu verlangen, hat eine zweite Mutter das volle Recht.Große Schwäche zeigen in diesen: Verhältnis sehr viele Männer darin, daß sie fürihre Kinder erster Ehe gegen eine zweite Mutter gar zu gern Partei nehmen, und da-durch der letzter:: alle Auetorität bei jenen rauben. Um dieser Schwierigkeiten willenist jede zweite Ehe für beide Theile ein so schwerer, so verhängnisvoller Schritt, daßman viel weniger begreift, wie unbesonnen (man darf leise vielleicht noch hinzusetzen:oft auch wie unnöthig) so viele zweite, als daß so viele erste Ehen in: Jugendleichtsinngeschlossen werden.
3) Die Ehe ist zwar nicht das Himmelreich, somit auch nicht des Lebens höchsterZweck, für den jedes Individuum erzogen werden muß, aber sie ist doch ein irdischesAbbild des himmlischen, ist die ursprünglichste und einfachste Form gottgeordneter Ge-meinschaft, in welcher darum das Leben auch des Einzelnen zu einem relativen Abschluß,zu seinen: Höhepunetc gelangt, worin sich, wie die physische, so die geistige Lebenskraftin den edelsten Früchten als eine ausgereifte bethätigen muß. Insofern dürfen wirallerdings sagen: wie die Ehe das Ende des Erzogenwerdens ist, so wird man auchfür sie erzogen; der Erzieher nimmt sie auch für den Zögling schon in Aussicht. Lockeläßt den Eleven vom Hofmeister begleitet werden bis zur Hochzeit; Rousseau ver-schafft ebenfalls seinen: Emil durch den Hofmeister eine Frau, behält ihn aber auchdann noch bei, bis Emil zur Vaterwürde gelangt; übrigens geräth die so pädagogischeingeleitete Ehe überaus schlimm und löst sich wieder auf. Riehl führt („DieFamilie"S. 2i3) ein altes Gesetz an, wonach Eltern, welche ihre Tochter 25 Jahre habenalt werden lassen, ohne ihr zur Ehe zu helfen, dieselbe nachgehends nicht mehr enterbenkönnen, wenn sie zu Fall käme, oder sich Wider ihren Willen verlobte; die Eltern hattensonnt die anerkannte Pflicht, für me Tochter einen Mann zu suchen. (Vgl. auch Sir.7, 27.) Das alles drückt den Gedanken aus, daß ein Zusammenhang bestehe zwischenErziehung und Verheirathung. Können wir ihn aber in solcher Weise nicht realisirbarfinden, so ist es auch ebensowenig möglich, der Erziehung um jenes Zweckes willen irgendeine besondere Richtung zu geben. Das war etwa denkbar, als man noch Kinder miteinander verlobte; aber da eben beide erst erzogen werden mußten, so konnte eigentlichkeines für das andere erzogen werden, sondern nur für die Idee, die sich der Erziehervon dem einstigen Charakter des andern machte. Bestünde vollends die Erziehungfür die Ehe nur darin, daß die Tochter von der Mutter in alle Künste eingeweihtwürde, einen Mann ins Netz zu ziehen, so wäre das zwar in seiner Art immerhin einpädagogisches Kunststück, das aber der Ehe selber, falls es wirklich auch gelänge, sie zuStande zu bringen, schlecht zu Statten käme. Vielmehr: was Sohn oder Tochter auseiner guten Erziehung empfängt, was Geist und Gemüth bildet, das Herz warn: undoffen, das Auge Helle, die Hand geschickt macht, jede löbliche Angewöhnung, jeder tüchtigeLebensgrundsatz — das alles ist, auch wenn dieser Zweck gar nicht direct mitverfvlgtwurde, immer zugleich eine treffliche Mitgabe ins eheliche Leben; wogegen alles, wasdie Erziehung versäumt oder verfehlt hat, geeignet ist, dem künftigen Ehegatten zu einerQuelle des Verdrusses zu werden. Eine Mutter, die den Sohn verhätschelt, ihn: allesnachträgt, was er bedarf, ihn an tausend Bedürfnisse gewöhnt, ohne daß er sich selberdarum bemühen muß, erzieht ihren Sohn zun: künftigen Haustyrannen, zu einen: Pascha,dessen Sclavin die Frau zu sein die Ehre hat. Eine Mutter, die der Tochter vorschwatzt,wie reich, wie glücklich dereinst durch sie jeder Mann werden müße, wie er ihr die Hände