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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
Entstehung
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Denkübunge».

schauender Thätigkeit Halt vor ihrem Objecte, indem sie an Raumeserscheinungen oderan Zeitvorgänge sich hingiebt, und läßt unter begleitender Empfindung das War-genommene in Gestalt von unterscheidbarem Eindrücke oder Bilde ihr Eigenthum werden.Ist der Anschauungsunterricht nun ein seinem Namen entsprechender, so hat ec mit derHülfe, die er unterrichtlich leisten will, Anschauungen der geeigneten Art auf jederStufe der fortschreitenden Geistesentwicklung zuzuführen, um sein Werk zu thun. Erist deshalb in der ganzen Unterrichtsthätigkeit nicht zu denken als eine bloße Propä-deusis für die Anfänger in Denkübungen, welche aufzuhören oder zurückzutreten habe,sobald die Kraft des eigentlichen Denkens zu entschiedenerer und freierer Thätigkeitgelangt erscheint; er kann und soll als Ergänzung und Vollendung treten auch zurgeübtesten Denkthätigkeit. Es mag nun an seinem Orte der Anschauungsunterrichtzusehen, wie er dies sein eigenthümliches Werk ausrichte; nur möchte noch in Erinnerungzu bringen sein, wie an ihm annoch streitig erscheint, ob er berechtigt sei, den in derStille der Seele stattsindenden Conceptionsproceß des Bildergewinnens auf den Sections-tisch der Betrachtung zu bringen und ins Wort zu fassen. Ich erinnere mich, die nichtunerhebliche Bemerkung gelesen zu haben, man möge die gewonnene Anschauung nichtgleich den Schüler verlautbaren lassen, und lasse ich die biblische Geschichtserzählungan den Schülern, ohne daß ich sie anfangs weiter davon und darüber reden mache,am liebsten vor ihrer Seelen Grunde still vorüberführen, um den Eindruck durchZwischenfahren nicht zu stören, welchen die Geschichte hatte Hervorbringen können und sollen.

Der menschliche Geist kann aber bei dieser primären, heimlich und am liebstenschweigsam ausnehmenden Thätigkeit nicht stehen bleiben; er muß weiter. Er muß dasxablllum animas, das ihm fortwährend durch Anschauen von Einzelheiten aus Außen-und Innenwelt zugespiegelt wird, durchdringen, entsinnlichen, vergeistigen, d. h. in dieGestalt des Allgemeinen erheben, wie sie seinen weiteren Zwecken gemäß ist, dadurchdaß er vergleicht, scheidet oder verbindet unter seinen Erwerbungen, er muß an und inBegriffen sich zu schaffen machen er muß in denkende Thätigkeit übergehen.Diese Thätigkeit ist fähig, durch Uebung zu den mannigfaltigsten Graden der Entwick-lung zu gelangen.

Wie die Thätigkeit des Anschauens bei dem Heranwachsenden Kinde sich nun be-kanntlich anfangs in Planlosigkeit ohne Zuthnn anderer an den Realitäten Beschäftigungsucht, so nicht weniger das Denken an den Anschauungen und Begriffen, die in ihn:gedeihen. Wie aber jenes, so kann und muß auch dieses ein besonderer Gegenstandfür wohlbewußten und erfolgreichen erzieherischen Einfluß werden. Es wäre schlimm,wenn eine erziehende Thätigkeit, die auf den Namen einer einsichtsvollen Anspruchmacht, dem Zufallsspiele, wie es im Geistesverkehr der menschlichen Gesellschaft sichbildet, die Anregung der Denkthätigkeit überlassen und nicht in geeigneter Weise aufallen Stufen der Entwicklung des Zöglings passenden Anlaß und Gegenstand anbietenwollte.

Die unterrichtende Seite der Erziehung, ich meine, derjenige Theil von ihr,welchem es darauf ankommt, in geordneter Weise dem Zögling zu Erkenntnissenzu verhelfen, konnte sich zu keiner Zeit und an keinem Orte menschlicher Entwicklungjemals ganz diesen wesentlichen Bestandtheil (nicht bloß Hülfsmittel) des Unterrichtsabhanden kommen lassen. Sie hätte sich selbst mißverstehen müßen oder ihr Werk aufgut Glück treiben wollen. Wo also mit Verstand, d. h. der Natur der Sache gemäßist Unterricht ertheilt worden, da ist auch an seinem Orte das Denken in allen seinenErweisungen ohne Zweifel geübt worden.

Gleichwohl haben in dem Bereiche der Elementarpädagogie und vornehm-lich auf dem Gebiete des gemeinsamen, d. h. des Schulunterrichts ganz besondereunterrichtliche Bemühungen des Lehrers und Schülers unter dem vielgenannten NamenDenkübungen seit nunmehr fast 80 Jahren Eingang und Pflege gefunden, und vondiesen muß nach ihrer geschichtlichen Entwicklung, pädagogischen Bedeutung und unter-richtlichen Berechtigung und Ausführung hier weiter die Rede sein.