Sprache.
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Diese zweite, sprachliche oder Zeichen-Welt ist neben ihrer Beziehung ans die objectivcvoll eigenen und inneren Zusammenhanges. Beides, die Eigenartigkeit und dieInnerlichkeit dieser sprachlichen Gedankenwelt, tritt dann erst deutlich hervor, wennZweierlei stattfindet: daß a) die Sprache als Object der Wissenschaft behandelt, alsComplex gesetzmäßiger Erfahrungen und Anwendungen dargestellt wird (was selbst schonfast nur durch Vergleichung mit einer zweiten Sprache geschehen kann); und d) daß nebendie eine Sprache eine zweite tritt, welche im Wesen d. h. als gesetzmäßig verknüpftesGegenbild der Gedankenwelt der ersten gleich, in der Ausführung und concretenForm von ihr verschieden ist.
2) Die innere Ordnung der sprachlichen Welt ist eine andere und eine festereals die der realen oder Gedankenwelt, in wie fern der Inhalt derselben sprachlos gedachtwird. Die Dinge und Ereignisse des Daseins sind fast alle zusammengesetzt, jedes be-steht aus mehreren Merkmalen; auch die Worte sind zusammengesetzt. Aber kaum diewissenschaftliche, geschweige die einfache Auffassung der Dinge setzt im Denken der Merk-male absolute Grenzen und feste Ordnung; „Baum", „Fisch", „Stern" re., werden mitihren Merkmalen in schwankender Fülle und in beliebiger Ordnung gedacht; dieWörter dagegen werden nur als diese ganz unwandelbare und unverrückbare Reihe vonLauten gedacht. — Und in derselben Weise sind hier, in der Sprache alle wandelbarenBeziehungen an den Dingen durch strenge Gesetze geregelt, welche obendrein relativeinfach und faßbar sind. Auch der Einfluß, den hier, in gesprochenen und geschriebenenSätzen, jedes sprachliche Element des Denkens auf das andere ausübt, die Art wieede Veränderung zugleich Function der Veränderung eines Anderen wird, ist gesetzlichgeregelt.
3) Die psychologische Gesetzmäßigkeit, nach welcher die Processe (der Reproduction,Apperception, Verdichtung u. s. w.) vor sich gehen, vollzieht sich am Inhalt, aber auchan der sprachlichen Begleitung und Fassung desselben; aus den Erfolgen der Psycho-logischen Processe, die sich an den Worten — nach ihrer eigenen systematischen Ver-flechtung — vollziehen, können fruchtbare Combinationcn auch für die Vorstellung derSachen entstehen; je mehr Sprachen nun einem Geiste in lebendiger Anwendung gegebensind, je freier sich die Welt der Worte und die der Begriffe und Vorstellungen zu ein-ander gestaltet haben, desto fruchtbarer können auch die sprachlichen Combinationen fürdie Gedanken der Sachen werden.
4) Der Sprachunterricht als solcher hat es mit der Form der Sprache zu thun; soscheint er an sich unabhängig von dem lexikalischen und literarischen Inhalt. In Wahr-heit aber ist jedes zusammenfassende Denken abhängig von der Energie der ein-zelnen Vorstellungen und umgekehrt (vgl. oben über das Urtheil!); die Grammatikaber ist die sprachliche Form für den Proceß des zusammenfassenden Denkens: dieEnergie des grammatischen Bewußtseins ist demnach bedingt vom Gedankeninhalt, andessen Darstellung es sich vollzieht. Die Sprache, sahen wir, zerlegt die Anschauungenin Worte, also in Vorstellungen; aber der Satz, ob er gleich aus diesen, aber aussolchen besteht, die mit einander in energischer Wechselwirkung stehen, soll die Anschauungd. h. die von einer anderen und höheren Art wieder schaffen. Die Grammatik wirdnicht durch ihre allgemeinen Regeln, sondern in ihrer concreten Anwendung (der Lectüre)wirklich gedacht und lebendig erfaßt. Die Grammatiken mehrerer Sprachen inabstracto neben einander wären auch in demselben Geiste eine ziemlich indifferente Sache;einige Regeln derselben in ihrer Differenz von einander an dem gleichen Inhalt energischentwickelt: beleben zugleich die Einsicht in das Wesen der Sprache, jeder dieser Sprachen,und in die Rückwirkung derselben aus den dargestcllten Inhalt.
5) Anschaulichkeit zieht Energie. Der Gedankeninhalt der alten Sprachen aberpflegt meist historischen und unsinnlichen Inhalts zu sein, der nur in weiten Vermitte-lungen zur sinnlich lebendigen Anschauung zurückreicht. Gelingt es nun durch psycho-logisch einsichtige und streng befolgte Methoden dennoch diesen Inhalt zu einer energischen