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11 (1878) Rußland; Lateinischer Unterricht; Sprache
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Sprache.

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als der Zerreißer. Diese Bezeichnung ist die innere Sprach form, in welche dieAnschauung gebracht wird, und sie ist nichts anderes als die Weise der Appcrceptioneines neuen Inhaltes durch einen in der Seele bereits vorhandenen früheren.

In den Wörtern unserer gebildeten Sprachen ist wenig ursprüngliche Sprachformvorhanden, vielmehr gehören fast alle der ableitendeu oder charakterifirenden Stufe an.Eine geringe Anzahl von Elementen konnte hinreichen, um viele Dinge zu bezeichnen,indem ein einziges, obendrein vielleicht ganz subjcctives Moment von denselben apper-cipirt wurde. Pott nimmt an, daß in dem ganzen indoeuropäischen Sprachstamm kaumtausend Wurzeln nachzuweiscn sind. Neuerdings aber hat man versucht, diese ans nochursprünglichere Elemente zurückzuführen und man glaubt den ganzen Sprachschatz auS15 bis 20 Grundelementen ableiten zu können. Dies würde zugleich bedeuten, daßman die unermeßliche Anzahl unserer heutigen Begriffe auf 20 zurückführen kann. Diepathognomische und onomatopoetische Erklärung der Sprache wird dadurch sehr erleich-tert; denn 1520 Lautgcbilde mochte der Urmensch erzeugt haben, und aus den Grund-anschauungen, welche sie bedeuteten, entstand endlich durch fortwährende Appcrception,indem natürlick jeder Erfolg der Appcrception wieder zum Mittel derselben wurde,unsere Begrifsswelt. (Schön ausgcführte Beispiele vielfach verzweigter und deutlickerkennbarer, dennoch oft unerwarteter Zusammenhänge von Wörtern findet man beiMax Müller, Vorlesungen I, 7. Vorl.)

Zugleich sieht man,"wie durch fortgesetzte Apperceptionöprocesse die vielen Syno-nyme entstehen konnten. Irgend ein Merkmal, eine objcctive oder snbjective Beziehungeines bekannten und benannten Dinges, welche dem Geiste des Beobachters als charak-teristisch auffällt, wird zum Motiv eines neuen Namens. So heißt die Sonne: dieglänzende, warme, goldene, der Erhalter, der Zerstörer, der Wolf, der Löwe, dasHimmelsauge, der Vater des Lichts und des Lebens u. s. w. Daher jene Ueberfülle ansynonymen Ausdrücken in den alten Dialekten, daher jener Kampf auf Leben und Todzwischen jenen Wörtern, der zur Vernichtung der weniger starken, weniger glücklichenund fruchtbaren Wertformen führte und mit dem Triumph oft eines einzigen, als desanerkannten und eigentlichen Namens für jedes Ding in jeder Sprache endigte. Diesscheint indes fast nur von den höher gebildeten Sprachen zu gelten, für welche es auchckarakteristisch ist, daß sie von einer bestimmten Epoche in der Entwicklung des Sprach-schatzes ab konservativ werden und zwar noch neuere Bildungen schaffen, aber zugleichdie älteren mit schattirter Bedeutung daneben erhalten. Bei vielen ungebildeten Völkernaber hat man beobachtet, daß sie die früheren Sprachgebilde wieder fallen lassen undneue an ihre Stelle sehen; und hiermit mag es Zusammenhängen, daß eben diese niederenSprachen oft einen so unsäglich kleinen Kreis von Sprachgenossen umfassen; im Innernvon Brasilien z. B. sollen am Lauf eines Flusses von etwa 500 Kilometer an 7 bis 8gänzlich verschiedene Sprachen gesprochen werden. Bildung und Geschichte beruhendarauf, daß die früheren Lebens- und Schöpfungsformen nicht schwinden, während fortund fort Neues geschaffen wird. Am wichtigsten aber wird die erhaltende, und durchdie Erhaltung bedingte, fortbildende Thätigkeit des Geistes durch innere Sprachformdadurch, daß außer der Benennung sinnlicher Anschauungen jetzt vorzugsweise nochzweierlei sprachlich fixirt oder appercipirt werden muß. Einmal ist es das Werk dercharakterifirenden Stufe der Sprachschöpfung, daß durch Analogie und Symbolik mitsinnlichen Erscheinungen für alle übersinnlichen, geistigen und idealen Dinge der sprach-liche Ausdruck, also Stütze und Hebel der Apperception derselben, gefunden werde. So-dann aber sind jene mannigfachen Beziehungen der Tinge lautlich zu fixiren, welchein der grammatischen Gliederung der Sprache ihren treffenden Ausdruck finden. Beides,das llebersinnliche und die unsinnliche Beziehung am Sinnlichen (die Zeit, Causalität,Abstammung, Sollen und Wollen re.) ist ausschließliches Erzeugnis des Geistes; abersie würden nicht zu Stande kommen, wenn nicht stufenweise eine Befestigung des psychi-schen Gebildes durch den Sprachlaut stattfände, namentlich erscheint die fortschreitende,