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11 (1878) Rußland; Lateinischer Unterricht; Sprache
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Sprache.

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ist, daß aber tatsächlich dennoch das eigentliche Schassen und Bilden, auch das wirk-liche Denken, das Finden und Begründen außerhalb des Bewußtseins sich vollzieht undnur erst als ein Fertiges ans Licht des Bewußtseins cmporsteigt. Nur der Antriebund die Absicht des Schaffens auf der einen und der vollendete Erfolg auf der anderenSeite treten deutlich ins Bewußtsein, der dazwischen liegende Act der eigentlichen Pro-duction des neuen Gebildes ereignet sich außerhalb desselben. In der That nunverhält sich die Sache im concreten psychischen Leben so: die bewegten und die ruhendenElemente im Geiste (1) sind nicht absolut verschieden, und die bewußten und die unbe-wußten Elemente (2) sind nicht isolirt; selten wird ein Proceß vollzogen, es sei denn,daß auch unbewußte Elemente sich in wirksamer Verbindung mit den bewußten befinden,und daß auch die vergleichsweise ruhenden eine Mitschwingung mit den bewegtenerfahren oder vollziehen. Die Form aber wie oder der Proceß, in welchem die Mit-wirkung oder Mitschwingung vergleichsweise ruhender und jedenfalls unbewußter Ele-mente mit bewegten und bewußten vorzugsweise vor sich geht, wodurch also die Engedes Bewußtseins durchbrochen und überwunden wird, ist eben die Verdichtung oder dieRepräsentation.

Beobachtet man auch nur in einem Fall einen solchen Nnterscbied des Denkprocesses,wie er bei dem Lehrer der Mathematik und bei seinem Schüler etwa, wenn dieser einengeometrischen Lehrsatz so eben kennen gelernt, stattfindet, so sieht man: die Verdichtungdes Denkens besteht darin, daß für den gleichen Inhalt und die gleiche Intensität desDenkens die Dauer der erforderlichen Zeit und der Aufwand an Kraft immer geringerwird, oder für die gleiche Zeitdauer, oder die gleiche Kraftanstrengung entweder dieMasse des Inhalts oder die Intensität desselben zunimmt. Dies findet schon innerhalbdes Bewußtseins statt; zugleich aber wird eine größere Anzahl unbewußter Elemente ingrößere Regsamkeit der Mitschwingung versetzt. Repräsentation aber besteht darin,daß der Gcdankeninhalt, welcher den Gegenstand unserer Thätigkeit ausmacht, nicht selbstins Bewußtsein oder in den Denkact eintritt, sondern durch ein anderes psychisches Ge-bilde (sagen wir es gleich: durch eine Vorstellung!) vertreten wird. Unser Denken alsoin dieser Art des Processes betrifft irgend einen vollen, weiten, zusammengesetzten Denk-inhalt; dieser aber wird nicht selbst gedacht, sondern an seine Stelle tritt eine bloßeVorstellung, welche sich auf denselben bezieht und ihn im Denken vertritt. Wir sagenz. B.das Vaterland ist in Gefahr." DasVaterland" ist nach seinem wirklichenInhalt eine weitverzweigte Summe von statistischen, ökonomischen, moralischen und poli-tischen Gedankenreihen; aber von alle dem denken wir jetzt bei diesem Ausspruch nichtsweiter als eine flüchtige Vorstellung, welche sich auf jenen Inhalt bezieht; dieseVorstellung enthält eine bloße Hindeutung auf jenen mannigfaltigen Inhalt, ohnedaß er jetzt wirklich gedacht wird.

Im concreten geistigen Leben stehen (oft in demselben Gedankenlauf) Verdichtungund Repräsentation neben einander, gehen in einander über; für die analytische Er-kenntnis aber sind sie deutlich unterscheidbar: in der Verdichtung erscheint der momen-tane Denkact erfüllt und gesättigt von dem ganzen Inhalt, welcher zur Schöpfung desgegenwärtigen Gedankens ins Spiel kommt; in der Repräsentation erscheint der Denkactvon dem wirklichen Inhalt gänzlich entleert und durch eine bloße Beziehung oder Hin-deutung ans denselben ersetzt. (Vgl. L. d. S. II, S. 229247. Zeitschrift f. Völker-psychol. und Sprachwiss. Bd. II, S. 5462. UebcrVerdichtung des Denkens in derGeschichte".) Nur auf den pädagogisch ungemein wichtigen Unterschied will ich hier nochHinweisen, daß Vertretungen entweder in uns gegebene Gedankeninhalte betreffen, oderbloße Hindeutungen und Hinweisungen auf solchen Gedankeninhalt ausmachen, den wirnoch gar nicht besitzen, sondern erst erwerben sollen; die Worte des Lehrers können gleichdem Inhaltsverzeichnis eines Buches vor der Kenntnis seines Gehalts, bloße Hin-weisungen auf ein Jnhaltsgebiet sein, welches im Innern des Schülers noch gar nichtgegeben ist.