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8 (1887) Schule und Haus - Sophisten
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©mutlagSfeier.

haben. ®a wirb aud) ein ©pamen aus ^Srebigt unb $ated)iSmuS als ©onntagSunter»Gattung anempfoljlen, aber ba§ „©rändle", baS fidj ber JpauSbater für fid) unb biegamilie fornmen taffen unb mit bem er „fröhlich fein foE in (Sott mit feinem 23oIctlein",jeigt jebenfaÜS Jeine auSfd)ließlid) aScetifdje Stuffaffung ber ©onntagSfeier an, bie ohnehinmehr in proteftantifcf)en, äunächft reformierten, als in fatt)olifd)en Greifen einheimifd) ift.2ludj füllt bie befdjriebene „beffere Surämeit'' nid)t ben ganzen ©onntag auS, unb fobleibt immer miber bie grage, waS fünft gefdjehen unb nicht gefc^e^en foE? SBenneinmal feftftelft, baß fidj gemiffe ©inge am ©onntag nid£)t gejiemen, fo muff eS bemÄinbe burd) ©ewöhnung mie jur anbern Statur gemacht werben, ben ©onntag ebenburdjS rechte ©Ijun unb Untertaffen ju eljren, fo baß eS fetber ben ©inn in fid) trägt,bem eine ©djanbung beS ©onntagS unerträglich ift, baff eS fid) fetber niemals feinen©onntag burd) Entweihung irgenb einer 2lrt oerberben mag. ©enn für ben eoangetifdjenEtjriften ift ber ©onntag bietmehr ein 9?ed)t al§ eine ^fließt, baS Stecht, fcfjon mittenim jeitweilig bie greifjeit ber Äinber ©otteS ju geniejfen, bie in ihrer boEen

SluSbefpmng unb §errlid)feit erft in einer jenfeitigen ßufunft ju erwarten ift: wer jenesfRedjt, jene greiljeit ju fd)ähen weiß, bem brauet man nicht mehr bie S3flid)t ju prebigen,baß er ftdj foldjeS 9?edjt nicht felbft berfümmern foE.

2ttS ein ebteS fRedjt wirb bem ßinbe bie ©onntagSfeier erft fühlbar, wenn ilpnat§ ©djüter ber ©onntag jum ©rljoIungStage wirb, ©o berfeffen auf fein Sateiu unb©riedhifd) ift ftdjerlid) aud) ber ftrebfamfte gunge nicht, baß er am ©onntag bebauerte,nicht auf ber ©djutbant über ÜHbiuS unb £enopf)Dn fijjen gu bürfen; unb biefe greifetfoE itjm aud) nidf)t üerfiimmert werben, weber burd) ©djulftunben, bie ein übereifriger©djulmeifter auf ben ©onntag anberaumen möchte, nod) burd) fpauSaufgaben bon folchemUmfang, baß er fie nicht am ©amftag Slbenb nod) boEftänbig ober bocfj fo weit fertigbringen tann, um etwa am ©onntag 2 tbenb ober SJtontag früh ß e nur nod) burd)fel)enober retnfchreiben ju bürfen. SBürben ooEenbS bie ©djüter burd) ©onntagSbefdjaftigungoom ©otteSbienfte ferne gehalten, mittelbar ober unmittelbar, ober würbe man iljnen,wie gefdjeljen fein foE, baS Söegbteiben bon ber $ird)e als 23elot)nnng für gute ©djut=arbeit berl)eißen, fo müßte bie Strdje, bie einen motbegrünbeten Slnfprud) barauf hat,baß bie, bie fie getauft unb fonftrmiert, il)r nicht fpftematifcf) entfrembet werben, aUeS©rnfteS bagegen ©infpradje ergeben. ©S iß ein fauler glecf an unfern Einrichtungen,baß j. 53. Lehrlinge am ©onntag SKorgen mit ihren 8eid)nung3mappen marfdjieren,benn wenn bie ©tunben aud) gefejjtid) cor bem ©otteSbienfi Ju ©nbe fein foEen, fowirb wot bie 2uft feiten fein, bon ber ©d)ulftunbe aus in bie Sirdje ju eiten. (53ergt. b.2lrt. i|3aufe.)

Silber wenn ber ©onntag arbeitsfrei ift, waS foE bann bod) gefd)d)en, bamit er bem®inbe nicht langweilig werbe? ober bamit bie ©onntagSrufye nicht eine ©cßule beSSJtüßiggangS fei? ©pielen mag hoch nud) baS jüngere Sinb nicht einen ganjen liebenlangen ©ag Ijinburd), unb fo tann eS mandjmat borfommen, baß bie ©ttern frol) finb,wenn ber ©onntag borbei ift unb ber SJlontag wiber für baS Stufgehobenfein ber gugenbin ber ©d)ute forgt. ©ineS ber SMttel ju fonntägtid)er Unterhaltung ift baS gegen»feitige ©idjbefudjen bon Sinbern befreunbeter gamitien. 2Bie bie pflege ber ©efeEigfeitbon aflen einfid)tigen d)rifitid)en ©t§ifern als etwas ganj befonberS bem ©onntage wot»anfleljenbeS bezeichnet wirb: fo h at aU( h feinen befonbern päbagogifdjen SBert, baßbaS Sinb fi«h batb als ©aft im fremben §aufe, Batb als Empfänger tteiner ©äfte be=nehmen, atfo 5 . 53. auch fcfyon burct) baS ®efüE)t ber ©aftfreunbfd)aftspflicht feine natür»liehe ©elhftfucht bänbigen lernt. Iber jur ©onntagSregel foEten fo!d)e Sinberbifitenhoch nidjt werben; „ein $inb, baS am ©onntage gät)nenb feufjt: waS foE ich anfangen?weit eS weber ^inberbefuch empfängt noch felßjl fortgebeten ift, ift ein gar traurigerStnhlicf. ©ie gröhlidjleit beiner Keinen IDtäbchen muß nicht bon frembem Sefudh ab»hängig fein, fie müffen fidh auch ohne benfelben angenehm $u befd)äftigen wiffen." („ÜberS’inbereräie'hung — in ^Briefen", mit Vorwort bon $. Sormann, Berlin 1867 . ©. 28 .)