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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
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Deklamation.

schließen vermag, die der Inhalt fordert" (Waitz S. 271). Darüber daß mit Ver-ständnis gelesen und so allmählich darauf hingearbeitet werden soll, daß in den obernClassen bei dem Vortrag eines auswendig gelernten Musterstückes die Nuancen desGedankens wenigstens annäherungsweise durch Hebung und Senkung der Stimme rc.wiedergegeben werden, dürfte wohl kein Zweifel sein. Es ist aber nicht zu leugnen,daß besonders in den griechischen und lateinischen Stunden gerade auf ein ausdrucks-volles, von Verständnis zeugendes Lesen in den meisten Schulen zu wenig gesehen wird.Daher ist es empfehlenswertst, wenn man, wie vr. Heiland (Mützell, Zeitschr. 1856.S. 77) in einer Abhandlung zur Gymnasialfrage befürwortet, wie ehedem, Capitelaus Nepos, Cäsar, Cicero lernen läßt. Damit aber das Memoriren zu einer wirk-lichen Aneignung führe, sei es hinfüro nicht ohne das Declamiren. Die Programmeder Fürstenschule zu Grimma weisen es aus, daß dort noch heute die Schüler allerClassen auch in lateinischer Declamation geübt werden. Und welche looi msinoriulss,wertstmit vollem Klange und mit aller Feierlichkeit der Recitation" vorgetragen zuwerden, enthalten nicht die Dichter! Man sollte schon deshalb dazu greifen, um einCorrectiv zu gewinnen gegen die grenzenlose Verwahrlosung in Prosodie, Metrik undRhythmus, wodurch unsere Schüler so barbarophonisch geworden sind. In der Thatsind dem Gymnasium auch in den alten Sprachen so viele Mittel gegeben, auf ein mitVerständnis der Sache in Einklang stehendes Vortragen hinzuarbeiten, daß es nichtnöthig ist, bestimmte Declamirstunden einzurichten. (Fr. A. Wolf sKoerte II. 153)sagt:Auch darf es nicht fehlen an Unterricht in der deutschen Grammatik, wie imdeutschen Stil, in der Prosodie und der Kunst zu declamiren, in den höhern Classenaber müßen lauter selbstgemachte Sachen declamirt werden, auch eigene poetische oderprosaische Uebersetzungen aus Alten und Neuen.") In den meisten Schulen bilden, wieman aus den Programmen ersieht, die Declamationen einen Theil des deutschen Unter-richts und zwar in der Weise, daß in jeder deutschen Unterrichtsstunde einzelne Schülerzumeist Gedichte vortragen; die Prosa wird dabei wohl mit Unrecht vernachläßigt, dader metrische Rhythmus leicht zu taktmäßigem, gedankenlosem Vortrag verleitet. Der-jenigen Einrichtung hingegen, die an verschiedenen Gymnasien durch das Jahr 1848eingeführt wurde, in welchem man unter andern auch das Bedürfnis an Volksrednernlebhaft fühlte, daß in einer gewißen Stunde in der Woche Schüler ihre eigenen Pro-ducts in gebundener oder ungebundener Redeweise zum Vortrag brachten, vermögen wirnicht unfern Beifall zu spenden und wir stimmen in dieser Beziehung dem Or. Jordan(Mützell Zeitschr. 1857. S. 842) vollkommen bei, wenn er sagt:man hat gewißUnrecht daran gethan, wenn man im letzten Decennium, namentlich auch infolge derpolitischen Redseligkeit des Jahres 1848 den freien Vorträgen und Redeübungen hieund da einen so hohen Werth beigelegt und ihnen in der Schule ein weites Feld ein-geräumt hat, dagegen die declamatorischen Uebungen als unter dem Niveau eines Gym-nasiasten der obern Classen stehend beseitigt. Recht geleitet sind sie bis Prima vonhoher Bedeutung. Mit Recht finden wir sie daher auch in den Lehrplänen der Provinz(Sachsen) noch in Prima vor." Man hat wohl gemeint, daß ausdrucksvolles Lesen dieDeclamationsübungen ersetze; bringt man jedoch in Rechnung, daß es doch noch etwasanderes ist vor dem Lehrer und den Mitschülern etwas frei vorzutragen, und daß schonein hoher Grad von Unbefangenheit erfordert wird, um dies zu können, so empfiehltsich die Declamation schon aus diesem Gesichtspuncte; die rechte Einsicht des Lehrerswird der vielleicht hie und da bei dieser Gelegenheit hervortretenden Keckheit der Jugendzweckmäßig entgegenzutreten wissen. (Wie sehr man die jugendliche Schüchternheit, dieso wohl ansteht und die in den meisten Fällen das Merkmal einer feinorganisirtcnNatur ist, zu schonen habe, darüber vergl. d. Art. Dramatische Aufführungen.) AuchCurtman (Lehrb. III. Thl. S. 1161 betrachtet in dieser Beziehung die in Fragestehenden Uebungen:Die Unbefangenheit beim öffentlichen Auftreten kann durch Decla-mationen bei Schulfeierlichkeiten gewahrt werden." Betrachten wir demnach die Decla-mationsübungen von dieser Seite, so werden sie richtig geleitet allerdings einen nicht