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Dramatische Aufführungen.
und Aufsätze" Red. XV. Uber die Gefahren der Verbildung) über die behutsame undschonende Pflege der so vielen Knaben gerade von tieferem Gemüth eigentümlichenSchüchternheit sagt, da sie in einem früheren Artikel (Blödigkeit I. S. 762 f.)bereits angeführt sind. Die Schule hat sicherere Mittel, jene Blödigkeit mit sanfterHand zu heilen und überläßt das liebrige dem Hause und dem Leben. OeffentlichesAuftreten in dramatischen Productioncn kann nur geeignet sein, die Eitelkeit zu reizenund die Gefallsucht hervorznrufen. Nicht bloß der Schüler, sondern auch seine Elternwerden von Hoffnungen und Befürchtungen erfüllt sein, was die Leute dazu sagen werden,wie sich der jugendliche Schauspieler ausnehmen und ob er es besser als andere ma-chen werde. Unverständige Beifallsbezeugungen des Publicums werden dem jungenKünstler vollends den Kopf verdrehen, und er wird sicher ein ungewöhnliches Gefühl vonder Wichtigkeit seiner Person und seiner Leistung bekommen. Wird nicht auch schondie bloße Vertheilung nach Haupt- und Nebenrollen Neid und Misgunst in die jugend-lichen Seelen führen müßen? Und welches sind denn die Stücke, die man durch dieJugend darstellen lassen sollte? Den Terenz wird niemand mehr als Sittenlehrer empfeh-len, und Uebung des Lateinsprcchens, so weit es noch dem Zweck höherer Schulbildungdient, wird längst auf anderen Bahnen erstrebt. Die Meisterwerke unserer Classiker aber,an denen die Nation eines ihrer kostbarsten Kleinode besitzt und an denen die Jugendsich groß ziehen soll, muß man doch wohl höher halten, als daß man sie durch diejungen dramatischen Künstler zur Carricatur entstellen läßt. Und nun gar die eigensfür diese Zwecke gedichteten Kinderschauspiele mit ihrem sentimentalen, altklugen undunnatürlichen Ton und ihren moralischen Brühen! Französische Komödien aber, wie siein höheren Töchterschulen vorzüglich beliebt sind, und die von denen vertheidigt werden, dieder Uebung in französischer Conversation bei Bildung und Erziehung deutscher Jung-frauen das Wort reden, sind das sicherste Mittel, jene zarte Scheu zu durchbrechen, dietief in der weiblichen Natur begründet ist und die, wenn sie einmal von unsaubernHänden angetastet ist, den Dämonen der Eitelkeit und Gefallsucht nur um so unwieder-bringlicher verfällt. In dem kleinen Kreise einer Privatschulgemeinde mögen alle jeneNachtheile sich mindern, gänzlich fern können sie auch da nicht gehalten werden. Gilberthat in dem Programm der Bender'schcn Anstalt zu Weinheim (1848, abgedruckt in derPäd. Revue, 1850, April, S. 136 fs.) dramatische Aufführungen in solchen Kreisenmit warmen und liebenswürdigen Worten vertheidigt und empfohlen. Dort werdendramatisirte Märchen aufgeführt; von den oberen Abtheilungen Scenen aus SchillersWilhelm Tell, Wallenstein, aus Goethe's Götz, Egmont, aus Uhlands und Grabbe'sdramatischen Dichtungen. Selbst Gutzkows Zopf und Schwert und Laube's Karls-schüler wurden benutzt. Von andern Privatanstalten ist Aehnliches bekannt. In öffent-lichen höheren Schulen begnügt man sich längst mit dem einfachen Redeactus, der nebender Probe einer tüchtigen wissenschaftlichen Leistung zugleich ein behutsames Mittel ist, dieSchüler an öffentliches Auftretenund Sprechen vor einer größeren Versammlung zu gewöhnen.
Gegen dramatische Aufführungen durch Schüler hat sich mit Ernst und NachdruckPalmer in der evangelischen Pädagogik S. 194 ff. ausgesprochen. Von anderer hiehergehöriger Literatur erwähne ich: K. Hase, das geistliche Schauspiel. Leipzig 1858.Palm, Christian Weise. Breslau 1854. Heiland, über die dramatischen Aufführungenim Gymnasium zu Weimar. Ein Beitrag zur Geschichte der Schulkomödie. Weimar,1858. Zur Geschichte findet sich außerdem ein reiches Material in K. Gödeke's Grund-riß zur Geschichte der deutschen Dichtung (Hannover 1855), in Gödeke's Römoldt(Hannover 1855), sowie in den literaturgeschichtlichen Werken von Gervinus undCholevius, in Räumers Geschichte der Pädagogik und E. Devrients Geschichte derSchauspielkunst. Vgl. auch Progr. d. Gymn. zu Braunschweig 1862. Peiper in St.Jahrbb. 1872, III. S. 131. ff. Heiland p.
Dressiren, s. Abrichten.
Dringenberg, s. Schule zu Schlettstadt.
Drohung, s. Strafen.