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11 (1878) Rußland; Lateinischer Unterricht; Sprache
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Sprache.

L. Die productive Thätigkeit des psychophysischen Organismus besteht aus Bewegun-gen; diese sind entweder willkürliche oder unwillkürliche. Die Processc der Verdauung, desBlutumlaufs, des Wachsthums sind unwillkürliche; alles Machen, Schaffen, Gestalten, allesHantircn mit und ohne Werkzeug, die Bewegung aller ganzen Glieder, Erzeugung von Tonenaller Art, Veränderungen der Lage der GesicktStheile u. s. w. sind willkürlich. Die unwill-kürlichen Bewegungen geschehen durch angeregte und fortgepflanzte Nervenreize, die will-kürlichen durch die Absicht und deren Einwirkung auf die motorischen Nerven. Alle derWillkür unterwerflichen Bewegungen werden vorher ohne Absicht vollzogen; sie be-ruhen ebenfalls auf unwillkürlichen und nothwendigen Verbindungen, deren der Geist erstspäter sich bewußt wirb und in den Dienst nimmt. Die Bewegungen gehen immervorher ans einer anderen Ursache hervor, bevor die Absicht deS Geistes ihre Ursachewird. Ja, diesen Umstand selbst, daß die Absicht wirkende Ursache der BewegungWerden kann, nimmt der Geist erst durch die Erfahrung war, indem auf die unbewußtin ihm anfsteigende Absicht die Bewegung als Erfolg eintritt. Man pflegt die unwill-kürlichen Bewegungen auch als Reflexbewegungen zu bezeichnen und deutet damit an,daß die sensiblen Reize, welche Ursache derselben sind, in ihnen oder in der motorischenThätigkeit reflectiren. Die Bedeutung aller rcflectorischen Thätigkeit wird dann ambesten erkannt, wenn man festhält, daß sich in ihr der sensible und der motorische Nervwie die zwei Schenkel eines Winkels zu einander verhalten, daß im Scheitelpunct des-selben, nämlich im Centralorgan, eine psychische Regung oder ein einheitliches inneresGebilde entsteht, in welchem der zugeleitete Reiz und die ausstrahlende Bewegung zu-gleich enthalten und mehr oder minder deutlich vereinigt sind. Hieraus nämlich folgt,daß die motorische Thätigkeit theils an das psychische Element, welches aus dem Sinnesreizvormals entstanden ist, allein, (auch ohne jetzigen Sinnesreiz), theils überhaupt anpsychische Elemente sich anschließen kann. Athmen, Schlingen, Erbrechen, Husten, Niesensind rein reflexive Bewegungen durch Sinnesreize; aber die bloße Anschauung einer Ekelerregenden Speise ohne die Berührung derselben mit Zunge und Gaumen, ja die bloßeErinnerung an sie, kann die präludirenden Bewegungen des Erbrechens erzeugen; über-haupt können Vorstellungen uns beklemmen, den Athem einengcn, ihn erleichtern; komischeund trübe Vorstellungen allein skonnen ebenso gut wie Kitzel und Körperschmerz Lachenund Weinen Hervorbringen. Hieher gehört auch, daß die bloße Vorstellung einer Be-wegung, sic sei sinnlich wargenommen oder bloß erinnert oder gedacht, dieselbe Hervor-rufen kann; man hat jene Arten der Bewegungen als dienende, ausgleichende undbegleitende, diese dagegen als nachahmende bezeichnet. Daß es außerdem auch nochMitbewegnngcn (des einen Muskels, wenn der andere gereizt wird) und Associations-bewegungen giebt, will ich wenigstens andeuten.

Unter diesen Reflexbewegungen treffen wir also bereits auch schallende Respirations-Veränderungen als Folgen theils von äußerem Nervenreiz (Niesen und Gähnen), theilsvon Anschauungen und inneren Vorgängen (Lachen und Weinen). Von ganz gleicherNatur wie diese, d. h. also eine bloße unwillkürliche Reflexbewegung ist der Schrei desThieres und des Menschen infolge von Schmerzgefühlen; ebenso die Töne, welche denAusdruck der Lust beim Thiere andeutcn, sammt dem Gesang der Vögel. Beim Menschenschließt sich hieran noch: ächzen, stöhnen, juchzen und jauchzen, schmatzen und schnalzen;endlich sind alle übrigen Empfindungslaute, die Interjektionen, nichts anderes als Reslex-bewegungcn in den Stimmorganen. Der Proceß der Lautcrzeugung, die Arti-kulation der Töne, die Hervorbringung von Consonantcn und Vocalen ist demnach inder ursprünglichen Natur des menschlichen psychisch bewegten Organismus begründet,und wird vor aller Willkür, also ohne absichtliche Einwirkung des Geistes,obwohl ans Veranlassung von Empfindungen und Vorstellungen, voll-zogen.

Zur Erzeugung von eigentlichen d. h. articulirten Sprachlauten gehört 1) eineVeränderung der Respiration und Gestaltung des durch dieselbe erzeugten Luftstroms