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Sprache.
auf das Ganze eines gegenwärtigen Actes; im Gefühl bilden also beide Seiten desActes, und auch wohl noch die fast gleichzeitig hinzutretende Warnehmung des eigenenLautes, eine Einheit. Die Lauterzeugung also, die Lautanschaunng und die ansverschiedenen Empfindungen zusammengesetzte Sachanschauung trotz der Verschiedenheitihrer Elemente, ihres Inhalts und ihrer Gliederung sind alle drei umschlossen von derGefühlsein heit, und diese ist das stärkste Band, welches jene umschlingt und dieSachbedeutung des Lautes oder die Lautbcnennung der Sache erzeugt. (Und weil dasGefühl das am meisten und am unmittelbarsten Herrschende in der Seele des einfachenMenschen ist, deshalb hält er auch den Namen für das ungetreunte Wesen der Sacheselbst.)
Drängt nun aber auch der gesammte, vom Gefühl umschlossene Inhalt zum Aus-druck, so wird jener diesen dennoch (namentlich auf späteren Stufen, wenn das Gefühlschon mehr zurück- und die Empfindung und Anschauung vorantritt) nicht durch alleseine Elemente, sondern vorzugsweise durch eins oder das andere erzeugen. Faßt dieSeele in der Anschauung eine Mehrheit von Empfindungen zusammen und betrachtetnun das Ding, von welchem sic alle ausgehen, als eine Einheit, als Ganzes, wie z. B.die Empfindungen des Gelben, des Glänzenden, Harten, Schweren, Klingenden die An-schauung des Goldes ergeben, so wird das Wort, das Lautgebilde „Gold" dies Ganzebedeuten; aber nicht durch alle Empfindungen angeregt hat die Seele den Lautgeschaffen, sondern durch diese oder jene, je nach der größeren Stärke des Eindrucks, desInteresses oder der subjcctiven Beziehung der Sache zum Menschen überhaupt. Indemnun dies Wort Zeichen der ganzen Sache wird, deutet es eben jene subjective Beziehungderselben zum Menschen an. Diese durch die Sprache, durch die Namengebung fest-gehaltene, einseitige Beziehung der vielseitigen Sache zum Menschen nennen wir dieinnere Sprachform. Sie ist das zwar unwillkürliche aber eigene Werk der Seele;die äußere Sprachform ist von physiologischen, die innere von psychologischen Gesetzenvorzugsweise bestimmt. Die innere Sprachform besteht also darin, daß die Anschauungdurch ihre Verbindung mit dem Wort in derselben Weise und Richtung festgehaltenwird, welche bei der Lauterzeugung obgewaltet hat; sie macht eben jene Empfindung,durch deren Reflex vorzugsweise der Laut gebildet worden ist, zum festen Mittelpunct undgleichsam zum Repräsentanten der ganzen Anschauung. Vermöge der inneren Sprach-form werden nun die Dinge und Erscheinungen mit sich selbst als identische, als iden-tische auch dann aufgefaßt, wenn sie in ihrer Erscheinung, Lage u. s. w. sich veränderthaben; sie werden nämlich nicht mehr durch die jemalige Form ihrer Erscheinung alleinpercipirt, sondern durch früher gebildeten und jetzt rcproducirten Sprachlaut appercipirt.
Am deutlichsten und wichtigsten aber zeigt sich die innere Sprachform auf derdritten Stufe der Sprachschöpfung, welche 6. die charakteri sirende heißen soll. Aufdieser werden zwar noch neue Wörter und Wortformen, aber keine neuen Elemente derSprache mehr geschaffen, sondern die vorhandenen um- und ausgcbildet; wenn auf dervorigen Stufe Wortwurzeln erzeugt wurden, welche Anschauungen bezeichneten, so ge-stalten sich jetzt Stamm- und Sproßformeu derselben 1) um bisher unbekannte undunbeuannte Dinge mit einem Namen (oder benannte mit einem zweiten) zu benennen,wie wenn der Wolf aus der bereits vorhandenen Wurzel zerreißen: „der Zerreißer",der Mond: der Zeitmesser; die Sonne: der Erzeuger; Erde: die Gepflügte benanntwird; oder 2) um eine bekannte und benannte Anschauung in ihre Theilc zerlegt be-sonders zu benennen; gab es eine Wurzel, welche die gesammte Anschauung des Fliegensbezeichnte: so entstehen aus ihr Wörter, welche den Fliegenden (Vogel), Flügel, Flug,später, fliegend, geflügelt als Adjective u. s. w. bezeichnen. — Für die neue Anschauungdes bisher ungekanntcn Thieres, des Wolfes, wird also nicht mehr ein neues Sprach-elemcnt geschaffen, sondern indem die Anschauung percipirt wird, wird sie auch zugleichappercipirt durch die allgemeinere Anschauung des Zerreißens, und der Wolf wird nun,obwohl wir zugleich seine Gestalt, Größe, Farbe, Lauf u. s. w. sehen, aufgefaßt bloß