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Sprache.
man aus dem Capitcl: „die Congruenz von Geist und Sprache und das Verständnis"im Leben der Seele II. S. 346—398 entnehmen, weil über diesen viclumstrittenen undschwierigen Punct durch kurze Andeutungen zwar eine Meinung ausgesprochen, aberkeine Ueberzeugung gegründet werden kann. Auch von der Schattenseite der Sprache,von dem hemmenden und verflachenden Einfluß, den sie auf die geistige Thätigkeit aus-üben kann, ist dort geredet; ich will ihn hier übergehen und in der nachfolgenden Schluß-betrachtung noch berühren. Nur auf den einen auch ethisch werthvollen Punct will ichnoch Hinweisen, der im Wesen der Sprache für den Menschen gelegen ist. WeiteresNachdenken über die durch innere Sprachform erzeugten Reihen und Netze von Apper-ccptionen zeigt, daß hier durch die Sprache dem menschlichen Geist eine neue und eigeneOrdnung entspringt, daß ihm der Bau einer inneren Welt (zugleich als Spiegelbild deräußeren) dargcboten ist, in welcher die unendliche Summe aller zufälligen Anschauungenund geistigen Regungen ihre feste Stelle insofern erlangen, als sie benannt werden. Wirhaben ferner gesehen, wie namentlich die innere Welt von der Sprache bedingt ist; aufGegenwärtiges als Sein und als Thun kann ich auch stumm hindeuten; alles Ver-gangene und alles Künftige (eben so wie alles räumlich Entfernte) als solches ist nurdurch Sprache für sich selbst zu fixiren und dem Andern vor die Seele zu stellen. Auchdie Klärung und Erhebung des Selbstbewußtseins entspringt aus der Sprachthätigkeit;die einfache Thatsache, daß der Mensch unwillkürlich warnimmt: der Laut ist meinLaut, die Anschauung aber, das Bild ist der Sache Bild, ist der natürliche Keim desSelbst, des Ich, oder des Selbstbewußtseins.
Aber indem Sprache nicht nur gedacht und gesprochen, sondern gehört und ver-standen wird, ist sie zugleich das zulängliche Mittel, nicht nur sich selbst als eine geistigePersönlichkeit zu erfassen, sondern auch in dem Anderen eine solche zu erkennen und alsebenbürtig anzuerkennen. Die ganze Welt besteht mir nunmehr nicht mehr aus Nicht-Jch und einem, nämlich meinem Ich, sondern aus Nicht-Jch und sehr vielen Ich, sovielen nämlich als da reden, als einander verstehen. Denn durch Rede und Gegenredemuß der Mensch unmittelbar wie sich selbst, so auch den Andern als Persönlichkeit, alsdenkendes und selbstbewußtes Wesen erfassen und stufenweise höher steigend, immer durchdie Sprache verbunden, lernt er, sich mit ihm durch die erhebenden und verklärendenBeziehungen des Geistes, durch die erwärmenden und hingebenden Bande des Gemüthszusammenzuschließen, auf der hohen und freien Stufe der Ichheit zu stehen und imAnderen ein gleichgeartetes Du zu umfassen, (als Lehrer es zu erziehen, es heranzu-bilden!) um mit ihm vereint die erhabenste Erscheinung des Erdenlebens, ein geistigverbündetes und zusammenstrebendes Wir auszumachen.-
Bis hieher haben wir die Sprache, ihr Wesen und ihre Wirkung immer nur sobetrachtet, wie sie aus ihrem Ursprung im menschlichen Geiste sich entwickelt. Schondort haben wir gesehen, daß in die Schöpfung der Sprache auch Aneignung und Er-lernung hineintritt. Jetzt wollen wir nur noch die Sprache auf dem Standpunkt undaus dem Gesichtspunkt betrachten, wie sie im historischen Menschen entsteht, wie sie alsobjectiv bereits gegebene, ausgebildete, relativ fertige vom Kinde ungeeignet und erlerntwird. Zunächst die Muttersprache, dann aber auch eine zweite oder mehrere Sprachen.Von dem was wir Erwachsenen und Lehrer dabei zu leisten haben, macht man sichallermeist eine übertriebene und falsche Vorstellung; es ist pädagogisch sehr wichtig, diewirklichen Grenzen unserer Mitwirkung zu erkennen und die wahre Richtung derselbenzu gewinnen. Wie beim Ursprung der Mitredende, so muß auch heute noch jedes Kinddie Sprache für sich schassen. Daß cs Sprache lernt, daß man sie ihm überliefert,ist bloßer Schein, täuschende Meinung. Man könnte.einem Kinde, wenn es nur schonseiner Gelenke Herr wäre, zeigen, wie es einen Schuh machen soll; denn jede Bewegungist dem Auge sichtbar und cs kann sie nachahmen; aber cs fehlt alles daran, daß manihm zeigen könnte, wie cs Laute Hervorbringen soll. Aber auch die wirkliche Nachahmungeiner sichtbaren Bewegung ist ja nicht so einfach, wie sie dem gesunden Mcnschenver-