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Sprache.
durch Verbalforiucn, durch eine Copula, oder durch Stellung oder Betonung der Wörterhergestellt werden.
Daß die Sprache die Geburtsstätte dieses so überaus wichtigen Fortschritts zumUrtheil also zum eigentlichen Denken ist, läßt sich auch daraus erkennen, daß schon inden ersten Anfängen oder in der niedrigsten Form derselben, nämlich in der bloßen Be-nennung eines Dinges wenigstens der Keim eines wirklichen Urtheils vorhanden ist.Denn sobald bei einer Wiederholung der Anschauung das gleiche Wort hervorgebrachtwird, so sagt dieses Wort nicht anderes aus, als: dies jetzt Angcschaute, diese gegen-wärtige Erscheinung ist eine solche, wie die frühere war, welche mit diesem Laut zugleichgedacht worden ist und noch wird. Die frühere Anschauung ist also das Prädicat, welchesvon der jetzigen als dem Subject ausgcsagt wird. Ucber die Art wie mehrfacheAppcrception und namentlich auch inhaltlich verschiedene von dem Keim deS Urtheilszum entwickelten fortschreitet s. L. d. S. II. 274 ff.
5) Besonders wichtig, weil fast unerläßliche Bedingung, ist die Sprache für dieBildung solcher Vorstcllungsiuhalte, welche sich zwar auf sinnliche Dinge beziehen, wirk-liche sinnliche Ereignisse bezeichnen, und dennoch niemals in einer sinnlichen An-schauung gegeben werden können, sondern nur durch einen psychischen Prozeßauf Grund vieler Anschauungen gebildet werden. Von solcher Art sind Vorstellungenwie: Wachsen, Welken, Leben u. dgl. Hieher gehören alle Negationen. Das Urtheil„der Baum blüht nicht" kann niemals der Erfolg der bloßen Anschauung sein; denndiese zeigt lediglich den kahlen Baum; daß wir Blüthen au ihm nicht finden, Wird zueinem Urtheil nur weil wir sie erwarten oder uns ihrer erinnern. Negation überhauptheißt: ein im Geiste oder sinnlich Gegenwärtiges durch ein Anderes appercipiren, dasnicht identisch ist, und die Abweichung warnehmen. Negation entspringt meist ausinnerer Anschauung; allein sie wird befördert und zu einem fruchtbaren Element derIntelligenz dadurch, daß sie fixirt, erinnert, also in der Vorstellung und Sprache fest-gehalten wird. Negative Wörter und Wendungen machen aber einen erheblichen Theilgebildeter Sprachen aus.
6) Vollends alle Gegenstände und Beziehungen der Idealität des Menschen, (manmag übrigens über ihre Entstehung und Fortbildung sonst denken wie man wolle, undob sie gleich innere Anschauungen sind oder sich auf solche beziehen), Recht, Sitte,Religion und Kunst, sind durchaus von der sprachlichen Fassung abhängig; so sehr, daßman aus der Sprache eines Volkes den Grad seiner sittlichen Bildung, die Klarheitoder Unklarheit, den Reichthum oder die Armut seiner sittlichen Vorstellungen erkennenkann. Denn alle edleren, feineren und zarteren Beziehungen des idealen Lebens könnenerst daun sich entwickeln, wenn die früheren Stufen bereits zu vollständiger Klarheitder Erkenntnis gelangt sind. Sittliches Leben z. B. beginnt mit Gefühlen oder innerenAnschauungen; diese Gefühle sind meist ein dunkler, unbestimmter Gegenstand der innerenWarnehmung; aber sie können zur Bestimmtheit gelangen, wenn sie auf zutreffendeWeise appercipirt, durch Wörter repräsentirt und befestigt werden. Und erst wenn sodie früheren Gefühle zu Vorstellungen geworden sind, können an diesen sich neue, zartereGefühle entwickeln; denn ideale Gefühle bleiben schwankend und unbestimmt, innereAnschauungen schwebend, zerfließend und wandelbar, wenn sie nicht durch entsprechendewortgcformte Vorstellungen, wie die Quelle durch ihre Fassung befestigt werden; dieDichter z. B. schaffen nicht die Gefühle, aber sie geben denselben durch sprachliche Vor-stellung befestigte, erbfähige, für die Zukunft wirkungsreiche Form. Das rechte Wort,das oft geradezu schöpferische Bedeutung haben kann, wird deshalb aller Orten mitRecht gepriesen; wie in der eigenen so auch in des Hörers Seele erzeugt es Gedanken,wenn es vermöge der inneren Sprachform die mit ihm asscciirten Gedanken emporhebt,oder als ein Magnet aus dem Schacht der unbewußten psychischen Elemente die ersehntenans Licht des Bewußtseins zieht; oder Anziehung und Abstoßung unter denselben zu-gleich bewirkt. Besonders hervorgehoben zu werden verdient es, daß namentlich eine