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Dramatische Ausführungen.
bedeutsamste Vertreter der neuern Richtung. Er verlegte die Spiele in die Michaelis-woche und ließ am ersten Tage ein biblisches, am zweiten ein historisches Stück, amdritten eine freie Erfindung geben. Zuweilen schloß sich als viertes — ganz nach Artder alten Trilogien — ein Possenspiel an. Die Zahl seiner Schnldramen wird auf100 angegeben. Sein Hauptzweck war praktische Vorbildung fürs Leben. Die Schülersollten recht reden lernen und zu einer »geziemenden buräissss" aufgemuntert werden.Er gab dabei Anleitung zu richtiger Pronunciation und Action. Durch den Inhaltseiner Stücke sollten Regeln der Klugheit und Tugend in anmuthigen Reden undExempeln recommandirt werden. Trotzdem fehlte es nicht an höchst anstößigen undmindestens platten Stellen. Gegen das Ansehen dieser Stücke, die viel in Sachsen ge-spielt wurden, erhob sich Gotsched, der bei seinen Reformbestrebungen für dasDrama hauptsächlich das Schultheater im Auge hatte. Die Stücke seiner „Schaubühne"wurden bald auch auf den beliebtesten Schultheatern zu Görlitz, Annaberg und Zittauaufgeführt. Gottsched erwartete von diesen Aufführungen für die Schulen große Vor-theile: Uebung des Gedächtnisses, Unerschrockenheit vor einer großen Versammlung auf-zutreten, wohlanständiges Reden und ungezwungene Art in äußerlichen Geberden. Außer-dem sollten sie Probiersteine zur Erkenntnis der Fähigkeiten der Schüler werden. „Nurdiejenigen werden einmal beliebte und geschickte Prediger, gute Lehrer und angenehmeHofleute werden, die ihre Rollen in den Schulkomödien mit besonderer Anmuth undLebhaftigkeit spielen können."
So hielt sich die Schulkomödie auch noch im 18. Jahrhundert in Sachsen, Schle-sien und einigen andern Ländern, während sie an andern Orten verboten wurde. InPreußen wurde 1718 verordnet: „Komödien und aotus ärums-tiai sind in Schulengänzlich abzuschaffen und dagegen die Jugend zum Peroriren anzuhalten." DasDresdner Rescript von 1702 behandelte die Frage liberaler: „Wir können auch lassengeschehen, daß des Jahres etwa einmal Komödien oder Tragödien gehalten, die Themateaber hiezu vornehmlich aus der heiligen Schrift oder der bistoria saora, nach Gelegenheitaus der bästoria roinana st Asrmuiiioa, genommen werden; jedoch daß dabei alle Ueppigkeitund Acrgernis, auch Vanität vermieden, sowohl liederliche Weibs- als andere ärgerlichePersonen davon bleiben mögen." Die letzten Aufführungen werden aus Berlin (1762),Schleusingen, Hannover (1772 Goethe's Clavigo), Breslau (1783) und Zittau erwähnt.
Neben der Aufführung eigentlicher Komödien kommen von Anfang an in den ge-lehrten Schulen dramatische Actus vor, die, als das eigentliche Schuldrama außer Ge-brauch kam, immer üblicher wurden und den Uebergang zu dem jetzigen Redeactus bil-deten. Schon früh wurden die OoUoguia bkrasiui benutzt oder nach ihrem Vorbildeaetns äinloZioi eingerichtet. Ein aufgestelltes Thema wurde mit allem scenischen Ap-parat nach den verschiedensten Seiten behandelt. Die Redner traten dabei in Costümenauf und mit entsprechenden Attributen versehen. Oft auch hatte der Actus mehr denCharakter der Disputation. Bei fürstlichen Geburtstagen traten die Planeten, Grazien,Musen und andere mythologische Figuren auf. In dem Osteractus wurde besondersdie Leidensgeschichte des Herrn dramatisch behandelt. Während in Weimar (1700) einförmliches Drains, äs oonäsinnarions Lulvatoris nostri xassionals vom Rector Groß-gebauer zusammengestellt wurde, hielt man in Arnstadt einen Redeactus über den Ohren-hieb des Petrus. Die Redner sprachen dabei oft in verschiedenen Sprachen, und esscheint namentlich Uebung im Lateinsprechen dabei das Ziel gewesen zu sein. SeltsameStoffe zu dramatischen Actus werden in Zobers Beiträgen zur Geschichte des Stral-sunder Gymnasiums erwähnt.
Es ist bekannt, daß in neuester Zeit die königliche Einführung der Antigone ein-zelne Reproductionen des antiken Dramas in Schulen hervorgerufen hat.
In England finden noch heute allgemein dramatische Aufführungen in den Schulenstatt. Nicht bloß einzelne Scenen, sondern ganze Stücke einheimischer oder auch fran-zösischer, griechischer und lateinischer Dichter kommen zur Darstellung. Die 'lVsstnrinstsr-sobool ist wegen guter Darstellung Terenzischer Stücke lange gerühmt worden (Wiese,