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2 (1878) Dankbarkeit - Globus
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Dankbarkeit.

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Ganz so, wie immer die edelsten und tiefsten Bedürfnisse, die die Sünde eingeschläfertund abgestumpft hat, erst geweckt werden mäßen. Das geschieht nun freilich nicht, wieuns Tenophon (Cyrop. I, 2.) von den Persern berichtet, durch schwere Strafe, die aufden Undank gesetzt wird; schon deswegen nicht, weil großer Undank vorhanden seinkann, ohne daß er zur beweisbaren Thatsache wird, und dann, weil eine Dankesbe-zeugung aus Furcht vor Strafe selbst wieder nichts als- ein Product des Egoismus ist.Aber das ist um so gewißer, daß im Kinde die Dankbarkeit nur dadurch zu weckenund zu Pflegen ist, wenn man es danken lehrt, es zum Danken anhält. Das Lebenselbst bietet, namentlich beim Anblick fremden Unglücks, Anlaß hiezu genug dar; dasMorgen- und Abendgebet hat seinen pädagogischen Werth namentlich auch darin, daßes die flüchtigen Eindrücke des empfangenen Güten fixirt und so dem kurzen Gedächt-nis, das den Undankbaren charakterisirt, entgegenarbeitet. Ebenso ist das Tischgebetschon aus diesem Grunde für christliche Erziehung unentbehrlich. Wo sich bei einemKind Unzufriedenheit kund giebt, z. B. mit der ihm verabreichten Speise, mit seinerKleidung u. s. w., da muß ihm gesagt werden: «danke Gott, daß du das hast"; Bei-spiele, wie das des verlorenen Sohnes im Evangelium, der zufrieden gewesen wäre, daein Taglöhner zu sein, wo es ihm zu enge gewesen war als Sohn des Hauses, Hin-weisungen auf die in jeder Lage möglichen Glückswechsel sind hier ganz am Orte.Aber auch menschlicher Wohlthat gegenüber ist hier die Angewöhnung der Dankesbe-zeugung von größter Wichtigkeit. Es giebt auch bei gut gearteten Kindern, namentlichbei Knaben, eine gewiße Blödigkeit, eine dumme Scham, die sich vor allen Bezeugungenvon Dank und Aehnlichem fürchtet, weil man sich selber linkisch vorkommt; das kannso weit gehen, daß sich ein Kind lieber einer Wohlthat entzieht, nur um nicht dankenzu mäßen. Vollends eine Danksagungsvisite zu machen, ist den meisten Knaben einbitterer Kelch, während die Mädchen im Bewußtsein, sich gefällig benehmen zu können,das weniger scheuen. Hier muß nun einfach durchgegriffen werden mit unnachstchtlichemGebot; ist einmal jene Scheu überwunden, so bekommt jenes edlere, ursprünglich-natür-liche Gefühl und Bedürfnis Luft. Auch nnter den Kindern selber muß darauf gehaltenwerden, daß eine empfangene Liebeserweisung im Gedächtnis behalten wird; tritt einVergessen, eine Misstimmung ein, so ist es Sache des Erziehers, an die Dankes-schuld zu mahnen; sowohl bei solchem unmittelbaren Anlaß, als wo sonst das Lebenund die Geschichte dazu die Hand bietet, muß insbesondere mit Nachduck das Häßlichedes Undanks, das Malhonette, Niederträchtige desselben dem Kinde vor Augen gehaltenwerden. Schwieriger ist es, die Dankbarkeit, die wir als Eltern, als Lehrer gegenunsere Person anzusprechen das Recht haben, die wir pflanzen müßen, wenn jene Tugendüberhaupt im Kinde zu Stande kommen soll, selber hervprzmufen. Die bloße Pflicht-erfüllung, ohne daß das Kind unsere Liebe darin empfindet, thut's noch nicht, wiewohlohne sie natürlich von Dankbarkeit nichts zu hoffen, auch nichts zu verlangen ist; diebloße Erzeugung begründet kein Dankgefühl, und davon, wie sauer das Kind seinerMutter geworden ist (Sir. 7, 29), hat es keine Erinnerung (in der Regel wird mandas erst im eigenen Ehestand inne). Die Ueberhäufung des Kindes mit Wohlthaten,z. B. das Uebermaß in Weihnachts- und Geburtstagsgeschenken, hat eine gewiße Gleich-gültigkeit neben der Unersättlichkeit des Begehrens, also das gerade Gegentheil derDankbarkeit zur Folge; schwache Mütter, die dem Kinde nichts abzuschlagen vermögen,ernten in der Regel den wenigsten Dank. Thöricht ist es ferner, dem Kinde das un-aufhörlich vorzurechnen, was es uns persönlich zu danken habe; sein Gefühl, je ge-sunder, je mehr zu wirklicher Dankbarkeit qualificirt es ist, sagt ihm um so mehr,daß selbst wirkliche Wohlthaten, wenn mau sie uns aufrückt, dadurch viel von ihremWerthe verlieren; dessen zu geschweigen, daß Menschen, die von ihren Gutthatenviel reden, dieselben höher anschlagen, als sie Werth sind. Der richtige Weg zur Er-zielung der Dankbarkeit gegen unsere Person und eben damit zugleich zur Befähigungdes jungen Herzens für dieselbe im allgemeinen wird außer dem oben Bemerkten nochspeciell durch folgende Puncte sich bestimmen lassen: 1) Je mehr der Erzieher, nicht

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