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Sprache.
vollends der historische Mensch diejenigen Gedanken, welche selbst schon das Erzeugnissprachgebildetcr Geistesentfaltung sind, nicht Nachdenken könnte, wenn er nicht seineeigenen Gedanken, die von ihm selbst erzeugt werden, in der Form der Sprache gedachthätte, bedarf keines ausführlichen Beweises; von der Natur des aufzufassenden Objectswird, wenn es adäquat erfaßt werden soll, die Beschaffenheit des subjectiven Processesbedingt.
Worin besteht nun die Form und Methode des sprachlichen Denkens? darin, daßmit und in der Sprache zwei neue Arten des psychischen Processes auftreten, durchwelche eine neue und höhere Art psychischer Gebilde erscheint, durch deren Vermittelungwieder andere noch höhere Arten von Gebilden vorbereitet und ermöglicht werden.
Wir haben oben den menschlichen Geist in seiner Entwicklung bis hin zum Ursprungder Sprache begleitet; wir haben in derselben die Entstehung von Empfindungen, War-nehmungcn überhaupt unterschieden, aus denen durch einen subjectiven unbewußten Vor-gang Anschauungen gebildet werden. — Es sei auch erwähnt, daß diese receptive Thätig-keit einerseits von Gefühlen, andererseits von Begierden und Bewegungen begleitet war,welche zu einer Wirksamkeit nach außen führt, d. h. zu einer cbjectiven Gestaltunginnerer Anschauungen, deren Elemente theils von außen gegeben, thcils im Innern freigebildet sind. — In aller dieser Thätigkcit haben wir ferner zur Befestigung und Fort-bildung ihres Erzeugnisses, also des geistigen Inhalts überhaupt, noch zwei Processebeobachtet: die Reproduktion (Gedächtnis und Erinnerung) und die Apperception. Inund mit der Sprache treten zwei neue Processe auf, die wir wesentlich als ihren Erfolgkennen zu lernen haben und die wir als: Verdichtung und Repräsentation be-zeichnen, deren Product als psychisches Gebilde: die Vorstellung ist. Um das Wesenund die Bedeutung dieser Processe in aller Kürze anschaulich zu machen, muß ich anzwei psychologische Thatsachen erinnern: 1) Von der augenblicklichen Thätigkcit, mitwelcher unser Geist beschäftigt ist, unterscheiden wir den dauernden Gewinn und bleiben-den Gehalt derselben; aus unserem zeitlich, in einzelnen Momenten vollzogenen Denkenentsteht unsere Erkenntnis, unser Wissen, unsere Gesinnung, unser Charakter, unserGeschmack und unsere Geschicklichkeit. Ten Inhalt unseres geistigen Daseins besitzenwir also auf zwiefache Weise, entweder so, daß wir eben jetzt mit ihm beschäftigt sind,oder so, daß er unthätig in unserer Seele ruht. Tie geistigen Gebilde mathematischen
Wissens sind beim Rechnen des Mathematikers in Bewegung; aber auch wenn er im
Schauspiel sitzt und mit der dargestcllten Dichtung allein beschäftigt ist, besitzt er seinmathematisches Wissen als Eigenthum, Kraft und Inhalt seiner Seele. Also den ruhen-den, früheren, latenten Inhalt unterscheiden wir vom bewegten, freien, gegenwärtigen.Nun aber ist jede gegenwärtige Beschäftigung, jede Betätigung deS Geistes mit einemInhalt abhängig von dem früheren, sowohl von den früher erworbenen Elementen,als von den früher geübten Processen und den in der lebendigen Bewegung beider
gewonnenen Fähigkeiten. Aber wie geschieht dies? Wir geben die Antwort zugleich
auf die Frage, welche sich ans der zweiten, mit dieser analogen, aber nicht congrucntenThatsachc crgiebt. 2) Wir unterscheiden an dem, was Besitz und Inhalt unseres Geistesist, ob wir uns desselben gegenwärtig bewußt sind oder nicht. Denkt man sich dasBewußtsein gleichsam wie eine hell beleuchtete Fläche, neben welcher rückwärts und vor-wärts sich steigendes Dunkel ausbrcitct, so wird man sagen können, daß alle Elementedes psychischen Lebens reihenweise über diese erleuchtete Bildfläche sich bewegen müßen,daß aber in jedem gegebenen Moment nur eine kurze Reihe von Elementen sich derGunst jener Beleuchtung erfreut, um wieder im Dunkel zu verschwinden. Diese That-sache ist längst als die „Enge des Bewußtseins" bezeichnet. Wie aber ist Zusammen-hang im geistigen Leben, wie ist innere Entwicklung und steigende Ausbildung möglich,wenn alles Bewußtsein nur auS kurzen flüchtigen Reihen besteht? Wir wissen ferner,daß zwar das Bewußtsein des Menschen sein auSzeichnender Charakter ist; daß sichseines Thuns und Wollens bewußt zu sein, der Stolz und die Pflicht des Menschen