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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
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Dramatische Aufführungen.

in den Vorreden zu Judith und Tobias diese Bücher, sowie einige andere spät ent-standene Stücke des Alten Testamentes für Dramen erklärt hatte, die nachmals in dieprosaische Form übertragen, auf uns gekommen seien, beriefen sich unzählige Geistlicheund Schulmeister für die von ihnen dramatisirtcn biblischen Geschichten auf seine Auto-rität. Allmählich wurde die ganze heilige Geschichte dramatisch behandelt und in denSchulen zur Aufführung gebracht. Aus dem Alten Testamente waren die Geschichtenvon Tobias, Judith, Susamra, Daniel, Esther und einige andere besonders beliebt.Aus dem Neuen Testamente fand der verlorene Sohn die zahlreichsten Bearbeiter. Unterden Dichtern sind hauptsächlich Paul Rebhuhn, Joachim Greff, Johann Ackermann, GeorgRollenhagen zu nennen. Diese geistlichen Komödien sollten ein Tugend- und Laster-spiegel für die Jugend seinweil allweg dasjenige, so ein Mensch mit eigenen Augensiehst, einen: mehr zu Gemüth gehet und in besserem Gedächtnis bleibet, denn wasmau nur höret." Zuweilen wird auch Förderung der öffentlichen Beredsam-keit und geselligen Bildung als Zweck der Komödien bezeichnet. Die Knabenwerden dadurch kühne, für die Gemeine zu reden, lernen fein aus dem Munde sprechen,lernen sich auch bei den Leuten fein schicken." (Melchior Newkirch in der Widmung zuseinem Stephanus. Braunschwcig 1592.)

Dergleichen Aufführungen fanden im 16. Jahrhundert in fast allen Schulen Nord-und Mitteldeutschlands statt. In Süddeutschland blühte besonders das lllsutruin son-äomioum zu Straßburg.*) Die Bühnen wurden in den Sälen der Schulen, auf demMarkte, im Rathhause und selbst in den Kirchen aufgeschlagen. Lehrer und Geistlichespielten nicht selten mit. Die Theilnahme der Schüler erstreckte sich zuweilen bis auf6jährige Knaben herab.

Die Jesuiten, die sich bald dieses pädagogischen Bildungsmittels bemächtigt hatten,statteten ihre Aufführungen mit dem höchsten Glanze aus. Sie ließen aus sittlichenGründen Plautus und Terenz nicht zu und gaben nur eigene Stücke. Der öffentlichenPreisvertheilung gieng in ihren Schulen jedesmaleine komische Handlung" vorher.

Neben diesen kunstgemäßcn Darstellungen kommen auch dramatische Aufführungenzur Weihnachtszeit vor, die aus unmittelbar volkstümlicher Sitte hervorgegangen waren.Dieheilige Christfahrt", ein Umzug Christi mit seinen Engeln und Knechten, unterdenen Ruppert nie fehlen durfte, wurde von Schülern und Lehrern, die eine Einnahmedaraus zogen, am Weihnachtsabend aufgeführt. Der Zug sprach in den Häusern vorund vollzog bei den Kindern die Christbescherung. Daneben fanden aber auch Auf-führungen wirklicher Weihnachtskomödien statt, die die Geburt des Herrn selbst behan-delten. Namentlich läßt sich diese Sitte aus Thüringen Nachweisen, wo sie sich bis zuAnfang des 18. Jahrhunderts erhielt. Damals erhoben sich die Geistlichen gegen denvielfach dabei verübten Unfug und gegen dieschädlichen Weihnachtslarven, so maninsgemein heiligen Christ nennet."

Der dreißigjährige Krieg hatte die Pflege deS Schuldrauras unterbrochen. Nachdem Kriege nahm dasselbe einen neuen Aufschwung, wenn auch in veränderter Gestalt.Schauspiele aus der weltlichen Geschichte, moralische Tendenzstücke, Sing- und Schäfer-spiele, daneben lateinische für unmittelbare Schulzwecke gefertigte Komödien nach Neposund Curtius, so wie französische Stücke verdrängten immer mehr die biblischen Stoffe.Der Zweck der geselligen Bildung wurde dabei als der wichtigste hervorgchobcn.Leider aber verschmähte man cs nicht, auch rohe und unsittliche Productionen esgenüge, an die Stargaris (Raumer, Gesch. der Pädagog. II-, 101) zu erinnernSchülern und Zuschauern zuzumuthen.

Auf dem berühmten Schultheater zu Zittau, dessen Geschichte bis 1505 zurückreicht,wurden alle Jahre in der Fastnachtswoche drei Schauspiele aufgeführt. Während diefrüheren Rectoren Gerlach, Preil, Keimann vorzugsweise biblische Stücke gaben,wurde Christian Weise, Rector zu Zittau von 16781708, der fruchtbarste und

*) Vgl. auch das Ulmer Programm 1858. S. 16.