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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
Entstehung
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Denkübungen.

Der Verstand schien mit seinem Licht für alles die erforderliche Hülfe zu bieten. Essollte darum alles verstandesmäßig werden, und was der Verstand als richtig, nützlichoder gut erkannt habe, von dem nahm man an, das mäße ohne weiteres auch dasHerz billigen und erstreben. .Ich habe, sagt er, mit Uebung der Aufmerksamkeit undWissbegierde angefangen. In die gute Anwendung dieses Hauptstückes setze ich die ganzeKunst des Lehrers." Er macht in solcher Uebung den Kindern die Wichtigkeit und denNutzen von Aufmerksamkeit und Wißbegierde durch Erzählen fühlbar und verständlichund lehrt sie dabei gelegentlich vergleichen und unterscheiden. Dann handelt er vonUrsach und Wirkung,weil ohne Einsicht in diese Lehre man schwerlich richtig denken'und handeln lernt." Dann läßt er einigeVorübungen des Verstandes" folgen, ohnewelche, wie ihn dünkt, der Unterricht in Religion nicht im erwünschten Grade gelingenkönnte. Es ist die Betrachtung der Begriffe: Grund, Wahrheit, Gewißheit, Wahr-scheinlichkeit, Jrrthum u. s. w. Wie man sieht, ist hiebei keinerlei Absicht vorhanden,irgend worin etwas erschöpfendes oder systematisches von Schulwissen den Landkindernvorzuführen, sondern lediglich Bruchstücke oder Bausteine concreter anregender Erkenntnis,welche zu haben im Leben von Vortheil ist.

So stehet Herr von Rochow mit einem Fuß in dem ihm wohlbekannten praktischenLeben und mit dem andern in der Schule, wie sie nach seinen Anschauungen werdensoll, und ist beflissen, durch seineVerstandesübungen" die Schule in Anschluß an dasLeben zu bringen, den er eben vermißt hatte. Die nachmals in der Schulwelt zumbestimmten und bleibenden Auseinandertreten gekommenen Lehrmomente: Anschauen, Denken,Sprechen liegen bei ihm noch ungesondert, wenn schon im kraftvollen Keime deutlichvor; ihm kam es auf Systematisirung der Schulübungen nicht an, sondern aufihre thatsächliche Anstellung durch verständige Lehrer mit dem Absehen auf Hervorbringungvon gescheidten und klugen Leuten. Er hat keinerlei Schulinteresse von abstracter Natur,ihn leiten staatsmännische Maximen; er will eine höhere Verwerthung des Einzelnenin der Gesellschaft. Es gereicht diesem Edelmanne zur bleibenden Ehre, daß er weitentfernt war von der nachmals wach gewordenen Furcht, verständige Untcrthanen möchtenkeine treue Unterthanen mehr sein. Es geht das hochsinnige Vertrauen der Liebe, welchenichts fürchtet, sondern alles Gute vom Guten hofft, durch seine vollkommen praktischenRathschläge.Klug und verständig werden heißt bei mir nicht listig, treulos, rebellisch,nur der eingebildeten höheren und besseren Einsicht widersprechend (ruisonusur), neue-rungssüchtig und seines Berufes überdrüssig werden; sondern ich nenne nur denjenigenklug, der die Pflichten seines Standes kennt, die Vortheile desselben zu nutzen weiß undselbst aus dem Nebel das damit vermischte Gute herauszusindeu versteht. Nach dieserErklärung wird wohl die rechte Klugheit dem Landmann nicht im Wege sein, ein ge-schickter Bauer (oultivkUsui), ein fleißiger Arbeiter, ein treuer Dienstbote, ein tüchtigerund gehorsamer Soldat re. zu werden." In diesem Sinne hat er sein ganzes langesLeben hindurch für die Bildung des Landvolkes gewirkt, und es ist ihm vieles überseine Zeit und Kreise hinaus gelungen. Friedrich Gabriel Resewitz stimmte ihm zu;der Minister von Zedlitz förderte seine Vorschläge; Friedrich der Große, dieser Menschen-kenner glaubte und traute ihm und gab 100,000 Thaler (dem Basedow meinesWissens keinen Heller) zur Beschaffung von Lehrern von seinem Sinne; alle strebsamenLehrer seiner Zeit traten in seine Bahnen, und eine lange Reihe von redlich wirkendenMännern, die bis in unsere Zeit mit ihrem Einflüsse hereinragen, bewahrten Geist undGepräge der Nochow'schcn Unterrichtstendenzen, vor anderen Wilmsen, Wilberg undZerrenner. Und wer durchschauet durch die Stilistik der preußischen Regulative, derkann auch in diesen Verordnungen noch den Hauptzug unverwischt finden, der seineEinführung in die preußischen Landschulen ursprünglich durch Rochow erhalten hat. Erist der Apostel einer inneren Mission auf dem Wege und durch die Kraft derVerstandesbildung; an seinen mündlichen Unterricht reihet er darum einen passendenLesestoff in Gestalt eines Lesebuches unter dem TitelKinderfreuud", umdurch Lectüre den geweckten Verstand anzubauen und zu bereichern. Er ist dadurch