Sprache.
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ersichtlich, wie die Sprache ein ungeheures Uebergewicht in der Seele erlangt, wie sienicht bloß als Abbild, sondern bald auch als Norm uud Triebkraft des Denkenserscheinen wird; denn bei jeder Erinnerung an eine frühere Anschauung zeigt sich: daßvon der sinnlichen Warnehmung nur das innere Bild ohne die äußere Empfin-dung wiederholt wird, von dem begleitenden Worte aber sowohl das innere Bild derLaute als auch die Laute selbst; und dieses Uebergewicht wird mit der Wiederholungpotenzirt.
Man kann sich den Kreis der Anschauungen, welche der Mensch in den erstenEpochen der SprachschLpfung bildet, nicht eng genug denken; denn auch von seiner wirk-lichen Umgebung nimmt er nur war, was er von ihnen appercipirt. Es fehlt ihm anKategorieen der Apperception, welche vorzugsweise erst durch die Sprache zahlreicherwerden. Die makrokosmischen Erscheinungen, Regen, Blitz und Donner, Sturm, dieSonne und die Gestirne der Nacht, und das Meer mögen einen sinnlich überwältigendenEindruck machen und zugleich durch ihren schicksalbestimmenden Einfluß die Apperceptionerzwingen. Von den mikrokosmischen Erscheinungen wird nur so viel und dies nur soerfaßt werden, wie es durch Nutzen und Schaden bedeutsam ist; allen Anschauungenvon Naturdingen aber wird noch die Analyse fehlen; nur als Ganzes werden sic an-geschaut.
Anregend und bestimmend, wesentlich erweiternd, aber auch begrenzend für dieAnschauung wird die productive Thätigkeit des Urmenschen im weitesten Sinnesein. Alle Veränderung, welche der Mensch selbst an Naturdingen hervorbringt,alles Wirken und Machen, alles Schaffen und Gestalten von Geräthen, Werkzeugen,Waffen und Zierrathen wird von Tönen begleitet sein. Neben der Anschauung ist dieSchöpfung deshalb ein so wichtiges Motiv der Sprachbildung, weil die von der ge-staltenden und bildenden Thätigkeit ausgehenden Kategorieen der Apperception subjectivc,der eigenen Persönlichkeit entstammende und als solche den Dingen gegenüberstehendesind; denn dies macht sie der Apperception durch Sprachlaute so nahe verwandt; inSprache und Kunst (im weitesten Sinne) ist die eigene, productive Thätigkeit das Zeu-gende und Regierende. Je geringer aber der Kreis der Anschauungen und Schöpfungenwar, desto leichter und fester konnten die Sprachlaute sich mit ihnen verbinden; Thunund Tönen kehren immer wieder zurück. Und desto einflußreicher wird der Ton, destobedeutsamer für das innere Bild, welches er begleitet, weil er ein sinnliches Elementist, und dem Urmenschen wie dem Kinde noch Sinn und Gemüth, Aug' und Ohr undSeele ganz und gar an dem Aeußeren hängt. Die Proportionen des Antheils und derBedeutsamkeit des Aeußeren und Inneren in den aus beiden zusammengesetzten Erschei-nungen (der Sprache, wie der Gedanken über Naturdinge) ändern sich im Laufe derCulturentwicklung; in der Urzeit sind die sinnlichen Elemente zur Schöpfung lebendiger,die Kräfte freier und frischer, die Erfolge und die Freude des Gelingens ungleich größer,als wir nach heutiger Erfahrung annehmen würden.
In der Sprachschöpfung haben wir drei verschiedene der Zeit aber auch, was wichtigerist, dem Werthe und Wesen nach auf einander folgende Stufen zu unterscheiden. Die untersteist: L.. die Inte rjection. (Nach unserem und jetzt allgemeinem Sprachgebrauch müßte sienicht „Empfindungs"-sondern „Gefühlslaut" heißen.) Sie besteht, selbst heute noch meistaus natürlichen und ursprünglichen, nicht aus überlieferten und erlernten Lauten; so werdensie auch verstanden ohne Tradition, haben ihre Bedeutung ohne Convention. Sie ist nochnicht ganz und eigentlich Sprache; denn sie drückt nur den gegenwärtig erzeugten Zustand derSeele, ein Gefühl, einen Trieb aus, aber kein Object. (Auch nicht das Gefühl alsObject: das „Ach" und „Weh'" o/xro? u. dgl. sind sehr späte Bildungen.) Der aus-gestoßene Schmerzenslaut ist nicht ein Zeichen, sondern ein Erfolg des Schmerzesselbst. Aber dieser Erfolg wird verstanden; er soll nicht ein Zeichen sein aufSeiten dessen, der den Jnterjectionslaut hervorbringt, aber er wird zum Zeichen aufSeiten des Hörenden. Die Jntcrjectionen der Triebe, des Begehrens und Zurück-