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11 (1878) Rußland; Lateinischer Unterricht; Sprache
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Sprache.

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unter Spannung der Stimmbänder; 2) eine Bewegung in den isogenannten Sprach-werkzeugen (Kehle, Zunge, Kiefern, Gaumen und Lippen, stellenweise auch der Nasen-höhle); die Vocale erfordern außer der Athmungsveränderung eine bloße bestimmteStellung und Lage der Sprachorgane, die Conscnanten eine bestimmte Bewegung derTheile in der Mundhöhle und Rachcnenge, meist aber auch einen bestimmten Anschlagderselben an andere Theile.

Um nun den Ursprung und den Bestand der Sprache zu verstehen, haben wir unsfolgende Thatsachen gegenwärtig zu halten: 1) Die psychischen Ereignisse in der Seeledes Kindes und deren Erfolge, überhaupt alle Einwirkungen von außen nach innen undvon innen nach außen, geschehen durchaus nothwendig und unwillkürlich, und bilden dieGrundlage für spätere bewußte und absichtliche Thätigkeit; 2) auch die bewußte Seele,oder der Geist, kann im Körper nichts anderes Hervorbringen, ihn auf keine andere Artin Bewegung setzen, als dasjenige was und die Art, wie es vorher in unbewußter Weisegeschehen ist. Der bewußte Geist kann als solcher nicht unmittelbar auf den Körpereinwirken; auch der kenntnisreiche Physiolog wüßte nicht, wie er dies anzufangen habe;vielniehr bedient sich nur der Geist des psychisch-organischen Mechanismus, welcher seinObject und sein Organ ist. Der Mensch ist im Stande, Töne hervorzubringcn, obgleicher den Mechanismus, durch welchen es geschieht, schlechterdings nicht kennt, dadurch unddadurch allein, daß er sie denkt; zwischen der Lautanschanung, dem inneren Bilde desWortes und den Organen, welche dasselbe hervorzubringen vermögen, findet eine solcheVerbindung statt, daß wenn das Wort in der Seele gedacht, vom Organismus auchhervorgebracht wird. Nur im absichtlichen Schweigen wird diese Verbindung gelöstund durchbrochen; darauf beruht die große Bedeutung des Schweigens für die wirklicheFreiheit des Geistes, welche aber dadurch noch größer erscheint, weil nun auch das Redenneben der Möglichkeit des Schweigens ganz ans der Freiheit und Absicht zu stammenscheint.

Auf dem Wege der Entwicklung des menschlichen Geistes liegt auch die Sprache;sie entspringt durch geistige Thätigkeit, bildet eine bestimmte Form derselben und übteinen rückwirkenden Einfluß auf dieselbe aus. Alle geistige Thätigkeit besteht auseinfachen psychischen Elementen; aber die Art der Verbindung dieser Elemente isteine verschiedene und dem Werthe nach aufsteigende, sie erzeugt verschiedene geistige Ge-bilde von stufenweise ansteigendem Werth und Erfolg, etwa wie die physischen Elementedurch mechanische, plastisch-krystallinische, chemische und organische Verbindungen. Vorder Sprache finden wir in der menschlichen Seele bereits alle psychischen Elemente, oderpsychischen Thätigkeiten in ihrer elementaren Form. Zeitlich die frühesten Elemente sinddie Gefühle; die frühesten, obwohl sie ihrer Natur nach nicht die ursprüngliche undunmittelbare Action der Seele ausmachen. Gefühl bezeichnet den Zustand der Seelewährend und infolge irgend einer Thätigkeit derselben. Aber wenn die ursprünglichsteThätigkeit in dem Eindruck besteht, den ein Gegenstand auf uns macht, so wird dochzunächst wahrscheinlich nicht dies Object (oder Subject) des Eindrucks, sondern nur dieVeränderung des eigenen Zustandes aufgefaßt, und dies eben nennen wir Gefühl.Ihrem Inhalte nach sind die Gefühle meist ganz unbestimmt. Insbesondere die wahr-scheinlich frühesten Gemeingefühle; sie begleiten die gesammte organische Thätigkeit undwerden als Behagen und Unbehagen, Gesundheit und Krankheit, Stärke und Schwäche,Schlaffheit oder Anspannung der Nerven wargenommen. Localisirt in einzelnen Thcilendes Körpers und von bestimmterem Inhalt sind dann die verschiedenen Gefühle desAngenehmen und Unangenehmen, der Lust und des Schmerzes. Im Gefühl also nimmtdie Seele nur ihre eigenen und des Leibes Zustände, aber noch kein Object war; dieeigentliche Warnehmung der äußeren Welt und auch des eigenen Körpers d. h. die Auf-fassung derselben als bestimmte Objecte beginnt mit der Empfindung. In den sen-siblen Nerven findet die Erregung der Gefühle statt; durch die Sinnesncrven aber,

Pädag. Encyklopiidie. XI.