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Dummheit.
wandt, im Lernen stumpf, so muß in der Regel auf Trägheit geschlossen werden, dennjenes beweist, daß Urtheilskraft vorhanden, jedoch annoch nur von einem unmittelbarenInteresse in Bewegung gesetzt ist. Indessen spricht sich in der D. oftmals auch nichtsowohl Mangel an Willen als an Muth aus, sei es von Natur oder infolge einereinschüchternden liebeleeren Erziehung (vgl. Bormann, Unterrichtskunde S. 4); derSchüler ist schüchtern zum Denken, wagt nicht zu urtheilen, kommt nicht nach und indieser Hinsicht versündigen sich ungeduldige Lehrer indirect durch rasches Voranmachen mitden Fähigsten an den Mittleren und Wenigfähigen, direct aber durch rauhe und nochmehr durch verächtliche Behandlung und geschieht wohl nicht selten, daß sie durch „Dumm-kopf"-schelten Dummköpfe bilden, und den „Esel" in die Schüler hineinschreien, welchensic Herausklopfen wollen. Viele Marodeurs sind immer ein Zeichen von schlechter Heer-führung. Weckung des Interesses und Ermuthigung sind, neben der Uebung und nebender Bekämpfung des trägen Willens durch Strafen, die auf Heilung der mangelhaftenUrtheilskraft gerichteten Mittel. Und man soll es hierin nicht zu leicht nehmen noch
sich etwa damit trösten, daß ja das Kind sonst brav sei; denn in: späteren Leben we-
nigstens geht D. nicht ungerne mit Bosheit zusammen, die als Zorn und Rache derGeistigschwachen gegen die Ueberlegenen eine Art von Nothwehr üben will.
Es giebt jedoch auch eine Dummheit, welche nicht aus Schwäche und Mangel,sondern mehr aus geistigem Ueberfluß entsteht. Nicht jeder hernach berühmt gewordeneMann war ein Wunderkind; man weiß von mehreren, die als Knaben nichts ver-sprachen und für stumpf und müßig oder für träumerisch in den Schulbänken saßen,
unter den Kameraden liefen. Da ist, als sammelte sich der Geist im Stillen, ehe ervor der Welt sich zeigen soll; die Fülle des in Keimform vorhandenen läßt es nichtalsbald zu einer Ordnung und Klarheit kommen, und wenn Verstand und Urtheilskraftdie -Münzmeister sind, welche das Metall zum Weltverkehr ausprägen, so ist der Ge-nius ein Bergmann, der erst ungesehen tief unter dein Boden das mit Erde undschlechtem Gestein vermischte Gold ergräbt. Man hat leichter gescheidt sein, wenn manoberflächlich ist; in welchem Gründliches wogt, der braucht Zeit zur Abklärung undBerichtigung der Gedanken durch den Verstand; es ist wie in einem Haus, da wenigGeräthe mit wenig Mühe, vieles und edles aber mit vieler geordnet und vertheilt wird.Wie daher aus gescheidten Kindern dumme Menschen werden können, also auch umge-kehrt — und oft zu großer Verwunderung der früheren Lehrer aus dummen gcscheidte.— Rousseau übertreibt zwar, aber er sieht im wesentlichen das Richtige, wenn ersagt: lisu lässt plus äillioUs gus äs äistlUAUsr äuns äsukaiivs 1a stu^iäits i-ssllsäs ostts upxarsuts st trorupsuss stupiäits gui sst 1'auuonos äss üruss lortss; . . .touts 1a äiKsrsnos gui ss trouvs sutrs oslui gui a äu Zsuis st oslui gui räsu a xas,sst gus 1s äsruisr läaäiust gus äs kuissss iässs, st gus Is xisruisr u'su trouvant gus ästsllss räsu uäiust auouus; II rssssrudls äouo au stuxiäs su os <pus 1'uu lässt oaxabls
äs risu, st gus risu us souvisut a 1'autrs.läapxarsuts laoilits ä'apxi'suärs
sst sauss äs la xsrts äss sutants. Ou us voit xas gus ostts taoilits rusius sstla xrsuvs gu'ils u'axxrsniisnt risu. bliuils lüvrs II nach der Ausg. v. Auguis hlaris1824. I. S. 176. (vgl. Raumer Gesch. d. Päd. 2. Theil 2. Ausl. S. 239. Wolf,Oousilia sobolastioa S. 79). Nicht selten hat das langsam in die Höhe Wachsen seinenGrund im Tieferwurzeln, das späteres solides Wachsthum vorbereitet, und es ist merk-würdig zu sehen, wie manche Seelenpflanze lange in sich verschlossen bleiben muß,bis sie sich aufmachen darf und dann aber auch das Licht mit vollen Zügen in sichnehmen kann.
Darum mag es auch die Schwaben nicht eben verdrießen, als die Dummen zugelten, die erst im vierzigsten Jahre gescheidt werden. Nennt doch Arndt (Versuch invergleichender Völkergeschichte 2. Ausl. S. 382 u. f.), die Dummheit eine „recht schwä-bische Tugend", weiß aber soviel Tröstliches und Liebes davon zu sagen, daß unsSchwaben eigentlich schon die Bescheidenheit verbietet, sie allein für uns haben zuwollen, sondern müßen den Brnderstämmen auch ihren Theil daran gönnen, einem
Pädag. Lncyüopädie II. 2. Aufl. g