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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
Entstehung
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Deklamation.

oder Stumpfheit, Stärke oder Schwäche der Laute, die Betonung einzelner Wörterund kleinerer oder größerer Sätze und ihrer Theile, die steigende oder fallende Lebendig-keit der Rede, die Raschheit oder Langsamkeit ihrer Ab- und Ansätze, die Größe derPausen" wirklich beobachtet werden kann. Eine andere Frage ist die, in wie weit zurDeclamation das dramatische Element, das eine möglichst vollständige Angemessenheitdes Gesichtsausdrucks und der Geberde zum dargestellten Inhalt verlangt, hinzutretenkann. Waitz (Päd. S. 272 ) meint, dies dürfe nur von höherem Unterrichte versuchtwerden, doch dürfe auch schon die niedere Stufe nicht beim Lcsevortrage allein stehenbleiben, denn durchgängig könne auf den niedern wie auf den höhern Stufen die Auf-merksamkeit für die sprachliche Darstellung nur in dem Maße frei werden, in welchemdie Herrschaft über den Stofs gesichert ist, und nur erst die länger fortgesetzte vielfacheUebung der Aufmerksamkeit gestatte allmählich eine noch größere Erweiterung derselbenauf den gesummten mimischen Ausdruck. Ob die Schule die Kunst des Vortrags soweit d. h. bis zum Declamiren im engern Sinne steigern könne, scheint vor allem vonder Individualität des betreffenden Lehrers abzuhängen, ob dieser nämlich durch seineigenes Beispiel seine Schüler zu der Fähigkeit eines solchen Ausdrucks des Gelerntenzu bringen im Stande ist. Ist der Lehrer selbst hiezu nicht geeignet, so muß auf einederartige Declamation um so mehr verzichtet werden, als falsches Pathos, übertriebenerAusdruck in den Geberden, verkehrte Anwendung der Gesten überall das Gegentheilvon dem Hervorbringen würde, worauf eine christliche Erziehung es abzusehen hätte,und die Uebung im Declamiren nichts als eine praktische Anleitung zur Heuchelei wäre.Ueberdem wird ja auch nicht immer die Art des Vortrags den Maßstab für das Ver-ständnis abgeben können. Oft sind gerade stille Naturen von der tiefsten Empfindung dochnicht im Stande, etwas ganz richtig empfundenes auch gut vorzutragen, und im andernFall giebt es Individuen, die bei einer großen Oberflächlichkeit ihres Wesens von einemsichern Takte geführt den Anforderungen, die man an die Declamation stellt, ziemlichentsprechen. Es ist vollkommen zuzugeben, daß eine gut geleitete Declamation für dieBildung des Geschmackes von Wichtigkeit ist, dennerst durch den Vortrag kann fühl-bar gemacht werden, wie innig der äußere Ausdruck sich an den Gedanken und die ganzeGemüthslage anzuschließcn vermag, die er darstellen soll, und wie wichtig die voll-kommene Angemessenheit beider zu einander, sowohl für die vollständige Auffassung desMitzutheilenden und für die Bewegung des fremden Gemüthslebens durch dasselbe alsfür das Verständnis und die feinere Ausarbeitung der eigenen Gefühlswelt ist. Mitder Bildung des Vortrags und durch sie erhalten die begleitenden Gemüthszuständeeine Lebendigkeit und Innigkeit, die ihnen vorher fehlte, und die bisher dunkel gebliebenenUnterschiede unter ihnen treten in bestimmter Färbung und fester Gestalt auseinander;die Wellenlinie der Gefühle und ihre Abstufungen, ihre Hebungen und Senkungenlassen sich bei der großen Biegsamkeit der menschlichen Stimme selbst bis in ihrezartesten Schattirungen sichtbar machen; das herangewachsene Kind wird dadurch ausder Bewußtlosigkeit seines eigenen, so oft überwältigenden Gefühlslebens allmählichherausgezogen, und mit dem Interesse für die vollkommene Darstellung desselben wirdzugleich auch seine Fähigkeit erhöht. Zwar läßt sich nicht behaupten, daß die Tiefeund Zartheit des Gefühls an der ästhetischen Vollendung des Vortrags direct gemessenwerden könne, aber die natürliche Wechselwirkung zwischen beiden, die zu sorgfältigerpädagogischer Benutzung dieses Bildungsmittels auffordert, kann gleichwohl nicht bezweifeltwerden; denn es wird sich eine solche überall von selbst Herstellen und zur Geltungbringen, wo zwischen dem innern Gehalt des Lebens und den äußern Formen seinerDarstellung ein bis ins Einzelne durchgeführter Parallelismus stattfindet. Hat manmit Recht dagegen gewarnt, daß man ästhetisch gefühlvolles Lesen herbeiführen wolle,wo die entsprechenden Gefühle sich noch nicht finden, hat man mit Recht sich gegen diemarionettenähnlichen Bewegungen beim Declamiren ausgesprochen, so darf auf der andernSeite auch nicht übersehen werden, daß erst die Gewinnung der rechten äußern Dar-stellungsweise dem Schüler die Gemüthslage vollständig und bis ins Einzelne aufzu-