Deklamation.
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Denkübungen.
ganz unwichtigen Theil des Unterrichts bilden. Wie aber auch ausdrucksvolles Lesenzur Verkehrtheit werden kann, dafür führt K. von Raumer über Mädchenerziehnng(Gesch. d. Päd. III. S. 458) ein schlagendes Beispiel an: „Hölzerne Lehrer meinen:mit Druckern lesen, das sei mit Ausdruck lesen. Einen schlichten natürlichen Menschenwidert es an, wenn er ein Mädchen mit solchem Scheineffect declamiren hört, besonderswenn sie es wie oft! versieht und den Accent am falschen Orte anbringt, wodurch siedas ganz Gedankenlose ihrer Kunst verräth." Vor allem hat der Lehrer, der dieseHebungen zu leiten hat, dafür zu sorgen, daß nur Stoffe zum Declamiren ausgesuchtwerden, die für den Lernenden einen bildenden und bleibenden Werth haben. Curtman(Lehrb. II. S. 135) empfiehlt ganz richtig besonders die volksthümliche Poesie: „Einebloß passive Kenntnis der Poesie verweichlicht, überspannt die Einbildungskraft, einemöglichst active kräftigt dieselbe. Diese besteht schon in dem Memoriren, ferner imRecitiren, jedoch nicht im theatralischen Declamiren, weil dies eine dem Kinde ganzfremde Versetzung aus sich heraus ist. Kleinere, leicht behaltbare, ins Ohr fallendeStücke sind vorzüglicher als längere, welche von den Kindern nicht überschaut werden,doch taugen auch größere Dichtungen, wenn sie unter den Augen des Lehrers in passen-den Abschnitten und mit Erklärung gelesen werden können." Gute Lesebücher enthaltenin der Regel genug Stoffe, die den Schülern zu freier Auswahl überlassen werdenkönnen. Wir sind eben auch der Ansicht, daß die Schule auch nach dieser Richtunghin ihren Schülern das Beste als Mitgift auf den Lebensweg zu geben habe, damitsich auch an herrlicher Dichtung der Sinn für Hohes und Ideales erhalte, und stimmenaus voller Seele dem bei, was hierüber in dem Artikel über deutschen Unterricht aus-geführt worden ist. Was aber die Form betrifft, so ist auf Wahrheit, Einfachheitund Natürlichkeit vor allem zu halten. Gegen alles theatralische Wesen in der Dekla-mation muß Einspruch erhoben werden. Schauspieler zu bilden liegt nicht in derAbsicht einer christlichen Schule. Daher mäßen wir uns auch gegen die von achtbarerSeite her ausgesprochene Ansicht erklären, daß da, wo es erreichbar sei, ein guterSchauspieler diese Hebungen leite. Schon in dem Reformationszeitalter fanden nebender Aufführung der Schuldramen (vgl. d. Art. dram. Aufs.) auch besondere Deklama-tionen statt (vgl, Bd. I, Calvin S. 81 o).*) G. Lothholz.
Degradiren, s. Schulstrafen.
Denken, s. Erkenntnisvermögen.
Denkübungen. Wenn, nachdem in diesem Werke der Anschauungsunterricht anseinem Orte besprochen worden ist, im gegenwärtigen Artikel den Denkübungen nochein Platz gewidmet wird, so hat dabei offenbar die Erwägung obgesiegt, daß die Denk-übungen wohl unterscheidbar seien von demjenigen, was auf dem Erziehungsgebiete zudem Namen Anschauungsunterricht gelangt ist, wie oft sie beide auch in einem Athemoder Federzuge von den Berufenen und Unberufenen ihrer Pfleger oder Gegner nebeneinander bei kaum geahntem Unterschiede genannt worden sind.
Hienach wird es die erste Aufgabe in unserm Artikel sein müßcn, zur Anerkennungzu bringen, was im Unterschiede vom Anschauungsunterricht unter den Denkübungenzu verstehen sei. — Die Seele des Lernenden macht erfahrungsmäßig im Vollbringen
*) In die Volksschulen passen Declamationsübungen im engeren Sinne jedenfalls nicht; aberwas durch sie bezweckt wird, kann einigermaßen dadurch erreicht werden, daß man mehrere Kindereine angemessene Geschichte in der Weise gemeinsam lesen läßt, daß jedes eine bestimmte Persondarin vorstellt, wodurch Rede und Gegenrede sich auf ganz natürlichem Wege von selber hebt undmarkirter wird. Das Wichtigste bleibt immer genaue, reinliche und geläufige Aussprache und demSinn der Worte im Satze, wie der Sätze im Zusammenhang angemessene Betonung, und damithat der Lehrer gemeiniglich Arbeit genug. Gute Bemerkungen über den Gegenstand im allge-meinen und besonders über das Technische finden sich in Curtmans Abhandlungen in derPädagog. Vierteljahrsschrift von Schnitzer 1847, 1. 1848, 1. Am schärfsten spricht gegen dasDeclamiren überhaupt PH. Wackernagel im letzten Abschnitt seines gehaltreichen Büchleins „überden Unterricht in der Muttersprache." D. Red.