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Denkübunge».
Leute hätte abhängig sehen mögen. Seiner Natur war das altklug machende Behof-meistern, wie es Basedow veranlaßt^, ein Greuel. Das fragmentarische Vielerlei ge-meinnütziger Kenntnisse und berichtigender Begriffe, welche das aufklärende WohlmeinenRochows zuführte, konnte so wenig als das durch Bilder angeschmeichelte Octroyirensystematisirtcr Wissereien ihm als das gelten, worauf es bei einer naturmäßigen Mcn-schenbildung ankäme. Ihm ist der Mensch eine Kraft, die in principgerechter Stufen-folge bethätigungs- und dadurch bildungsfähig ist. Eine allseitige Anregung dieserKraft zur Selbstbcthätigung, wie sie im Philanthropin merkwürdig genug nur einseitig,nämlich in leiblicher Hinsicht, in Gestalt von Gymnastik, stattfand, wird sein päda-gogischer Strebepunct. Die nach den nothwendig dnrchzumachendcn Stoffen zu Stufengeordnete Einwirkung, welche von Willkür und Spiel im Lehren und Lernen nichtsmehr weiß, heißt ihm Methode, allseitige Geistesgymnastik, Unterricht. Er ist von nunan Geisteszucht, anhebend mit Anschaucn, fortschreitend zum Denken, sich vollendend imKönnen. „Der bloße versinnlichende Elementarunterricht, wobei der jugendliche Geistdie Gegenstände nur so ansehen und nehmen kann, wie die äußeren Sinne sie ihmdarbieten und wobei seine Kraft nur extensiv geübt würde, erscheint nicht hinlänglich,wenn nicht zugleich die innere intensive Kraft gebildet würde; diese Kraft, vermögewelcher die Gegenstände schärfer und befriedigender ins Auge gefaßt, ihre Anschauungdurch Nachdenken an das Bewußtsein angeknüpft und dadurch mehr über-zeugend begründet werden müßte." (Riemann, Beschreibung der v. Rochow'schen Lehrartin Volksschulen nebst Vergleichung mit der Pestalozzi'schen rc. Berlin und Stettin,4 . Ausg. 1809 . Erste Ausg. 1782 . S. 48 .) In solcher Weise wollte Pestalozzidas Kind schon von Vater und Mutter bei den ersten Entwicklungsanfängen behandeltwissen. Die Familie soll, wie sie kann, auf das Kind wirken und es zur Selbstthätig-keit wecken; darum geht anfangs seine Thätigkcit nur auf Besserung der Erziehungs-zustände in den Familien; weit später erst kommt er in Beziehungen zum Unter-richt in der Schule. Wie der Mutter Gesammtverkehr mit dem Kinde Anschau-ungsunterricht sein soll, so arbeitet er darauf hin, daß die ganze fortgesetzteHandhabung eines jeglichen Unterrichtsgegenstandes in der Schule eine Denkübungwerde, getragen von anschaubaren Thatsächlichkeiten. Als die Elementargegenstände,an denen diese Bildungsübungen in Vollzug zu setzen seien, bezeichnte er, wie bekannt,Form, Zahl und Wort.
Der Impuls, welcher von Pestalozzi dadurch, wie auf den Elementarunterrichtüberhaupt, so auf die bisherigen Bemühungen um Verstandesbildung ausgieng, mußtesich bald in Folgen zeigen. Es wird nämlich allen strebenden Lehrern einleuchtend, daßaller und jeder Unterricht eine Hebung im Denken werden müße. Mit dieser Erkenntnisist das Urtheil gesprochen über das, was sich bisher als „Verstandesübung" in Gestalteiner abgesonderten Lection neben den andern, welche dies Absehen nicht verfolgen zudürfen schienen, eingebürgert und bei entsprechenden Lehrernaturen Werth oder wichtiggemacht hatte. Dies erschien nunmehr in Frage gestellt, weil überflüßig. Es galt denUnterricht in anderer Weise verarbeiten und mit den Schülern in Beziehung bringen.
Bei dem Eintritt der Aufgabe, Front zu machen gegen ein früher gepflegtes aberverfehltes Verfahren, stellten sich alsbald jene Behutsamen ein, welche, ungeachtet sie sichden Principien und Tendenzen Pestalozzi's eklektisirend angcschlossen, ihren wohlerkenn-baren Zusammenhang noch weiter zu unterhalten wußten mit dem, was bis dahinbestanden, um womöglich an den Früchten beider Richtungen Theil zu bekommen. Siewollten daher unter dem Namen Denkübung durch Zuführung geeigneter Sach-kenntnisse ausdrücklich auf bestimmte einzelne Unterrichtsfächer Vorarbeiten;z. B. auf die Realien oder die Wcltknnde, Harnisch und Scholz, anderer zu geschwei-gen; theils für höhere Interessen gewinnend wirken, wie, der Angabe nach, Denzelund nach ihm Wrage religiöse Bildung mit anzubahnen bestrebt schienen. In allendiesen Bemühungen war das auf Gewinnung von fragmentarischen und vor-bereitenden Sachkenntnissen gerichtete Interesse maßgebend, und eben dieses Absehen