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11 (1878) Rußland; Lateinischer Unterricht; Sprache
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Sprache.

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Objecten hat. Um aber zu verstehen, mußte der Mensch hören, denn wie Denkenund Sehen, so sind Hören und Verstehen einander entsprechende Processc; um abervollkommen zu hören, mußte er schweigen. Der Redende denkt, der Schweigendeversteht. Dies ist das geistige Fundament, auf welchem die Schule gebaut ist. DieBedeutung des Sprachunterrichts tritt uns auch hier schon in einer anderen Beziehungentgegen. Bis auf den heutigen Tag sind es ungleich wenige Individuen, welche dieganze Fülle der Sprache in sich aufnehmen; ein höchst beträchtlicher Thcil des lexikalischgeordneten Sprachschatzes liegt für die meisten Menschen, zumal bei der mündlichenUnterredung immer brach; vollends den ganzen Gewinn für die geistige Entfaltung,welcher in der Sprache gegeben ist, erringen nur wenige durch natürliche Aneignungderselben. Deshalb muß die künstliche Unterweisung den natürlichen psychologischen Proceßzu der ihm möglichen Vollkommenheit führen. (S. L. d. S. I. S. 8 und C. AbelüberSprache als Ausdruck nationaler Denkweise." Berlin 1869.)

Hier aber haben wir jetzt im allgemeinen jenen Einfluß, welchen die Sprache rück-wirkend auf die Entfaltung des Geistes ausübt, zu erörtern. Jeder neugeborne Menschmuß, grade so wie der Urmensch, zu denken anfangen; durch die Sprache kommtihm zweierlei entgegen, um ihn unter günstigen Bedingungen in der winzigen Reihevon Jahren eines Menschenalters auf die Höhe einer Entwicklung zu stellen, welcheJahrtausende alt ist. Dies geschieht durch eine zwiefache Eigenschaft oder Leistung derSprache, indem sie nämlich einerseits Mittel der Erhaltung, andererseits Mittel derAusbildung des Gedankens ist. lieber das Erstere, allgemein bekannte können wir unskurz fassen. Durch die Sprache wird der Erfolg der subjectiven Thätigkeit des Geistesobjectivirt, befestigt und überliefert. Die unendlichte Summe vorgedachter Gedanken, derreiche Schatz von geistigem Gehalt auch Gefühlsweisen, Lebensformen und Insti-tutionen als Products von Willensacten, die mit Denkacten verknüpft sind kanndurch die Sprache festgehalten und dem jüngeren Menschen als Erbe der Vergangenheitüberliefert werden. Auch die Erzeugnisse der plastischen Künste und aller Werkthätigkeit(abgesehen davon, daß sie nur von einer durch Sprache wahrhaft geeinigten Gesellschaft,deren Seele von Religion und Dichtung gesättigt ist, zu einiger Vollkommenheit gebracht,nur in dieser erzeugt, verstanden und genossen werden können) sind ohne Sprachen nurstumme Zeugen von dem vergangenen Leben und bilden außerdem immer einen höchstgeringen Theil der Ueberliefcrung von der ehemaligen Gedankenbewegung; nur Sprache(und Schrift als plastisch fixirte Sprache) sind die überlebenden Träger des historischerwachsenen Geistes der Nationen; nur in ihnen und durch sie kann er bei allenfolgenden und auch in fremden Geschlechtern eine stets gesicherte Auferstehung undWiederbelebung feiern.

Denn von allem Innerlichsten, vom Zeitenlauf und Abständen, von verschwindendenVorgängen und seelischen Ereignissen, von Meinungen, Gedanken, Ansichten und Ge-müthsbewegungen, von Motiven und Zwecken, von Gesetzen, Institutionen u. dgl. giebtnur die sprachlich geformte und befestigte Ueberliefcrung eine genaue Kunde.Darüber, daß auch alle organische und sunctionelle fortschreitende Entwicklung der Ge-schlechter in ihrem Erfolge wesentlich von der Erhaltung und Ueberlieferung des frühererzeugten Gedankeninhalts abhängig ist, vgl. L. d. S. II, S. 216 ff.

Wie überaus wichtig aber auch die objcctive Ueberlieferung des subjectiv erzeugtenGedankenschatzes ist: wesentlicher ist dennoch der Dienst, den die Sprache als Form undMethode des Denkens sowohl für die ursprüngliche Erzeugung desselben als für dieMöglichkeit seiner Ueberlieferung zu leisten hat. Diese in der Sprache vorliegendeForm und Methode des Denkens ist das Product der langen Entwicklung vom Ur-menschen bis zum historischen Menschen, und ihre mit jeder geistigen Arbeit in Wechsel-wirkung befindliche Leistung besteht darin, daß sie eine Veredlung, Jdealisirungund Abkürzung des Processes der Gedankenbildung einschließt, deren Größe undWerth zugleich nach der Dauer und Arbeit jener Entwicklung zu ermessen ist. Daß