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11 (1878) Rußland; Lateinischer Unterricht; Sprache
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Sprache.

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stand erscheint. Beruht sie doch auf einer der Kenntnis des Nachahmendcn sich ent-ziehenden Übertragung des empfangenen Bewegungsbildcs auf diejenigen motorischenNerven, welche die gleichen Muskeln in Bewegung setzen. Vielmehr gerade so wiebeim Urmenschen sind beim Kinde die Sprachlaute eine unwillkürliche Schöpfung, einErfolg der Reflexbewegung; hier aber vorwiegend von den Gehörseindrückcn, die demSprachlaut der Erwachsenen entstammen. Daraus folgt: wir lehren dem Kind nichtdie Sprache, sondern nur unsere Sprache, wir veranlassen es, daß es anstatt dernatürlich hervorbrcchcnden (wie ja zuerst auch meist geschieht!) die von uns gehörtenLaute hcrvorbringt.

Wie aber lernt es uns verstehen? wie gewinnt es die mit dem Laut verknüpfteBedeutung desselben? Auch die Bedeutung der Wörter muß das Kind auS sich er-zeugen, und wir können ihm nur die (im günstigen Falle vorsorglich geordnete) Ver-anlassung dazu bieten, daß es den Proccß dieser Erzeugung vollzieht. Der Proceßist einfach bei sinnlichen Dingen und Vorgängen; er vollzieht sich allein dadurch,daß dem Kinde die Laute (die es gehört und die es meist ohne noch den Sinn zukennen oft wiederholt hat) und die Sachen in unzweifelhafter Beziehung auf einanderdargeboten werden. Aber das Kind muß die Anschauungen von den Dingen selbstgewinnen, das Sehen, Hören, Tasten nnd Schmecken braucht und kann dem Kindenicht gelehrt werden. Eben so die gesetzliche Verbindung, die ganze Mechanik derVorstellungen, wovon die Verknüpfung der Anschauung des Dinges und der Aussprachedes Lautes nur ein besonderes Beispiel ist. In dem Umstande, daß das Kind keinenGegenstand sehen, keine Thätigkeit warnchmen kann, ohne daß ein fertiges Wort dafürzugleich an sein Ohr schlägt, liegt es, daß das Kind, anstatt sich eine Sprache zu schaffen,sich die unsrige aneignct; sehr früh schwindet in unseren Kindern das zuerst offenbarhervortretende Bedürfnis, in selbstgeschaffenen Lauten zu reden, weil es die gehörtennachahmen kann, und bald darauf auch die Möglichkeit, weil es, um verstanden zuwerden, sie nachahmen muß. Neben der ursprünglich ganz chaotischen Masse von Sach-anschauungen, die es naturgesetzlich gebildet hat, vernimmt das Kind eine Menge vonWörtern; so wie sich einzelne bestimmte Anschauungen heraussondern, ziehen sie auchdie bestimmten einzelnen Wörter dafür an, nach einer Wahlverwandtschaft, deren allge-meines Gesetz für den heutigen Menschen allerdings auf der bloßen Tradition beruht,deren Anwendung und stufenweise Wirksamkeit aber von der Masse der gleichzeitigen,unzweideutig verbundenen Wort- und Sachwarnehmungen abhängig ist, welche dasKind gewonnen hat. Größere Schwierigkeit für das Verständnis des Kindes (des-halb anch später zum Thcil viel später erreicht!) bieten alle diejenigen Wörter,deren Bedeutung in Vorstellungen besteht, welche theils nur im psychischen Proceß,der sich auf viele zusammengehörige, aber räumlich und zeitlich getrennte sinnlicheAnschauungen bezieht, gebildet werden (Wachsen, Leben), theils nur innere War-nehmungcn enthalten (denken, wollen u. s. w.) theils innerlich erfaßte Beziehungen sind(Monat, Jahr, früher, später), und endlich alle Formwörter, welche sprachliche Be-ziehungen darstellen.

Fast alle diese Vorstellungen lernen unsere Kinder durch die Wörter kennen,deren Bedeutung sie sind. Ohne daß die Erwachsenen im Kinde diese Vorstellungendurch die Sprache anregten, ohne daß die Worte das Kind dahin führten, sie zu denken,würden sie sehr lange nicht entstehen; so langsam eben, wie in der Geschichte der Mensch-heit, würden sie immer wieder sich entwickeln. Gleichwohl kann man schlechterdingsdem Kinde auch mit dem Wort die Vorstellung nicht geben, überliefern, ein-bauchen; das Wort das bis dahin unverstandene giebt nur die Veran-fassung, daß die Vorstellung im Kinde selbst entsteht. Dies geschieht da-durch, daß das Wort anleitet, seine Bedeutung zu appercipiren; ist diese z. B. eininnerer Vorgang wie Wollen, Wünschen u. dgl., so muß er vom Kinde wirklich

Pädag. Encyklopädie. XI. 46