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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
Entstehung
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Denkübungen.

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Sprachgestaltung, welche sich ein Gedanke oder eine Gedankenverbindung im bestimmtenFalle gegeben, also Gedankenmäßigkeit der sprachlichen Darstellung derGegenstand und das Mittel für das sich übende Denken werden. Dieser Rest desSprachunterrichts ist unseres Erachtens für das, was Denkübung heißen darf, der alleinberechtigte. Wo die sprachliche Darstellung in ihrem Verhältnisse zum Gedanken alsGegenstand der Beobachtung festgehalten und erkenntnismäßig behandelt wird, da istdas, was Pestalozzi ahnte und suchte, verwirklicht, nämlich ein Unterricht gefunden, derim gleichen Sinne und Grade Denkübung ist, wie es seit Pestalozzi der Unterricht anden Zahl- und Raumverhältnissen längst geworden ist. Die Richtungen für den in derAusführung einzuschlagenden Lehrweg brauchten nicht lange gesucht zu werden, wennman einmal jenes Verhältnis von Denk- und Sprachübungen als maßgebend erkannthat. Sie treten aus den in der Natur der Sache liegenden Verhältnissen tatsächlichhervor. Man hatte nämlich nur auf die Art der Wirksamkeit zu sehen, in welche dieDenkthätigkeit den wirklichen Forderungen des Lebens zufolge sich einzulassen hat, nichtaber auf die Tätigkeiten, wie sie die reflectirende Betrachtung vom Denken als unter-schiedene Momente oder Stufen auseinanderhält, nämlich als Begreifen, Urtheilen,Schließen rc. Die Thätigkeit, in welcher zu üben, geht aber erfahrungsmäßig aus einerzwiefachen Lage hervor und diese ergiebt eben so viele Hauptaufgaben. Hebtnämlich die Welt mit keinem einzelnen wieder von neuem an, sondern ist jedem zuge-muthet, sich in Vorhandenes auf dem Gedankengebiete zu begeben, sich darein zu schickenund es sich für eignen Bedarf anzueignen: so wird auch dem Denken des Einzelnenzugemuthet, sich zu finden oder zu schicken in alle schon vorliegende Vergeistigung, d. h.in die Gedankenweisen oder Gedankenreihen, welche bereits von andern ausgebildet vor-liegen. Solches Hineinfinden und Aneignen versteht sich nicht von selbst, es willgelernt sein, besonders wenn die Geistesarbeit des Denkens einer Nation wie derunseren die sinnigste und mannigfaltigste Ausbildung erlangt hat. Es gilt dann, unter-richtsmäßig mit Bedacht einführen in dieselbe; es gilt dann, ein Verständnis von ihrzu sichern, wie man von einem Bau durch Durchwandern des Gebäudes nach und nacheine Anschauung, eine Vorstellung, einen vollen Begriff erlangt. Das wird dieUebung des Nachdenkens. Mit dem Erlernen und Ueben solchen Nachdenkens aneiner gedankenmäßigen Darstellung, die als ein festes Wort gegeben vorliegt, wird dieSprache mit ihren eben für das Denken ausgeprägten Grundformen nach Erscheinungund Gesetz erobert. Diejenige Sprache aber, welche durch diese llebungen erobert wird,ist nicht die Sprache des Geschwätzes im gemeinen Alltagsleben, sondern die Spracheder Bildung (vergl. hiezu: Palmer a. a. O. S. 601 . Anm.), in welcher die GedankenGottes an uns gekommen und die Bildung der ganzen Nation eingefasset ist, dieSchriftsprache. Sie ist keine naturwüchsige, die sich auf der Straße erlernt, siemuß als eine halb fremde erlernt werden und ist ebendadurch Schulsprache und anihrer rechten Erlernung lernen wir denken. Der eine ganze Theil des Unterrichts,welcher gegenwärtig Leseunterricht heißt und der nichts anderes seinem Wesen nach ist,als Sprachunterricht, kann, sofern das logische Moment an seinem Inhalt ins Augegefaßt und gepflegt wird, und das muß von Anfang an geschehen, nichts anderes seinoder werden, als Hülfsleistung bei dieser Uebung in solchem Nachdenken, d. h. imErlangen des in der Darstellung niedergelegten Gedankens, und Anlaß zu der Kunst-leistuug, die gedaukenmäßige Darstellung wieder in angemessener Weise zur Aussprachezu bringen.

Die Denkübung in dieser Richtung wird hienach eine Uebungim Umgänge mit den Borstellungs- und Denkweisen, welche überbestimmte Gegenstände durch andere Geltung erlangt haben. DerZögling wird in Formen und in Gedankengängen unterwiesen, welche geschichtlichbestehen und thatsächlich wirksam sind. Geschichtlich bestehende Gedankengänge, indenen der Schüler unterwiesen wird, sind alle classisch gewordenen Darstellungen dererzählenden, beschreibenden oder irgendwie zusammenfügenden Form in