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Denkübungen.
poetischer oder prosaischer Einkleidung. Durch eine genaue Einführung in derartigewohlgeordnete Gedankenverbindungen und Gedankenläufe wird das Nachdenken desAnfängers geübt; und tatsächlich wirksam werden diese Darstellungen, insofern sie zuMustern dienen. Auf Grund derselben haben sich bestimmte wohlberechtigte Formenund Gesetze für das, was eine Erzählung, Beschreibung rc. heißen darf, gebildet, welcheder im Denken sich übende Schüler findet und die er nicht ohne Nachtheil unbeachtetlassen kann. Der Versuch mit ihnen bekannt und vertraut zu werden, übt das Denken;mit ihnen vertraut zu machen ist darum Aufgabe des im Denken übenden Lehrers-Jedes elementare Lesebuch muß passenden Inhalt darbieten. Es kann hienach demUnterrichte an positivem Inhalte nicht fehlen. Alles ist unser! (Vergl. GoltzschS. 60 ). Aufgabe der pädagogischen Beurtheilung wird es nun, zu ermitteln,welcher Inhalt jeder Stufe gemäß in Behandlung zu ziehen ist.
In solchem Nachdenken treten alle Operationen der Denkthätigkeit in Wirkung,wie beim Sprechen alle Muskelbewegungen der Sprachorgane, und es stärken sich diealso sich übenden Kräfte an formalem Bewältigen des in pädagogischer Hinsicht Ange-messenen, ganz von selber, ohne daß wir sie zerlegen und einzeln üben. Das Ange-messene aber ist allemal ein Inhalt von Wissenswürdigkeit.
Dem aber, welcher nur im Nachdenken und Umsetzen des Fremden in Eigenesgeübt würde, nämlich in dem, was andere gedacht und dargestellt haben, und lesenkönnte, würde die erforderliche Selbständigkeit im Denken mangeln können. Darumkommt es bei der unterrichtsmäßigen Uebung im Denken auch darauf an, an Realitätenin die andere Lage übend einzuführen, nämlich zu veranlassen, daß die Schüler zueigenen Gedanken kommen, es gilt das Finden, Bilden, Erdenken von Ge-danken und die gefundenen und gewonnenen in den gedankenmäßigen, d. h. den sprach-lich richtigen und sachlich angemessenen Ausdruck versetzen, mündlich und schriftlich. Dieganze Ausführung dieser Seite des Denkübungsunterrichts wird bei Uebertragung ingedankenmäßige Form Darstellung in Gestalt von Sprach-, Schreib- undStilübung. Das Schreiben bis ins Ortho- und Kalligraphische hinein entspricht derOrtho- und Kalliepie bei dem Lesen, als Kunstleistung.
Das ist elementare Uebung im Denken. Die weitere Gliederung des Unter-richts in die beiden Richtungen für den praktischen Gebrauch würde nun entwedervom Inhalte her entlehnt werden können, welcher den Gegenstand abgiebt für dasDenken, oder von der Form, in welcher sich das Denken nicht bloß vollzieht, sondernauch in vollkommener Durchsichtigkeit darstellt. Wie wichtig und unnachläßlich übrigensnun auch der Inhalt immer an solcher Uebung bleibt: so würde doch das, was vor-zugsweise Denkübung sein soll, wieder bloß Sach unterricht in aller Einseitigkeitwerden, wenn der Inhalt zum regulirenden Gesichts- und Zielpuncte der Hebungengemacht würde. Der Denkübungsunterricht im elementaren Wege, welcher weiß, waser soll, wird nicht zurückschrecken, die Form des Gedankens oder der Gedankenver-bindung zum ordnenden Princip in den Uebuugen zu machen. Er hat die Anordnungseiner schulmäßigen Stufenfolge aus der gesetzmäßigen Genesis der Gedankenformen zufinden und zu treffen. Das ist alles. Wie dem Gedanken immer die Verbindungzweier Vorstellungen zu Grunde liegt, ebenso besteht ja auch der sprachliche Ausdruckdes Gedankens, der Satz, aus einer Verbindung von Subject und Prädicat, und wiedie im Gedanken enthaltenen einfachen Vorstellungen auf die mannichfachste Weise ent-wickelt und näher bestimmt werden und die Gedanken unter einander die verschiedenstenCombinationen eingehen, so werden Subject und Prädicat durch Attribute, Objecte,Adverbien und diesen entsprechende Nebensätze ergänzt und ausgebaut und dann dieSätze den Gedankenverhältnissen gemäß mit einander verbunden. Der Schüler dringtnun von der Sprache geleitet in die Gedanken ein und lernt ihren Inhalt in dem-selben Verhältnis bestimmter und deutlicher erkennen, wie sich ihm das Verständnis dersprachlichen Formen und ihrer Gesetzmäßigkeit vollständiger erschließt. Es beschwertund wundert sich kein Mensch darüber, daß die Schreibmeister aus dem geraden und