Denkübunge».
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Die Erforderlichkeit, unmittelbar auf die Geistesthätigkeit des Denkens am Schülerbildend einzuwirken, wurde zweifellos in dem Grade, als inan ein Verständnis gewonnenvon der Aufgabe der Elementarschule und man darauf ausgieng, sie ihrem vollenBegriffe nach in wirkliche Action treten zu lassen.
Der Elementarschule insonderheit, d. h. nicht der ersten besten Dorfschule, sondernderjenigen Schule, die ebenso gut Geheimeräthe wie Tagelöhner durchgemacht habenmüßen, um befähigt zu werden für weiteren Unterricht, sei es durch die höhere Schuleoder durch das nachmalige praktische Leben, der Elementarschule, die sich daher nachihren Aufgaben zu gestalten hat, war nämlich als Pflicht zuerkannt worden, ganzbesonders die Grundthätigkeiten des erkennenden Geistes in die Zucht eines geordnetenUnterrichts zu nehmen, und darum hat sie von der Aufgabe, durch geeignete Uebuugdas Denken zu bilden, nicht mehr abgelassen. Der Verlauf, welchen diese ernstlichenBemühungen gehabt haben, bildet eine Seite ihrer ganzen Entwicklungsgeschichte, unddiese ist um so wichtiger, als aus ihr zu ersehen, wie die Elementarschule ihre Aufgabezu verstehen und zu lösen gesucht hat. Wir dürfen sie daher nicht übergehen. DemDomherrn von Rochow (s. d. Art.) gebührt die Ehre, der Stifter eigentlich elemen-tarisirender Landschulen, wenigstens in Preußen, zu heißen. Dieser nicht bloßhelldenkende, sondern volksfreundliche Edelmann, der die Zustände und Bedürfnisseseiner Unterthanen aufs beste kannte und ebenso sorgsam auf dem Herzen trug, glaubte,daß man den bis dahin, wie man annahm, weder zu Hause noch in der Schule ingehörig bildende Thätigkeit versetzten und daher in Vorurtheile verfallenen, ja „untergedankenloser Lesemethode völlig vernachläßigten" Verstand des gemeinen Mannes zumGegenstände besonders veranstalteter Einwirkungen zu machen habe. „Ihre Unwissen-heit", sagt R. von den Landleuten seiner Zeit, „in den nöthigsten Kenntnissen beraubtsie der Vortheile und Ersetzungen, welche die für alle Stände gnädige Vorsehung Gottesauch dem ihrigen gegönnt hat." In dieser Annahme nun, daß aus Mangel an Ver-standesbildung sich viele Uebel in der menschlichen Gesellschaft und am einzelnen, als„Vorurtheil, Verwöhnung und Aberglauben" verderblich festsetzen, arbeitete er sowohlunmittelbar durch persönliche Anstrengung, als auch durch seinen Einfluß dahin, daßVerstandesübungen nicht bloß als eine besondere Lection in die Dorfschulen kämen,sondern die ganze Schulthätigkeit durchzögen. Diese Rochow'schen Verstandesübungenmit dem deutlich ausgesprochenen Absehen, auch die schlummernden Geisteskräfte zuwecken, sind der Anfang zu allen nachmaligen, besondern oder unmittelbarenDenkübungen in den Elementarvolksschulen geworden. Rochows Schriften, haupt-sächlich sein „Versuch eines Schulbuches für Kinder der Landleute oder Unterricht fürLehrer in den niedern Landschulen. Berlin. Neue (II) ganz umgearbeitete Auflage.Berlin. Fr. Nicolai 1776 " (die erste 1773 ) enthalten die ersten methodischen Winkeund Vorbild gebenden Proben. Dieses Buch wird von Resewitz (Gedanken und Vor-schläge rc. I. Bd. Berl. 1778 ) als das beste zu seiner Zeit bezeichnet, weil es diebeste Anweisung gebe, „wie der jugendliche Verstand ergriffen, zum Denken undWarnehmen geleitet und auf den Begriff und die Wahrheit einer Sache achtsam gemachtwerden solle."
Nachdem nämlich Rochow wargenommen, wie gewiße irrthümliche Begriffe beimVolke im Schwange giengen, die dasselbe nicht bloß in mancherlei materiellen Schaden,sondern auch in einen Zustand geistiger und sittlicher Entwürdigung hatten gerathenlassen: ward er der Ueberzeugung, der schädliche Inhalt jener Wahnbegriffe und Vor-urtheile müße ,im Wege der Berichtigung zerstöret" und durch nebenhergehende gemein-nützige Belehrungen der gemeine Mann bei seiner Einfalt und Denkunbeholfenheit klugund überlegsam gemacht werden. Den Inhalt jener verfinsternden Begriffe meinte eraber dadurch, daß ihre Sinnlosigkeit in das Licht des Verstandes gezogen würde, also„Erleuchtung" über sie käme (Aufklärung ist ein erst später von ihm gebrauchtesWort), zu beseitigen und dafür Eingang für richtige, deutliche und bestimmte Vor-stellungen zu gewinnen. Das Dunkel erschien als die Voraussetzung zur Schädlichkeit.