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in höheren Schulen.
mehr zurückgedrängt und das Sprachgefühl verderbt werde. — Wenn von den übrigenLectionen vorzüglich der Unterricht in der Geschichte Gelegenheit bietet, bei der Repetitionden zusammenhängenden Vortrag zu üben, so besteht auch bei den alten Sprachen dieUebung nicht bloß in der deutschen Übersetzung. Für Ausbildung deutscher Redekönnen die Inhaltsangaben größerer Abschnitte der Lectüre, Entwicklungen des Gedanken-ganges u. a. ebenso fruchtbar gemacht werden.
Das besondere Gebiet, welches dem deutschen Unterricht und dem deutschen Lehrerbleibt, ist das Lesen deutscher Schriftwerke von den Proben des Lesebucks bis zu dengrößeren Meisterwerken unserer Classiker hinauf. Ganz nach Analogie des Lateinischenund Griechischen wird hier, ohne Rücksicht auf chronologische Anordnung, allein bedingtdurch den stufenweisen Fortschritt vom Leichteren zum Schwereren der Stoff dargeboten,an welchem sich das Sprachgefühl der Schüler zu bilden und zu stärken hat. Hieranschließen sich alle Aushülfen an, deren der Schüler für seine Muttersprache noch bedarf,ohne daß das Lesebuch zu einer Beispielsammlung für Satzlehre und Stilistik erniedrigtwerden darf. Auf dem Wege der Selbstthätigkeit, der der allein angemessene für alleJugendbildung ist, indem es nicht Sache der Jugend ist, durch bloßes Anhören wennauch noch so geistvoller Vorträge stundenlang den passiven Hörer zu spielen, führt esauf eine freundliche Weise in jenen Schatz vaterländischer Bildung ein, wie er in denMeisterwerken unserer Literatur aufbewahrt liegt und als ein heiliges Erbe der Nationvon Geschlecht zu Geschlecht überliefert werden soll. Da hier nicht der Kraftaufwandgefordert wird, wie er bei den alten Sprachen zur Ueberwindung der sprachlichen Formnöthig ist, so bringt die deutsche Lectüre in das Anstrengende des übrigen Unterrichtesdas Moment der Feier und der Erholung und kann deshalb recht eigentlich dazudienen, in dem Schüler den Menschen auszubilden und durch Nährung an den edelstenStoffen das Gefühl für alles Wahre, Große und Schöne in ihm zu wecken.
Das Lesebuch darf nur das Beste enthalten nack Form und Inhalt. DieMuster classischer Form sollen durch ihren umnittelbaren Eindruck so wie durch das vomLehrer vermittelte Verständnis auf die eigene Sprachform des Lernenden bildend ein-wirken. Der rein und edel gewählte Inhalt soll einerseits der Erweiterung des Ge-sichtskreises und des Wissens der Schüler dienen durch Ergänzung der übrigen Unter-richtsfächer auf dem Gebiete der Geschichte, der Länder- und Völkerkunde, der Naturund des Menschenlebens, andererseits hauptsächlich geeignet sein, in das deutsche Geistes-leben einzuführen, nationales Bewußtsein zu erwecken und die Jugend zu erfüllen mitLiebe zu dem heimischen Land, zu dem Glauben und den Sitten der Väter und zu derGeschichte unseres Volkes. Es zerfällt in einen prosaischen und poetischen Theil. Derprosaische Theil wird aus der erzählenden Prosa theils Erzählungen und Fabeln, Mär-chen und Sagen bieten, theils Charakterzüge, Lebensbeschreibungen und Schilderungenaus der Geschichte, aus der beschreibenden Prosa Zeichnungen und Schilderungen ausder Natur- und Erdkunde, so wie aus dem Völker- und Menschenleben. Diese Stoffehaben indes nicht alle gleiche Berechtigung. Das Nationale tritt auf allen Stufen inden Vordergrund. Es war einer der glücklichsten Gedanken von PH. Wackernagel,in dem 3. Theile seines Lesebuches hauptsächlich die Epoche der Freiheitskriege in Poesieund Prosa zur Jugend reden zu lassen. Auf diesen geweihten Boden unserer groß-artigsten nationalen Erinnerungen unsere Jugend zu führen ist schon die mittlere Stufeder höheren Schulen der geeignete Ort. Es ist in der That eine Schande, wenn dieelastischen Darstellungen jener Nationalepoche in der Bildung der vaterländischen Jugendnicht einen ebenbürtigen Platz neben den Mustern altclassischer Geschichtsschreibung ein-nehmen. — Der poetische Theil wird alles Dramatische ausznschließen haben. DasEpische beschränkt sich auf Fabeln und Parabeln, Erzählungen, Sagen und Legenden,historische Gedichte. Die lyrische Poesie wird weniger reich vertreten sein, da sie inihren sangbaren Formen dem Liederbuche zum Theil überlassen bleibt. Die Auswahldes poetischen Theiles erfordert die größte Sorgfalt und kann kaum das Werk einesEinzelnen sein. Nachdem in verschiedenen Sammlungen eine engere Auswahl vorliegt,