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11 (1878) Rußland; Lateinischer Unterricht; Sprache
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Sprache.

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alle folgenden gleichartigen Anschauungen mit demselben Worte zu benennen oder siedurch das Wort zu appercipiren. Der Vorstellungsinhalt ist ein unbestimmter,abstracter, welcher einerseits alle Bestimmtheiten der ihm zugehörigen Anschauungeneinschließt und dennoch selbst alle Bestimmtheit seiner selbst ausschließt.Die allgemeine Vorstellung des Dreiecks z. B., auf welche auch alle mathematischenGesetze desselben sich beziehen, umfaßt die unendlich vielen Dreiecke von unendlich ver-schiedenen Größen, alle sind mit dem gleichen Wort benannt; jede Anschauung einesDreiecks aber ist die eines einzigen von einer bestimmten Größe. Die Vorstellung ent-springt allerdings erst infolge der gegebenen Anschauungen und schließt sie ein; aberdiese sind der bloße Stoff, das Object, auf welches die Seele sieht, indem sie eine Vor-stellung bildet, welche demnach ein besonderer, für sich selbst in der Seele befestigter,allgemeiner und abstracter Inhalt eines Denkacts ist. (Es ist oben schon ersichtlichgewesen, wie dieser Jnbalt zwischen der Fülle einer mannigfaltigen Anschauungund der Leerheit einer bloßen Andeutung und Hinweisung schwankt.)

2) Durch die Vorstellung werden aber nicht bloß die vielen ganzen Anschauungenals Allgemeinheiten der Gattung und der Art zusammengefaßt, sondern auch das Ganzeder Anschauungen zerlegt und die einzelnen Qualitäten derselben zu allgemeinem In-halt erhoben; dort Eiche, Linde, Baum; hier grün, blühend u. s. w., kurz der Inhaltder Empfindungen, ferner Maß, Gewicht, Zusammenhang, Dienst u. s. w. Die einzelneEmpfindung war zwar schon vorher gegeben; aber objectiv ebenfalls nur individuell(dieses Grün, Gelb) und subjectiv durch den psychischen Mechanismus nur in denVerbindungen mit anderen zur Anschauung. Erst nachdem der Empfindungsinhalt ausder Anschauung durch eine neue Apperception ausgesondert, weil an ein Wort ge-knüpft wird, ist auch er ein Allgemeines, welches alle gleichen (und viele ähnlichen)Einzelempfindungen umspannt.

3) Durch die Vorstellung wird also die Anschauungsmasse oder die Masse des

wargenommenen Inhalts in Subjecte und Prädicate, in Dinge, Thätigkeiten und Eigen-schaften zerlegt. In der Anschauung ist nothwendig immer beides, Subject und Prädi-cat enthalten und zwar ungesondert; wir sehen niemals bloß Grün, sondern immer

ein Grünes, nie einen Stein, sondern zugleich, daß er grau ist, da liegt u. s. w. und

jede Zahl ist hier eine Anzahl. Nur die Vorstellung hat eine bloße Zahl drei ohne

Gegenstände, oder eine Farbe ohne farbige Dinge (vgl. dazu L. d. S. II. 287 über

die Urbedeutung der Wurzeln als Erscheinungen, in denen Subject und Prädicatenoch nicht getrennt sind und über das Impersonale.) Dieser Proceß der Zerlegungder Anschauung ist um so wichtiger, da die Anschauung nach psychologischen Gesetzennicht bloß für uns ganze Erscheinungen, sondern noch viele Beziehungen auch vonnahen und fernen Objecten Ursachen, Wirken ec. umfaßt; der Fluß wird wargenommenals: Wasser, naß, fließend, Fischbehälter, Fahrstraße rc. Die Vorstellung zerlegt ihn.

4) Daher ist der weitere ungeheuere Erfolg der wortgeformten Vorstellung, daßder Proceß des Urtheils entsteht. Denn soll irgend eine Anschauung nach ihremwirklichen Inhalt ausgedrückt werden, so kann es nicht anders geschehen, als durch einenSatz, in welchem die Elemente der Anschauung durch einzelne Wörter vertreten sind.An sich ist Vorstellen noch nicht Denken, so wie das Ausstößen einzelner Wörter nochnicht Sprechen ist. Alles wirkliche Denken besteht aus einem Urtheil, wie alles wirk-liche Sprechen aus einem Satze; auch alle einzelnen Vorstellungen (des Subjekts, desPrädicats rc.) als Summe enthalten noch nicht das Urtheil; sondern erst in der ener-gischen Beziehung aller auf einander ist der wirkliche Gedanke vorhanden; der specifischeCharakter des Urtheils liegt in dem geistigen Bande, welches die Elemente desselbenumschlingt, durch welches sie nicht als mehrere einzelne, auch nicht bloß als zusammen-gehörige, sondern so gedacht werden, daß sie wie Subject und Prädicat sich zu einanderverhalten. Eben diese energische Beziehung wird im Satze widergcspicgelt, dieser mag