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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
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Deutsche Sprache

Satzgefüge, wie sie die latem. Schriftsteller darbieten, erweitert und vertieft die Einsichtin das Wesen deutscher Satzbildung und wird fleißig durch mündliches und schriftlichesUebersetzen geübt. Dabei ist, wie auch Thiersch fordert, gewiß nützlich und förderlich,wenn eine praktisch eingerichtete Grammatik als Hülfsbuch in den Händen desSchülers ist. Wie auch bis in die obersten Classen hinauf das Lateinische für dasDeutsche fruchtbar gemacht werden kann und wie Metrik, Rhetorik und Stilistik sichdaran anlehnen können, darauf kommen wir noch einmal zu sprechen (vergl. den Art.Composition).

Jedenfalls ist es ein erfreuliches Zeichen, das die Uebersetzungsübungen aus denalten elastischen Sprachen in ihrer für das Deutsche bildenden Kraft wieder mehr aner-kannt werden. Welchen Werth man denselben in Frankreich und England beilegt, ist be-reits in dem Art. .deutsche Aufsätze" Bd. I. S. 302 2. Aufl. angeführt. Bekanntlich habenauch alle Meister deutscher Sprache und Wissenschaft das Uebersetzen aus den alten Clas-sikern hoch gehalten und fleißig geübt. Wenn viele Realschulen gegenwärtig der Wohl-that des latein. Unterrichts entbehren, so mögen sie sich mit dem für diese Zwecke aller-dings weit unfruchtbareren Stoffe der französischen Grammatik behelfen. Die fran-zösische Sprache bietet wenigstens den Vortheil dar, auch eine fremde zu sein. Abereine Thorheit ist es, wo man den reichen, bildsamen, zweckmäßigen Lehrstoff hat, anihm vorüber zu gehen, um den armen, spröden, zweckwidrigen zu nehmen. Wir be-greifen es nicht, daß man in einzelnen Staaten die bildende Kraft des Lateinischen soverkennen mochte, daß man es aus Realschulen, die doch auch eine allgemeine grund-legende Bildung geben wollen, verbannen konnte. Wir können es uns überhaupt nichtdenken, daß die widernatürliche Trennung der beiden Bildungswege, wie sie sich inDeutschland immer schroffer vollzogen hat, noch lange fortbestehen könne. Sicherlich istdie Zeit nicht mehr fern, wo die untere zum Theil auch die mittlere Stufe beider An-stalten sich zu einem gemeinsamen Unterbau verbinden, auf welchen sich alsdann ge-trennt die obere Stufe beider Bildungswege aufsetzt. Dann werden alle Bortheile desLateinischen für grammatische Bildung auch wieder, wie ehedem, den praktischen Ständenzu Theil werden, und der Mißbrauch, den man gerade in Realschulen mit deutscherGrammatik und deutscher Sprache als einem Substrate für Denkübungen, vielfach treibt,wird einer gesunderen Praxis Platz machen*).

In ähnlicher Weise, wie das Lateinische, muß das Griechische für deutsche Sprachefruchtbar gemacht werden. Der deutsche Unterricht ist überhaupt, soweit er namentlichauf Aneignung der Fertigkeit im mündlichen und schriftlichen Gebrauch der Mutter-sprache sich bezieht, so wenig ein Besonderes, daß vielmehr alle Lectionen für diesenZweck in Thätigkeit gesetzt werden müßen. Ueber das Verhältnis der einzelnen Diszi-plinen des Gymnasiums zum Deutschen hat Hiecke a. a. O. viel Treffliches gesagt.Es ist ein Grundgedanke seiner Schrift, daß in allen Lectionen Deutsch gelehrtwerden müße. Da alle Ueberlieferung des Unterrichtes und alles Wiedergeben vonSeiten des Schülers in deutscher Sprache erfolgt, so bietet sich für alle Uebungen derRede von der einfachen Antwort bis zum zusammenhängenden Vortrage in allen Lectionenein reicher Stoff dar, der, wie bereits bei den deutschen Aufsätzen nachgewiesen ist, auchzu schriftlicher Darstellung verwendet werden muß; da die deutsche Aufsatzfrage außer-halb dieses Artikels liegt, so sei hier nur noch bemerkt, wie die Durchnahme der Aus-arbeitungen eine vorzugsweise geeignete Gelegenheit ist, Belehrung über grammatischeVerhältnisse aller Art anzuknüpfen. Eine recht praktische Anweisung dazu hat in einemvortrefflichen Programm Hamann „deutsche Correcturstunde" (Gumbinnen 1854) er-theilt. Er zieht dabei in den Kreis seiner Betrachtung besonders diejenigen Uncorrect-heiten, welche der Einfluß der Tagesliteratur verschuldet, durch deren hastige Benutzungdie ernstere Beschäftigung mit elastischen Mustern bei den sogenannten Gebildeten immer

*) Ueber die oben berührten, zum Theil noch bestrittenen Fragen vergl. auch die Art. Con-centration des Unterrichts in der Realschule, Realschule, französische Sprache. D. Red.