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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
Entstehung
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Denkübungen.

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krummen Striche, die Turnlehrer aus Streckung und Beugung, die ersteren alle Ele-mente der Schrift, d. h. die Buchstabenformen und ihre Verbindungszüge, die letztemalle Bewegungen leiblicher Gliedmaßen herleiten und in stufenmäßigem Fortschritt üben,und doch ist dies das allerabstracteste und formalistischeste Thun von der Welt, wiealles andere Elementarische von Erkenntnissen und Fertigkeiten; ein wahres Erbebenentsteht gegenwärtig unter Schulleuten derber Knabennaturen, als ob ein orirnsn lussusxusiitis-s versucht würde, wenn das Verlangen gestellt wird, daß zur Uebung in derDenkthätigkeit ein genetisch aufsteigender Elementarunterrichtsgang eingeschlagen werde,ja wenn gar das Verlangen gestellt wird, der Schüler soll, um zu Sammlung, Wahr-heitssinn und Ernst in seiner geistigen Thätigkeit zu gelangen, Acht geben auf das, waser thut, indem er denkt, spricht, schreibt. Wir muthen aber in allen Stundenmit Recht unfern Schülern zu, daß sie sich in unsere Gedanken und in unsere Sprachefinden und daß sie selbst antwortend oder fragend bei ihren eigenen Worten mit vollerBewußtheit seien und oft genug sehen wir, wie sie das Wollen wohl haben, abernicht das Können finden. Und doch erschrecken einige noch immer, wenn die Forderunggestellt wird, daß die Schüler unterrichtsmäßig geübt werden sollen in diesemAufmerksamsein, das sie auf nichts anderes im Leben mehr zu richten haben, als aufsich selbst bei ihrem Thun und auf das, was von außen an sie kommt als ein Gedankein Gestalt des Wortes. Meinen sie etwa, diese Tüchtigkeit im Denken fände sich vonselbst? Solche Zusammengenommenheit und Gewandtheit, wie wir sie in Schuleund Leben weiter brauchen, findet sich nicht von selbst, oder zu selten und zu spät. Esgiebt auch unter den Erwachsenen noch gegenwärtig viele Ohren, die nicht hören können;viele Kirchgänger, welche nicht wissen, was ihnen ist gesagt worden, darum, daß sienicht in rechten Zeiten gewiesen worden sind, auf ihre eignen Gedanken Acht zu haben.Es hat sich bei diesen nichts gefunden von selbst.

Die Schulen haben sich nicht dem Zufalle Preis zu geben, sie haben sich selberdie Unterrichtsfähigkeit an ihren Schülern zu schaffen und zu besorgen. Es ist nunmöglich, daß manche Schulen sich darin gefallen dürfen, Unterrichtsdarbietungen zumachen, ohne sich darüber zugleich Sorge zu machen, ob die Empfänger auch dafürvorbereitet seien. Mögen diese zusehen, was sie thun! Sie haben sich nur nicht zuwundern, wenn ihre Erfolge zweifelhaft bleiben. Etwaige Erfolge können nur auf einemWege zu Stande gekommen sein, den wir den der Zufälligkeit nennen müßen undwelchen zu gehen kein einsichtiger anrathen kann. Die mit voller Kraft ins Werkgesetzte Elementarschule, also nicht die bloß einclassige arme Dorfschule, sondern die-jenige, welcher in den Elementen der Bildung so zu unterrichten vergönnt ist, wie esdas Gesetz der Bildung bei ganzer Entfaltung erheischt und die demnächst Gott ver-traut, kann und braucht sich nicht darauf zu beschränken. Sie braucht nur einen Wegaufzusuchen, auf dem sie der geeigneten Bildungsstufe des Schulkindes entsprechend inden Denkverrichtungen übt. Diesen Weg findet sie ganz sicher in den Formen derSprache vorgezeichnet, die nach ihrer fortschreitenden Ausbildung von den einfachstenbis zu den zusammengesetzten darin enthalten sind. Solcher Unterricht geht dann nichtaufEntfesselung der Sprachkraft" aus, sondern auf Bändigung, Zügelung, Beherrschungdes Naturwüchsigen an ihr durch den aus dem erwachenden Sprachgefühl sich ergebendenTakt und das allmählich erkannte Gesetz des Sprachgenius. Das Maulbrauchenlehrenmuß vollständig dabei aufhören; denn es ist darauf abgesehen, daß ein jeder lerne seineZunge schweigen und langsam werden im Reden. Ein jeglicher soll zur Schildwachevor seinen eigenen Mund bestellt werden, so daß weder ein Zeus noch ein Schulmeistermehr zu sagen nöthig habe: Lieb Kind, welch Wort entfloh dem Zaun deiner Zähne! Der hiebei einzuschlagende Weg ist schon lange kein neuer und unbetretener mehr.Die ersten Winke dazu gegeben zu haben ist das Verdienst Graßmanns und Ehrlichs.Die preuß. Schulräthe Graffunder und Frobenius, der erstere vormals im Erfurter,der letztere noch gegenwärtig im Merseburger Regierungsbezirke, traten in diese Richtungmit Entschiedenheit und bestem Erfolg ein. Graffunder hat in den von Otto heraus-

Pidag. Emyklopidie. II. 2. Aufl. 2