©tmntagSfcicr. 873
Sludj baß bie (Eltern regelmäßig, fo oft bie VJitterung eS ertaubt, Stuäftüge mit benKinbern machen, i[t nicht ju raten, weit fonft in biefen bon frö^ auf bie Meinung ftdE)bilbet, ber ©onntag fei eigentlich bajn ba, baff man auswärts, wo möglich per ©fen=bahn ober gu 2Bagen, fein Vergnügen fud)e. (Sä toirb fein Vernünftiger auf ba§
igraelitifd)e @efe (3 jurüdgreifen, wonach am ©abbath (f. 2 3Rof. 16, 29) bon feinemOrte feiner auSgeljen foH, weldje Konfinierung bon ber fpätern jübifdjen Srabition aufeine Viertelftunbe (Sntfernung feftgefefct mürbe, woran [ich aber, auS SDlarc. 2 , 23 jufdjließen, ber tgerr felbft nidjt gebunben hot- gür mie manchen ®ef<häft§mann unbVeamten ift Ja ber ©onntag in ber Sljat ber einzige Sag, an bem ihm eine Erholungbiefer 2lrt überhaupt möglid) ift; aber baS muß büd) eine 2luSna£)me bteiben unb nichtäur fReget werben, wogegen ber fonntägliche Slbenbfpajiergang mit ber gamilie ganj wotjur fjauSregel werben barf, um fo mehr, ba ber ©onntag für fo manche Väter bereinzige Sag ift, an bem fie fid) ihren Kinbern wibmen tonnen. $it §aufe ferner ift fürbaß jüngere Kinb fdjon bamit eine entfprechenbe Unterhaltung jn bewerfftelligen, baßihm gewiffe feinere ©vielfachen nur am ©onntage hwauSgegeben werben. Ser altereKnabe, baS ältere ©iäbdjen barf bann auch folche ©djriften tefen, für welche an benSBerftagen bie Seit nicht öerftattet ift. Sreibt ein Kinb fchon mit einiger Suft unbgertigfeit eine Kunft wie Seicfnen unb SDtufif, fo bietet auch baju ber ©onntag feineiHebenftunben willig bar. Unb wir gefielen offen, baß wir nicht ber üietmehr puritanUfchen, al§ beutfch=lutherifcf»en SDleinung beipfliöften, als bürfte auch in biefen gönnenbie Unterhaltung nur eine religiöfe fein, nur religiöfe Settüre, nur religiöfe SÖlufif. Veiwem ber ©runbton be§ ganzen ©emütSlebenS ein eoangelifcher ift, ber hat auch fä^herbaS apoftolifdje 2Bort ju gieijen: „Saffet euch niemanb ein ©emiffen machen über ©peifeober Sranf, über geiertage ober ©abbathe" (Kol. 2 , 16); nur was etwa Ärgernisgeben würbe, wie 3 . 33. laute Sanjmufif auch ohne Sanj, ba§ ift auS biefem ©runb,ebenfalls nach apoftolifcher DJegel (2 Kor. 6 , 3. 9töm. 14, 13) ju unterlaffen, fowie auch aufbie Vebeutung eines einzelnen gefttageS (©Karfreitag, Vußtag :c.) fRüdftdjt genommenunb fomit baS Kinb an biefe SRüdfichtnahme gewöhnt werben muß. ©onft aber barfman wol fagen: was, 3 . V. oon ©efang unb SDiufit, ben ©onntag entweiht, baS äiemtfleh für einen ©Triften, für ein ©hriftentinb auch am SBerftage nicht. 2 lber „was oonSebenSgenüffen eblerer 2lrt ift, b. h- toaS ben äftenfdjen auS ber geiftlidjen SebenSfphäre,in bie ber ©otteSbienft als ber Kern beS ©onntagS ihn werfest, nicht nur nicht miberherabjieht in§ ©emeine, inS Sinnliche unb ©ünbige, fonbern jener Ködern ©ttmmunganalog ift, waS als geiftige Erhebung unb (Srfrifdjung überhaupt ber ipoefie innerlichPerwanbt ift, wag fomit ba§ ibeale Sehen im Sltenfchen wach ruft unb nährt, wenn e§auch nur ben ©tempel be§ rein 9Jtenfd)lid)en trägt, wa§ alfo ben religiöfen ©runbtonbe§ ©onntagS nicht als weltlicher äftiSton gerfiört, fonbern mit jenem, obgleidj perfchiebenbaoon, hoch ju einem molthuenben Slccorbe jufammenflingt: ba§ ift bem ©onntag auchnicht enge ooräuenthalten, ba§ paßt »ielmehr als ©d)mud unb ©egen ju ihm unb wirbfeine SEBirfung auf ben ganzen SJfenfchen fidjer nicht fchwädjen, fonbern erhöhen." (tttuSber „äftoral" be§ Unterzeichneten, ©.411 f.)
Von ber Siegel, baß ber ©onntag mit feiner äBerftagSarbeit, b. h- befonberS §anb=arBeit, entweiht werben foH, macht man häufig in öefter ÜDieinung bie luSnahme, baß,wenn bie Slrbeit für einen wolthätigen gwed, für bie Süiffiou u. bgl., gethan werbe,fie bann nicht unter jenes Verbot falle, ©elbft K. 0 . Siaumer oerwirft e§ (©efch- b.i|3äb. III, 1. ©. 42) als fßuritaniSmuS, toenn man nicht gutaffen wolle, baß „für armebarfüßige Kinber am äßinterfonntage ©trümpfe geftrieft unb fjemben genaht werben."ffSuritanifdjer ülnwanbtungen wirb un§ wol niemanb besichtigen; gleidjwol perweifen wirauch foldl)e Arbeit eutfehieben auS bem Vereidje beS ©onntagS h«K>« § , augenblidliche,brängenbe 9 iot natürlich ausgenommen, bie aber auch fürs Arbeiten ju eignem DlufeenPon ber djrifttichen ©ittenleljre nie oerworfen worben ift. ES h an ^ e ^ f l( h in bfefergrage gar nidit um ben ßmed einer Arbeit, fonbern um bie Ülrbeit felbft; fie ift ja