Ehe.
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lich in seiner Person vereinigt trägt, in lebendiger Gegenwart fortwährend auf dasselbeeinwirken, und das um so mehr, je mehr die entgegengesetzten Pole, die in des KindesWesen durch die Einheit eines Personlebcns verbunden sind, in der Ehe durch die Liebeder beiden Gatten zu einander sich ausgleichen. Das alles fällt weg, wenn das Kindnicht unter dem Schirm und Schatten der Ehe aufwächst, also, wenn entweder dieEltern ihr Kind weggeben (wovon hier nicht weiter zu sprechen ist), oder wenn sie garnicht ehelich verbunden sind. In letzteren: Falle wird meist das Kind, dessen Daseinals eine unerwünschte Last, als Vcrräther der Schande, als eine Art Strafe empfundenwird, schon gar nicht Gegenstand der Liebe beider Eltern sein; und wenn es auch dieswäre, so fehlt doch die volle Lebensgemeinschaft der Eltern, die allein dem Kind einewahre Heimat, ein Vaterhaus bereitet. — Zu Obigem kommt aber noch der höhereGesichtspunct, den die Kirche aufstellt. Wir lassen darüber am liebsten Schleiermacherreden, s. dessen christliche Sitte, S. 34t: „Die Geschlechtsgemeinschaft, sofern wir sieauf die christliche Kirche beziehen, hat nur die Tendenz, die des höheren Lebens fähigenmenschlichen Einzelwesen fortzupflanzen und zu vermehren. Wird aber so die Er-zeugung ganz auf das höhere Leben bezogen, so sind auch Erzeugung und Erziehungin sofern gar nicht zu trennen, sondern ein und derselbe Proceß; denn wo menschlichesLeben entsteht im Bereiche der Kirche, da kann es nur gedacht werden als Gegenstandfür die Wirksamkeit des heiligen Geistes." Hiernach müssen wir sagen: würde der Ehenicht auch die Erziehung anvertraut, würde diese etwa für die Kirche in Anspruch ge-nommen, wie sie von anderen Seiten für den Staat beansprucht wurde, so hätte die Ehebloß die hiedurch zur Gemeinheit herabsinkende Aufgabe der Zeugung und Fütterungder Jungen; all ihre sittlichen Kräfte müßten zurückgedrängt werden. — Weiter aberfahren wir mit Schleiermacher a. a. O. fort: „Dann folgt auch unmittelbar, daß dieGeschlechtsverbindung in der christlichen Kirche keine Form haben kann, als die mono-gamische, daß sie nichts sein kann, als Ehe in: engeren Sinne des Worts.. Sind nunErzeugung und Erziehung identisch, so ist auch die Erziehung eine gemeinschaftliche;bei einer Mehrheit von Frauen ist es aber nicht möglich, daß die Erziehung dieselbesei. Jede derselben ist verschieden von jeder andern; jede würde also auch ihren Antheilan der gemeinschaftlichen Erziehung verschieden gestalten und der Mann müßte dadurchin einen wesentlich andern Gang geleitet werden." Dies trifft im morgcnländischenHaremsleben nur deswegen nicht zu, weil der Vater sich meist um die Erziehung garnicht kümmert, also auf seinen Antheil zun: voraus verzichtet, sonnt auch nicht in dieVerlegenheit geräth, bei den Söhnen verschiedener Frauen verschiedene Erziehungs-principien anwenden zu müssen, um den Müttern gerecht zu werden. Von der Päda-gogik der Mormonen ist uns Noch zu wenig zu Ohren gekommen, als daß wir dieWirkung, die die Polygamie bei jenen Heilige» auf die Erziehung hat, anzngeben wüssten.
2) Was sofort die Schließung eines Ehebündnisses betrifft, so haben in: Grundalle die Erfordernisse und Hindernisse, welche sowohl die Moral als die Gesetzgebung*)in jener Beziehung geltend macht, auch für die aus der Ehe entspringenden Kinder ihreBedeutung; auch wo kein positives Gesetz hindernd in den Weg tritt, auch wo irgendwelche Vortheile den: Gatten Ersatz zu bieten scheinen für wesentliche Mängel, wird dieRücksicht auf die Nachkommenschaft oft davon abhalten müßen, es mit diesen so leichtzu nehmen. Allerdings wird ein Paar, das sich aus Neigung ehelichen will, an die zuerzeugenden Kinder, die vorerst bloß in der Phantasie (oder theologisch gesprochen ininmbis ^äami) existiren, gar nicht denken; es wäre geradezu unnatürlich und unan-ständig, jetzt wo die beiden sich noch ausschließlich Gegenstand der Liebe sein sollen,schon an die künftige xrolos zu denken; die Poesie des Brautstandes würde dadurch
*) Anm. der Redaction. Obwohl durch die neueste deutsche Gesetzgebung die Zahl der Ehe-hindernisse bedeutend verringert worden ist, und insofern der ganze Absatz, worin von ihnen ge-redet wird, zu modificiren wäre, schien doch der Tenor desselben um der damit verknüpften derMoral entnommenen Gesichtspunkte willen unberührt bleiben zu dürfen.
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