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11 (1878) Rußland; Lateinischer Unterricht; Sprache
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Sprache.

durch die Leiter der Sinnesorgane empfangen wir die Empfindungen: Farben, Töne,Gerüche, Geschmäcke, Tastwarnchmungen aller Art; allgemeine Eindrücke der Temperatur,des Lichts, der Luft bilden den Uebergang zwischen beiden (werden deshalb auch sprachlichals Gefühle bezeichnet). An die Empfindungen und Gefühle, besonders aber an letztereschließen sich als Wirkung und als Ursache mit ihnen verkettet die Affecte, Be-gierden, Triebe, welche wiederum Bewegungen und Handlungen aller Art zur Folgehaben. Das Muskelgefühl, durch welches sowohl die eigenen Bewegungen der Gliederals auch der (angenehme oder unangenehme) Zustand während derselben wargenommenwird, bildet hier den Uebergang, und es gehört zu den wesentlichsten und am meistenbildenden Elementen für die Seele, weil die zur Gewinnung objcctiver Empfindungenoft nothwendige Bewegung das Maß und die Ordnung derselben am meisten kennenlehrt. Das Muskelgefühl bei der Erzeugung der Sprachlaute spielt eine wesentlicheRolle. Die Sammlung und Vereinigung vieler dieser Elemente vorzugsweise derEmpfindungen gemäß den in den Dingen objectiv verbundenen Eigenschaften heißenwir Anschauungen. Diese find (mehr oder minder adäquate) Bilder der aufgefaßtenObjecte; sie sind, als ideelle Vereinigung der inhaltlich gesonderten Empfindungen daseigene Werk der Seele, welches aber natürlich nicht in einem bewußten oder will-kürlichen, sondern uothwendigen, gesetzmäßigen und unbewußten Act vollbracht wird.Es ist wichtig zu bemerken, daß die Empfindungen, aus denen Anschauungen gebildetwerden, aus gegenwärtigen und aus vergangenen und nur erinnerten gemischt sein können.Alle diese Formen geistiger Thätigkeit sind nicht von der Sprache bedingt, setzen sienicht voraus. Aber nach den allgemeinen physiologischen Gesetzen des menschlichen Orga-nismus wird die Seele keinen Eindruck durch ihn empfangen, keine Bewegung durch ihnvollziehen, ohne daß der Organismus dabei zugleich in Tönen ausbricht; jede, wenigstensjede neue Anschauung eines Dinges wird auch von der Erzeugung eines den Empfin-dungen entsprechenden Lautes begleitet sein. Entsprechend heißt dieser Laut, weil ereinfache Reflexbewegung also ein Product der unmittelbaren organischen Nothwendigkeitist. Diese Laute sind di« Elemente der Sprache, d. h. sie sind noch nicht, aber siewerden Sprache. Wodurch? Sobald die Seele ein Object warnimmt und zugleich derOrganismus in einen reflectirenden Laut ausbricht, so nimmt die Seele auch diesen Lautund zwar gleichzeitig war. Zwei psychische Elemente aber, welche gleichzeitig oder inunmittelbarer Folge in der Seele gegeben sind, verbinden sich nothwendig und natur-gesetzlich mit einander, dergestalt, daß wenn künftig das eine (irgend wodurch) repro-ducirt wird, eben durch dieses auch das andere ins Bewußtsein oder in die Actiouzurückgeführt wird. Nach diesem allgemeinsten Gesetz der Reproduction findet also einenothwendige Association der Lautanschauung mit der Sachanschauung statt; der Ein-druck, welchen die Seele vom Organismus empfangen, undsjder Ausdruck, mitwelckem der Organismus jenen begleitet hat, haften nothwendig an einander; sie sindzusammen ein psychisches einheitliches Gebilde von demselbenUGrade und mit demselbenGrunde des Zusammenhangs, wie irgend eine Einheit von mehreren Empfindungen inder Anschauung von Dingen mit mehreren Eigenschaften. Zugleich findet auch eineAssociation der Lautanschauung mit derjenigen Bewegung der motorischen Nerven statt,welche die Lauterzcugung bewirkt hat. Die naturgesetzliche Verbindung von Leib undSeele, die wir kennen gelernt haben, wird nothwendig zur Sprachschöpfung durch folgen-den Vorgang: 1) die Seele empfängt durch Sinnesorgane einen Eindruck und bildeteine Anschauung des Dinges; 2) diese Anschauung der Seele reflectirt in einerBewegung des Organismus, welche einen Laut bildet; dieser Laut macht wiederumeinen Eindruck auf die Seele und sie bildet von ihm eine Lautauschauung; 3) mit derLautauschauung associirt sich mit reproductivem Erfolg einerseits die Dinganschauuug,andererseits die reflectirte Bewegung oder die Lauterzcugung. Jede Wiederholung stärkt(nach bekanntem Gesetz) diese Association, auch wenn sie nur in der Erinnerung geschieht;und auch die Erinnerung an die Dinge wird in Tönen ausbrechen. Hieraus ist nun