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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
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Dummheit.

Ductus, s. Schreibunterricht.

Dummheit ( Dunkelheit im Kopf vergl. Weigand, Wörterbuch der deutschenSynonymen bei Albern) ist an sich ein Mangel der Urtheilskraft, entweder von Na-tur als Schwäche der Begabung, oder durch Schuld, da jene Kraft nicht geübt oderfalsch gerichtet wird. Sie unterscheidet sich von der Unwissenheit dadurch, daßdiese Mangel an Wissensstoff hat, neben welchen: jemand doch in seiner Art gcscheidtsein kann, sofern er nur nicht dasjenige nicht weiß, das er wissen sollte, in welchemFall er ein Ignorant, oder sofern er nicht, was er nicht weiß, zu wissen scheinen will,in welchem Falle er ein Geck genannt wird: beidemal moralisch fehlend und also tieferhinein dumm. Weil aber die Urtheilskraft sich an Stoffen des Denkens entwickeln muß,so kann, wer von Natur nicht dumm ist, doch mit der Zeit es werden, wenn er unter-läßt, jener den Stoff zuzuführen und sie dadurch zu reizen, daß sie ihr Verstandeslichtleuchten lasse und ausbreite; daher denn aus gescheidten Kindern dumme Menschen werdenkönnen, denn die Dunkelheit, welche über den verstandcsmäßig unaufgeklärt gebliebenenGebieten des Geistes liegen bleibt, wirft ihre Schatten zurück und trübt auch das vor-handene Licht, und je mehr Unaufgewecktes in einem Gemüth bleibt, desto größerer An-laß ist auch für das Wachere, endlich einznschlummern. Es mag zugleich den Menschenund ihren Erziehern ein warnendes Symbol sein, daß z. B. junge Lämmer gcscheidterin die Welt hineinsehen, als ein altes Schaf. Ferner unterscheidet sich die Dumm-heit von der Einfältigkeit dadurch, daß diese nur nicht viel, jene aber verkehrt auf-faßt, während Einfalt als Kraft und Wille, ohne Aufwand von prunkendem Verstandgerade auf das Ziel loszugehen, eine Begleiterin der Weisheit und ihr Schild ist;von der Albernheit dadurch, daß diese in einem mit Witz vermengten Mangel anUrtheilskraft, von der Thorheit dadurch, daß letztere in Verderbnis eines möglicher-weise glücklichen Verstandes durch moralische Verkehrtheit besteht, so daß, was ein solcherVerstand an Gedanken auferbaut, unter sich präcis und conseqnent sein kann, aber wegendes lockeren Fundamentes sich verschiebt und baufällig wird; daher die Schrift als derWeisheit Anfang die Furcht Gottes nennt, durch welche auch in Wahrheit die Gründedes Lebens fest und geebnet werden, Thoren aber nennt sie diejenigen, welche in ihremHerzen sprechen: Es ist kein Gott. Man muß ordentlich Verstand haben, wenn's in derThorheit ein Stück geben soll. (Vergl. die feinen Bemerkungen in Kants Anthropologie).

Ob ein Zögling dumm sei, fällt in der Regel nicht schwer zu erkennen. Schwie-riger ist die Heilung oder Verminderung dieses Fehlers, namentlich darum, weil dazuneben richtiger Diagnose viel Geduld und Beharrlichkeit erfordert wird. Fürs erste istzu unterscheiden, ob einer allgemein oder nur in gewitzen Fällen, ob im Leben undThun oder nur im Lernen dumm (vernagelt) ist. Allgemeine D. wird in der Regeleinen merkbaren Zusammenhang mit physischen Ursachen haben, sei's mit angeborenen undbleibenden (Hirnarmut) sei's mit in der körperlichen Entwicklung begründeten und vor-übergehenden, und ist hier mit Gewalt nichts zu erzwingen, in letzterem Fall auch keines-wegs zu verzweifeln, sondern mit Geduld die Urtheilskraft zu üben und derselben möglichstbeiznkommen auch auf Nebenwegen sinnliches Interesse, Bilder u. dgl. Denn esist kein Zweifel, daß auch schwache Gaben gesteigert werden können, gleichwie einen:ungünstigen Boden doch noch ein Pflanzenwnchs abzugewinnen ist, wobei sich der Humusmit vermehrt. Partielle D. scheint zuweilen fast ein nothwendiges Seitenstück zu außer-ordentlicher partieller Befähigung zu sein, wie bei Mathematikern gefunden wird, daß esihnen an der Urtheilskraft für Geschäfte' fehlt; bei näherer Betrachtung aber wird sichhäufig zeigen, daß vielmehr die Urtheilskraft nur schlummert aus Mangel an Interesse,als welches ganz von den Zahlen, wie zuweilen bei Gelehrten von Büchern, absorbirtwird und also jene nicht in Bewegung setzt, ansonst ein solcher Mensch mit völligunterbundener Ader des Urtheils ein Rechensimpel genannt wird. Zuweilen ist jenepartielle D. nur ein Nochnichtaufgeschlossensein der Fassungskraft für ein bestimmtesFach, wie z. B. die Fähigkeit zur Geometrie länge schlummern kann, während die fürSprache rc. schon weit gebildet ist. Ist jedoch ein Schüler in: Leben und Thun ge-